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Thomas Gonschior: Auf den Spuren der Intuition

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Thomas Gonschior
Thomas Gonschior

Gespräche über das Unaussprechbare

Thomas Gonschior nimmt seine Leserschaft mit auf eine faszinierende Reise in die Welt des »inneren « Menschen. Die bisherige wissenschaftliche Sichtweise hat die Menschen gelehrt, Dinge kaputt zu machen, sie zu sezieren, zu analysieren, in Fragmente zu zerlegen und zu nummerieren. Diese Form der Wahrnehmung der Welt hat die Menschheit vielleicht dazu befähigt, zum Mond zu reisen, sie hat sie aber auch isoliert, einsam gemacht und ihre Seele beschädigt.

In der Wissenschaft der Moderne wurde mehr und mehr das Auge zum Instrument der Wahrnehmung der Wirklichkeit: »Die Lasterhaftigkeit des Sehens ist die Krankheit unserer Zeit« (Gabriel Strenger). Thomas Gonschior dagegen ist ganz Ohr, wenn er die verschiedenen Menschen besucht und sie zum Thema »Intuition « befragt. Der Begriff Intuition hat zwar seine Wurzeln im lateinischen, »intueri«, was anschauen, betrachten, erwägen bedeutet. Aber es geht dabei um ein inneres Sehen, die Entwicklung eines Spürsinns, die Fähigkeit, sich eine Eingebung schenken zu lassen.

In den Gesprächen, die Thomas mit seinen Gesprächspartnern und Gesprächspartnerinnen führt, wird deutlich, dass Intuition nicht einfach ein Bauchgefühl ist, sondern in der Kombination von intellektuellem Lernen und einer Reflexion, die auf einer anderen Ebene des Geistes stattfindet, zu verorten ist. Intuition findet im Bereich des Nicht-Wissens statt. Es lässt sich nicht verzwecken, ist aber auch nicht losgelöst von dem, was bisher gedacht und geforscht wurde. »Man denkt aus dem Bestehenden heraus weiter«, wie der Autor es ausdrückt. Intuition ist gleichzeitig Gnade. Dieser schöne, altmodisch erscheinende theologische Begriff erwacht hier wieder zum Leben.

Und das ist das Bestechende an dem Buch: Es verbindet Wissenschaft mit Religion und Spiritualität. Die Menschen, denen Thomas Gonschior für dieses Buch zugehört hat, sprechen aus dieser Verbindung heraus. Dadurch wird eine alte, neue Form von Menschlichkeit spürbar, die einen beim Lesen berührt. Am liebsten würde man Thomas Gonschior nachreisen und das Gespräch weiterführen mit all diesen spirituell wachen Menschen, denen er da begegnet ist. Schade nur, dass es kein Personenverzeichnis im Buch gibt. Andererseits hat es auch was, dass sich hier nicht ein Interview an das andere reiht, sondern der Autor die Interviews in sich verarbeitet und ins Gespräch bringt. Am Ende hält man mit diesem Buch einen bunten Strauß des facettenreichen Phänomens der Intuition in seinen Armen und freut sich, ein Zeitzeuge zu sein.

Bewertung: sehr gut

Beatrix Jessberger

Thomas Gonschior: Auf den Spuren der Intuition. Herbig 2013, 240 S., HC, 17,99 €

   
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