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Franz Gabriel: Lauras Versuchung

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Franz Gabriel
Franz Gabriel

Cybersexsucht und ihre Folgen

Der Roman über Viktoria, eine »Internetnymphomanin«, und ihre Kollegin Laura gibt laut Deckelangabe einen tiefen Einblick in die Lust und Leidenschaft einer Internetliebe, aber auch über die Unlebbarkeit solcher Beziehungen in der Realität.

Der Einstieg ist kurzatmig, denn schon auf der dritten Seite sieht Florian, Lauras Mann, »... mit Entsetzen eine Frau,die sich fast nackt, nur mit einem weißen, durchsichtigen Negligé bekleidet, darunter einen hauchdünnen BH und einen Spitzentanga, vor dem Computer räkelte.« Es ist seine eigene. Das Buch geizt nicht mit erotischen Szenen, aber es ist nicht das,was es mich mit vier Sternen bewerten lässt. Die ersten 50 Seiten sind eigentlich eine Abhandlung über das Denken! Was Florian nach dieser Szene alles dachte und fühlte, gibt einen guten Einblick in das, was Menschen so alles denken können, wenn sie anfangen, die Gedanken in ihrem Kopf kreisen zu lassen, Assoziationen zu spinnen oder Vermutungen anzustellen. Statt dass Florian seiner Frau Laura einfach nur die richtigen Fragen stellt, will er den Konsequenzen einer Konfrontation entkommen, muss aber dafür vielleicht einen noch höheren Preis zahlen.

Paul Watzlawicks »Anleitung zum Unglücklichsein« lässt grüßen. Im weiteren Verlauf der Geschichte geht es dann weniger um das Denken von Gedanken, sondern darum, mit welchen gedachten Konstrukten man die eigene Position verteidigt. Es geht um den Austausch der Standpunkte zwischen Viktoria und Laura zum Thema Beziehungen. Auch das ein Klassiker! Wer lebt richtiger oder besser, der Verheiratete oder der Single? Die technische Einführung ins Chatten fand ich dann nicht so spannend, aber manch einer mag hier etwas erfahren, das ihm danach nützlich sein kann. Im weiteren Verlauf der Geschehnisse entwickeln sich dann die Erfahrungen Lauras mit dem Thema »Internetbeziehung « und »Cybersex.«

Die Geschichte ist fließend geschrieben und die Spannungsmomente fehlen nicht. Die vielen Seite lesen sich mit Leichtigkeit. Ja, und wie endet das Ganze? Den Hollywood-Schluss finde ich an dem Buch am wenigsten gelungen. Aber vielleicht ist ja geplant, es ins Englische zu übersetzen, und es soll sich doch auch in Übersee gut vermarkten lassen? Erotisch ist das nicht gerade. Aber es geht ja, wie die rote Rose auf der Vorderseite des Buchs zeigt, um die Liebe, trotz aller Versuchungen!

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Alfred Groff

Franz Gabriel: Lauras Versuchung. Projekte Verlag 2009, 381 S., SC, 19,80 Euro

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