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Amana Fontanella-Khan: Pink Sari Revolution

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Amana Fontanella-Khan
Amana Fontanella-Khan

Frau sein in Indien

Spätestens seitdem einige der brutalen Vergewaltigungen von Frauen in Indien ihr mediales Echo in Deutschland fanden, ist vielen Menschen in Europa die Situation von indischen Frauen präsenter. Die gesellschaftlich und religiös verankerte Frauenverachtung lässt viele Frauen in Indien Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt werden.

Das indische Familienministerium veröffentlichte vor einiger Zeit Zahlen, wonach mehr als 70 Prozent der Frauen im Lande unter Gewalt leiden. Insbesondere bei sexueller Gewalt sind sie in zweifacher Hinsicht die Leidtragenden: zuerst als Opfer des Übergriffs und dann zum zweiten Mal, wenn die offiziellen Stellen wie die Polizei bei einer Anzeige entweder inaktiv bleiben oder die Frauen dort sogar ein weiteres Mal misshandelt werden. Amana Fontanella-Khan berichtet in ihrem Buch »Pink Sari Revolution « jedoch von einem echten Hoffnungsschimmer für indische Frauen, und das ist die Geschichte von Sampat Pal. Sie lebt in Uttar Pradesh, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat von Indien, der auch einer der korruptesten ist. Sampat ist vergleichsweise ungebildet, aber von einem enormen Selbstbewusstsein angetrieben, und gründete mit dieser Power eine der durchsetzungsstärksten Vereinigungen für Frauen, die Gulabi Gang.

Den Namen erhielt die Bewegung durch die pinkfarbenen Saris, die die Frauen tragen (gulabi heißt auf Hindi pink), wenn sie öffentlich in Erscheinung treten. Samat Pal und die Gulabi Gang, die mittlerweile 20.000 Mitglieder umfasst, sind der Schrecken korrupter indischer Politiker und Beamter. Sobald die Frauen erfahren, dass die Rechte von Frauen, sei es im privaten oder im öffentlichen Raum, beeinträchtigt werden, treten sie in Aktion, indem sie z.B. Amtsstuben besetzen oder mit Knüppeln bewaffnet vor Einrichtungen erscheinen und die Offiziellen so unter Druck setzen, dass diese etwas unternehmen.

Das Vorgehen der Bewegung dokumentiert die Autorin in ihrem Buch besonders anschaulich an einem Fall, der 2011 Indien beschäftigte: die Vergewaltigung einer jungen Frau durch einen Politiker und die Versuche der Polizei, das Opfer zu kriminalisieren. Das Buch schildert aber nicht nur anschaulich die Arbeit von Samat Pal und der Gulabi Gang, sondern es vermittelt dem Leser einen guten Einblick in die gesellschaftliche und politische Lebenswelt des Großteils der Inder, der immer noch auf dem Land lebt, und das sind immerhin mehr als eine halbe Milliarde.

Bewertung: sehr gut

Katharina Ceming

Amana Fontanella-Khan: Pink Sari Revolution. Die Geschichte von Sampat Pal, der Gulabi Gang und ihrem Kampf für die Frauen Indiens. Hanser Berlin 2014, 272 S., HC, 19,90 €

   
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