Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Bücher

Peter Erlenwein: Und sah die Himmel offen

Details

Peter Erlenwein
Peter Erlenwein

Außerhalb der Definitionen

»Die fatalen Brüche zwischen Tradition und Moderne nicht nur zu überkommen, sondern anhand vieler Stimmen und faszinierender Lebensentwürfe als schöpferische, zukunftsweisende Zusammenhänge wahrzunehmen, ist dabei das eigentliche Anliegen, es markiert den Grundton des vorliegenden Buches. ›Und sah die Himmel offen‹, heißt es im Neuen Testament.« So steht es in der Einführung zu diesem Buch von Peter Erlenwein, der Connection-Lesern schon durch sein Buch Der Geist des Erwachens – Jesus für Christen und Nicht-Christen bekannt sein dürfte.

Die einführenden Sätze sagen ebenso wie der Untertitel (Spiritualität diesseits und jenseits von Religion – Erzählungen, Stimmen, Reflexionen) schon sehr viel über das Anliegen des Autors aus. Eine Zusammenfassung zu diesem Buch zu schreiben angesichts der Fülle an Stimmen, die Peter Erlenwein hierfür gesammelt hat, fällt mir schwer. Von einem Interview mit der Filmemacherin Doris Dörrie bis zu Ansichten moderner Pioniere des interreligiösen Dialogs wie Ken Wilber reicht die Bandbreite an Reflexionen. Das Tao von Laotse wird zitiert wie auch die Bibel. Dem weniger bekannten Thomasevangelium ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Grenzgänger zwischen Hinduismus und Christentum wie Raimund Panikkar kommen zu Wort.

Dabei ist die Klammer, die die Fülle an Worten zusammenfügt, das, was nicht benannt werden kann. »Jede Mystik, ob im Islam oder Christentum, nicht zu sprechen von östlicher Spiritualität, verweist auf das Grundphänomen, den Ursprung aller religio: die Leerheit von allen Definitionen. « Insgesamt hätte ich mir eine einfachere Sprache gewünscht. Viele Worte aus der Fachsprache hatte ich noch nie zuvor gehört. Doch im Zusammenhang war mir immer bewusst, was der Autor zum Ausdruck bringen wollte. Bei aller Komplexität der Thematik und Fülle an Beispielen ist das Buch spannend und flüssig zu lesen. Der gesamte Stoff wirkt sehr lebendig, trotz des anspruchsvollen fachlichen Spektrums.

Die Liebe zur Mystik und ihrem Potenzial der Verwandlung ist deutlich spürbar. Das wesentliche Anliegen des Autors, die großen Texte der verschiedenen Religionen aus einer integrativen, ökumenischen Perspektive neu und schöpferisch zu lesen, ist wunderbar gelungen. Für jemanden, der an einer Spiritualität des 21. Jahrhunderts interessiert ist, diesseits und jenseits von kirchlicher Dogmatik und materialistischem Kapitalismus, ist das Buch ein bedeutsamer Wegweiser, der das eigene Wissen bestärkt und ihm viele anregende Impulse hinzufügen kann. Mögen sich viele Menschen davon inspirieren lassen.

Bewertung: hervorragend

Martin Wagner

Peter Erlenwein: Und sah die Himmel offen: Spiritualität diesseits und jenseits von Religion – Erzählungen, Stimmen, Reflexionen. tao.de in J. Kamphausen 2014, SC, 304 S., 16,99 €

   
© Connection AG 2015