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Christian Felber: Geld

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Christian Felber
Christian Felber

Das gute alte Geld

Jetzt habe ich Christian Felbers neuestes Buch zu Ende gelesen. Ich halte es in den Händen, es ist weiß, vorne sehe ich den umrahmten Buchstaben D. Am Buchrücken die Buchstaben G, E, L und D. Auf dem blauen Papierumschlag steht »Geld – Die neuen Spielregeln«. Schön wär's, denkt mein Intellekt. 304 Seiten habe ich nun gelesen, und jetzt? Der Autor meint, dass Geld die Welt regiere, aber nicht solle. Einverstanden, denke ich.

Das Wie ist hierbei die spannende Frage! Christian Felber meint, dass statt der Finanzwirtschaft der Souverän Entscheidungen fällen müsse, die Zentralbanken demokratisiert werden sollten, dass es keine Währungsspekulationen mehr geben dürfe und dass eine Obergrenze für Geldbesitz angebracht wäre. Damit müsste eigentlich die Mehrheit der Weltbürger einverstanden sein, da es nur zu ihrem Nutzen wäre. Warum geschieht das dann nicht? Und wie kann es Wirklichkeit werden? Dafür brauchen wir eine demokratische Geldordnung. Deren zwölf potentielle Bausteine werden im Buch vorgestellt. Manchmal habe ich beim Lesen Einblicke in die Finanzwelt bekommen, manchmal war es meinem Hirn des Guten zu viel. Das ahnte der Autor, denn er schreibt am Ende des Buches: »Nun haben Sie sich durch den Hauptteil durchgeackert. Für einige war die Kost vermutlich nicht die leichteste. Andere werden überrascht sein, dass sich das Geldsystem ja doch verstehen lässt, wenigstens in groben Zügen.« Recht hat er.

Aber will ich es überhaupt so genau wissen? Will ich nicht nur Geld, das mir und der Mehrheit meiner Mitmenschen dient? Nehmen wir den Reichen das Geld einfach ab? Solche Versuche gingen in der Vergangenheit immer schief. Oder führen wir direkte Demokratie ein, diskutieren lange genug, dass alle verstehen, was wirklich von Nutzen für sie ist, und beschließen es dann mehrheitlich? Das mögen unsere Stellvertreter nicht so gern, und wir nehmen diesen Tatbestand bis jetzt einfach hin. Oder ist integrale demokratische Simultanpolitik die Lösung? Christian Felber schlägt den Weg demokratischer Geldkonvente vor. Wie das aussehen könnte, beschreibt er in seinem Buch und regt die Diskussion durch einen ausführlichen Katalog von 47 Fragen hierzu an. Wer neugierig ist, findet sie auch auf seiner Gemeinwohlökonomie- Website (www.ecogood.org).

Gibt es genug Menschen, die diesen Weg beschreiten wollen? Ich hoffe es, bin aber etwas skeptisch, da wir zwar einerseits leidenschaftliche Meinungen zu Themen wie Demokratie und Geldfragen haben, uns andererseits aber alltägliche Dinge mehr beschäftigen. Wir möchten auf andere zählen, die die politischen Entscheidungen für uns erledigen. Jedenfalls finde ich es gut, dass es dieses Buch gibt. Es ist wert gelesen zu werden, auch wenn der Inhalt zeitweilig etwas trocken sein mag. Ich würde mich freuen, wenn sich jetzt genügend Menschen diesem Thema zuwenden würden und daraus ihre praktischen Konsequenzen ziehen. Ich dagegen stelle das Buch jetzt schnell in mein überfülltes Bücherregal, ich muss nämlich noch zum Bankautomaten, meine E-Mails lesen, meinen Bekannten anrufen und dann noch schnell was essen … die Zeit läuft mir eh schon davon.

Bewertung: sehr gut

Alfred Groff

Christian Felber: Geld – Die neuen Spielregeln. Deuticke Verlag 2014, HC, 304 S., 18,90 €

   
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