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Blue Eyed

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<em>Jane Eliott</em>
Jane Eliott

Rassismus hautnah

Jane Eliott, eine weiße, priviligierte Amerikanerin, führt seit den 70er Jahren einen Kampf gegen Vorurteile, Ignoranz und Rassismus. Dazu lädt sie Menschen zu ungewöhnlichen Workshops ein: Die Teilnehmer werden in Blauäugige und Braunäugige eingeteilt. Die Braunäugigen werden priviligiert behandelt, werden als intelligenter und schneller und besser bezeichnet. Die Blauäugigen hingegen, die sie als dümmer, langsamer, weniger wert erklärt, müssen auf dem Boden sitzen und werden von ihr und den braunäugigen Workshop-Teilnehmern herablassend behandelt. So erfahren sie hautnah wie es ist, diskriminiert zu werden. Für die Weißen in Amerika oftmals eine ganz neue Erfahrung.

Begonnen hat alles mit dem Tod von Martin Luther King jun. 1968. Jane Eliott, die damals eine dritte Klasse unterrichtete, wollte ihren Schülern zeigen, was Diskriminierung ist. Also, erklärte sie ihren Schülern, spielen wir heute ein Spiel. Wie später in den Workshops teilte sie die Schüler willkürlich nach Augenfarbe in zwei Klassen ein, wobei die eine Gruppe benachteiligt wurde. Die Schüler wussten, dass es ein Spiel ist, lernten dadurch aber schnell, was Diskriminierung ist. Einige ihrer Schüler wurden als Erwachsene interviewt, sie alle sagten, dass sie seither gegen jede Form von Diskriminierung einstehen und ihrer Lehrerin sehr dankbar seien. Leider sahen das nicht alle Eltern damals so positiv: Jane Eliott erhielt Hunderte böse Briefe und viele Eltern riefen bei der Schulleitung an, dass sie nicht wollten, dass ihre Kinder von dem »Negerliebchen« unterrichtet wurden. Auch Jane Eliotts Eltern und Kinder wurden fortan im Ort geschnitten.

Nach dieser Erfahrung setzte sich Jane Eliott erst recht gegen jede Form von Diskriminierung ein. Sie gibt seitdem besagte Workshops; neben Interviews mit Jane Eliott und ihren inzwischen erwachsenen Schülern sehen wir immer wieder Ausschnitte aus einem der Workshops.

Für die blauäugigen Weißen ist es eine ganz neue Erfahrung, diskriminiert und als minderwertig behandelt zu werden. Viele brechen unter dem Streß in Tränen aus. Unter den »priviligierten« Braunäugigen sind viele Farbige, die bestätigen, dass das, was die Blauäugigen hier nur für einige Stunden mitmachen, ihr Alltag ist. Sie berichten von alltäglichen Schwierigkeiten, davon, wie sie mühevoll das Selbstvertrauen ihrer Kinder stärken müssen, weil sie sonst in der Schule niedergemacht werden. Wie die Kinder von klein auf lernen müssen, besser als alle anderen zu sein, um wenigstens als gleichwertig akzeptiert zu werden. Wie sie »weißer als die Weißen« sein müssen, um Erfolg zu haben.

Der Film ist von 1996. Hat sich seit dieser Zeit etwas geändert? Nun, immerhin wurde ein charismatischer Farbiger Präsident der Vereinigten Staaten. Und in Deutschland haben wir eine Kanzlerin und einen homosexuellen Außenminister. Aber leben wir wirklich in einer diskriminierungsfreien Welt? Ich glaube nicht. Und ich erinnere mich, wie in Blue Eyed eine schwarze Lehrerin erzählte, dass, wenn sie ihre weißen Kollegen auf Diskriminierung Farbiger ansprach, die ihr immer antworteten »Komm, wir haben 1996, sowas gibt es nicht mehr.« Ganz weg ist die willkürliche Diskriminierung bestimmter Gruppen sicherlich noch nicht, selbst wenn sich einiges getan hat. Und vielleicht haben Jane Eliotts Workshops ihren Teil zur Besserung der Situation beigetragen.

Ich kann diese DVD nur empfehlen für alle, die sich für die Themen Rassismus und Diskriminierung interessieren. Und erst recht für alle, die glauben, so schlimm ist das doch alles gar nicht.

Bewertung: 5 von 5 Sternen

Christine Höfig


Blue Eyed - Blauäugig
Dokumentarfilm 1996
Denkmalfilm
22,99 Euro

Denkmalfilm

   
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