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Götz Werner: Womit ich nie gerechnet habe

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Götz Werner
Götz Werner © dm-drogerie markt

Die Autobiographie des dm-Unternehmers

Götz Werner, Gründer der dm- Drogeriekette, schildert in seinem Buch, wie sein Weltbild, ungewöhnliche Perspektiven und ein bewusster Umgang mit Begriffen ein Unternehmen verändern können. Und dies mit großem Erfolg! Er ist der Ansicht, dass es vor allem auf Menschen und Weltinteresse, Wärme und Licht sowie auf den »Zukunftsblick « ankommt. Dagegen ist das Fortführen des bereits Erreichten keine geschäftstaugliche Lösung, auch wenn es erfolgreich war, denn nur Bürokraten handeln aus der Vergangenheit heraus. Es macht von Anfang an Spaß, seine Schilderungen und Überlegungen zu lesen, weil sie authentisch anmuten.

Am Anfang stand Götz Werners Idee, die Aldi-Discountermethode im Drogeriebereich umzusetzen. Dies hatte unzählige Widerstände zur Folge und resultierte im Rausschmiss aus Vaters Laden. Werner gründete daraufhin sein eigenes Geschäft. Er machte sich zur Aufgabe, die Konsumbedürfnisse seiner Kunden zu veredeln. Und ihm war klar, dass er dies nur erreichen konnte, wenn er den Menschen als Bewusstseinswesen anspricht, nicht als Triebwesen, wie in der Werbung üblich. »Wenn ein Unternehmer die Welt und seine Mitmenschen nicht liebt, wird er auf die Dauer nicht erfolgreich sein«, so Werner. Die Schilderung einer so gelebten Praxis ist spannend zu lesen. Eines seiner wichtigsten Erkenntnisse war die Veränderung der hierarchischen Unternehmensstruktur in Richtung Subsidiarität und Demokratie. Die Mitarbeiter in den Filialen sind am nächsten am Kunden dran und somit die besten Experten für deren Wünsche und Bedürfnisse. Die Etagen darüber sollten ihnen zuarbeiten. Dass die Umsetzung einer Erkenntnis aufwendige Prozesse verlangt, wird in Götz Werners Buch anschaulich beschrieben. Neben seinen unternehmerischen Tätigkeiten schildert er hier auch sehr persönliche Momente aus seinem Leben. Etwa die Erfahrungen mit der schwer kranken Frau, die gewonnenen Erkenntnisse in der Rolle als Hausmann oder die Erfolge als Ruderer.

Wer Götz Werner vom Thema Bedingungsloses Grundeinkommen her kennt, wird sich nicht wundern, dass die Themen Geld, Arbeit und Einkommen ihren Platz auch in diesem Werk finden. Die Begriffe Arbeit und Einkommen werden von Werner getrennt gedacht. Den Spruch »Arbeit ist, was bezahlt wird. Alles andere ist Liebe oder Spaß« findet er ebenso falsch wie Sonderangebote für seine Kunden oder finanzielle Anreizsysteme für die Mitarbeiter. Letztere seien das eigentliche Kapital des Unternehmens. Sie verursachen keine »Personalkosten«, schreibt er, sondern erhalten bei dm ein »Mitarbeitereinkommen«. Sie sind die Wertschaffer, nicht Wertminderer. Lohn ist nicht das Ergebnis der Arbeit, sondern dessen Voraussetzung. Und Arbeit muss man nicht sichern, sondern erledigen. Das sind die Einsichten, die für die erfolgreiche Geschäftsführung nach Werner wichtig sind. »Sinn sticht Geld«, schreibt er. Für einander tätig sein, das macht Sinn und impliziert laufende Veränderungen. Somit ist der bekannte Slogan »Never change a winning team« falsch. Seine geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse waren für ihn dabei ein starker Motor. Die Idee des Ausbezahlens des Steuerfreibetrages führte ihn schließlich zur These des Grundeinkommens.

Das Gelesene finde ich so einleuchtend, dass ich mich frage, warum das nicht die meisten Unternehmer so handhaben. Warum bleibt wohl ein so erfolgreicher Unternehmer wie Götz Werner eher die Ausnahme? Vielleicht weil für ihn Gewinn nichts mit der Gier und mit dem Geld in seiner eigenen Tasche zu tun hat.

Am besten hat mir am Buch gefallen, zu sehen, wie Perspektivenwechsel und lebendig gedachte Begriffe einen Betrieb von Grund auf prägen und positiv beeinflussen können. Lebenserfahrung, Humanismus, Weitsicht und Humor des Autors machen dieses Buch zu einem Lesegenuss.

Bewertung: hervorragend

Alfred Groff

Götz Werner: Womit ich nie gerechnet habe: Die Autobiographie. Econ 2013, HC, 304 S., 19,90 €

   
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