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Fred Pearce: »Wenn die Flüsse versiegen«

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Dürre

Maßlose Verschwendung

Kaum etwas wird so maßlos verschwendet wie unser Lebenselixier, das Wasser. Fred Pearce zeigt in seinem Buch »Wenn die Flüsse versiegen« eindrucksvoll die Folgen. Hans-Curt Flemming rezensierte es.

Wie kann das sein, dass Flüsse versiegen? Schließlich regnet es immer irgendwo auf dem Festland, und wenn das Wasser abfließt, tut es das in Flüssen, die verschwinden doch nicht einfach. Tatsache ist aber, dass die Menschen das Wasser inzwischen immer effektiver nutzen. Und es wird geholt, wo es zu holen ist – nicht nur aus den Flüssen, sondern auch aus dem Boden, wo das Grundwasser gnadenlos abgepumpt wird.

Fast drei Viertel des Süßwassers auf der Erde wird nicht zum Trinken, sondern zur Bewässerung verbraucht. Und fast die Hälfte aller Nahrungsmittel auf diesem Planeten wird auf Flächen erzeugt, die bewässert werden. Milliarden Menschen sind davon abhängig, und es sind gigantische Mengen an Wasser, die dafür erforderlich sind, dass die entsprechenden Pflanzen wachsen. Man kann ausrechnen, wie viele Liter Wasser erforderlich sind, um ein Kilogramm Weizen wachsen zu lassen (zwischen 1000 und 2000). Für ein Kilo Reis braucht man 2500 bis 4000 Liter. Bis der Kaffee für eine einzige Tasse erzeugt ist, sind 140 Liter verbraucht, für ein Pfund Butter sogar 15 000 Liter – so viel Wasser braucht das Gras und die Kühe selbst, um zu wachsen.

Folgen der Wasser-Verschwendung

Für alle Güter lässt sich der Bedarf an Wasser errechnen, damit es sie überhaupt geben kann. Es ist virtuell darin enthalten, deshalb wird es »virtuelles Wasser« genannt. Fred Pearce gebührt das Verdienst, diese Zusammenhänge für ein breites Publikum anschaulich gemacht zu haben. Er berichtet davon, wie Grundwasser-Ressourcen bedenkenlos leer gepumpt werden, und wie Flüsse völlig in Bewässerungssystemen. So kommt vom Colorado River, der schäumend durch den Grand Canyon braust, kaum noch etwas in Mexiko an – völlig für Bewässerung abgezapft. In Russland wurde der Aral-See für die Herstellung billiger, aber sehr durstiger Baumwolle verbraucht (1 T-Shirt = 2000 Liter). Libyen pumpt einen riesigen See unter der Sahara aus, wodurch die Oasen vertrocknen. Die billigen Erdbeeren aus Spanien kosten enorme Wassermengen, und die Böden versalzen. Es gibt weltweit unendlich viele Beispiele dafür, wie Wasser verbraucht wird, als sei es unbegrenzt verfügbar – das kann nicht gut gehen. Aber Pearce bleibt nicht im Klagen stecken. Er zeigt auch Möglichkeiten auf, wie Bewässerung um vielfaches effektiver gemacht werden kann, wie Feldfrüchte gezüchtet werden können, die mit wesentlich weniger Wasser auskommen, und wie zwangsläufig eine neue »Ethik des Wassers« entwickelt werden muss. Dafür gibt es auch schon hoffnungsvolle Ansätze, aber das Bewusstsein für die Notwendigkeit muss noch viel weiter gestreut werden. Das Buch arbeitet viel mit Zahlen, die allerdings mit Vorsicht genossen werden müssen – eine kurze Recherche im Internet zeigt die Spannbreite. Vollends überfordert waren wohl die Übersetzer, die beispielsweise in den »Angaben zu den Maßeinheiten« das Volumen eines olympischen Schwimmbecken (50 × 21 × 2 m) mit lumpigen 3125 Litern angeben (tatsächlich sind es aber 2100 Kubikmeter, also 700 Mal mehr!). Das ändert aber nichts daran, dass dies hier ein wichtiges, verständlich und packend geschriebenes Buch ist: es zeigt eine ganz reale Gefahr auf, die weitgehend unbemerkt auf uns zukommt, und für die es Gegenmittel gibt, wenn wir rechtzeitig aufwachen – die Spartaste an der Toilettenspülung wird da allerdings nicht reichen …

Bewertung: 5 von 5 Sternen

— Hans-Curt Flemming


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Fred Pearce: Wenn die Flüsse versiegen, Kunstmann 2007, 399 S., HC, 24,90 €

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