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Klaus J. Bracker: Veda und lebendiger Logos

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Klaus J. Bracker
Klaus J. Bracker

Aurobindo und Steiner im Vergleich

Der Untertitel »Anthroposophie und Integraler Yoga im Dialog« verrät mehr über den Inhalt dieses Buches von Klaus J. Bracker als der Haupttitel. Zumindest für diejenigen, die Rudolf Steiner und Sri Aurobindo bereits kennen. Es geht ihm um eine evolutive oder planetarische Spiritualität. Dieses Konzept verlangt, »dass in ihrer Sphäre die Begegnung verschiedener geistiger Strömungen im Sinne pluraler, polyzentrischer und subsidiärer Strukturen vor sich geht.«

Will man dieses Ziel erreichen, so wird es notwendig sein, diverse Terminologien einfühlsam zu erlernen und Übersetzungsarbeit in erheblichem Umfang zu leisten, meint der Autor. Das Buch möchte als Beitrag zu einer künftigen Begegnungskultur zwischen den großen Schulen menschlicher Spiritualität verstanden werden und untersucht im Zuge dessen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von zwei Ansätzen. Unterschiede, ja, auch die gibt es – etwa in der Frage der Stellung höherer spiritueller Wesen und deren Wirken. Die Hauptkapitel haben Indien, Sri Aurobindo, das schöpferische Wort, die Evolution und wahre Ichheit sowie das Göttliche zum Thema.

Wenn man sich diesen lohnenden Themen anhand dieses Buches zuwendet, sollte man wissen, dass zumindest die drei folgenden Gegebenheiten das Lesen nicht immer einfach machen: Zunächst wird der Textfluss regelmäßig durch Zitate unterbrochen, vor allem von solchen der beiden oben genannten Herren. Dann gibt es sehr viele nicht alltägliche Termini. Damit der Leser seine Suchmaschinen nicht überstrapazieren muss, hat der Autor ein Glossar beigefügt. Leider deckt dieses nur einen Teil der spezifischen Begriffe ab. Zum Beispiel steht dort: »… so berührt er [Sri Aurobindo] damit durchaus tiefe Differenzen zwischen dem Bud - dha Dharma und dem Sanatana Dharma, dem er sich von nun an immer tiefer verbunden fühlt.« Der letzte Begriff steht im Glossar, dagegen finde ich über »Buddha Dharma« kein Wort. »Sanatana-Dharma« findet man in der Wikipedia, vielleicht hat der Autor eben nur diesen Terminus dort gefunden. Der dritte erschwerende Faktor ist, dass viele interessante Informationen in den 649 Anmerkungen am Ende des Buches versteckt sind. Für die Statistiker unter den Lesern sei bemerkt, dass die Zahl der Anmerkungen von Kapitel 1 zu Kapitel 5 kontinuierlich von 48 auf 161 steigt. Materialisten zerlegen bekanntlich alles in Tausende von Teilen.

Ein interessantes Paradox finde ich aber, dass, wenn es um lebendigen Logos, um »am Anfang war das Wort« geht, ebenfalls Tausende von Worten und Gedanken gesponnen werden. Diese werden dann abgewogen, verglichen und in Büchern verewigt. Was ich auch noch nicht verstanden habe, ist die Tatsache, dass tief »erleuchtete« Personen, die die subtilsten Bewusstseinsebenen erreicht haben, dort angeblich verschiedene Wahrheiten finden. Nach diesen teilweise kritischeren Tönen will ich aber nicht verschweigen, dass ich bei der Lektüre dieses Buches immer wieder auch auf sehr interessante Fragestellungen, Meinungen und Informationen gestoßen bin, die mein Denken in lohnender Weise angeregt haben. »Kopfmenschen« werden hier reichlich bedient, und Leser, die Rudolf Steiner oder Sri Aurobindo noch nicht kennen, finden in diesem Buch erste Einblicke in die geistigen Welten dieser beiden Sucher.

Bewertung: gut

Alfred Groff

Klaus J. Bracker: Veda und lebendiger Logos. Info3-Verlag 2014, SC, 325 S., 26,00 €

   
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