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Milarepa

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<em>Milarepa</em>
Milarepa

Ein tibetischer Mythos

Der Autor und Regisseur von »Milarepa«, der tibetische Lama Neten Chokling Rinpoche, ist 1973 als Bauernsohn in Bhutan geboren, er wurde als Inkarnation eines großen tibetischen Meisters erkannt und in einem nordindischen Kloster buddhistisch erzogen. Als Filmemacher ist er Autodidakt. Er sagt: »Wenn dieser Film nur einen einzigen Menschen dazu bringt, anderen gegenüber mitfühlender, geduldiger und toleranter zu werden, dann bin ich mehr als glücklich. Aus buddhistischer Sicht ist dies das beste und wertvollste Geschenk, das wir der Welt machen können.« Zu diesem Zweck erzählt er die Lebensgeschichte und die spirituelle Entwicklung eines Mannes aus dem 11. Jahrhundert, eine wichtige Quelle des tibetischen Buddhismus, die ihn bis heute inspiriert.

Der spätere Milarepa wird als Thöpaga in die Familie eines reichen Händlers geboren und liebevoll umsorgt. Doch der Vater stirbt früh und überlässt Frau und Sohn der Obhut seines Bruders, der auch das Vermögen bis zur Heirat des Sohnes bewahren soll. Doch Thöpaga und seine Mutter Kargyen werden von den Verwandten schlecht behandelt und um das Erbe betrogen. Keiner im Dorf hilft ihnen. Sie schwört Rache und schickt Thöpaga zu einem Magier in den Bergen, der ihn die Zauberei lehren soll. Er wird als Schüler angenommen und lernt, die Natur und die Elemente zu manipulieren.

So gerüstet kehrt er in sein Dorf zurück, das er mittels seiner übernatürlichen Kräfte in Schutt und Asche legt. Der betrügerische Onkel, seine ganze Familie und viele Dorfbewohner kommen um. Kargyen, Thöpagas Mutter, triumphiert und dankt ihrem Sohn, doch diesen packt das schlechte Gewissen, als er die Toten und die Leiden Unschuldiger sieht. Die Überlebenden wollen sich an ihm rächen, und er muss fliehen. Schutz findet er in einem kleinen Tempel bei einem alten Einsiedler-Mönch, der sich auch seiner Schuldgefühle annimmt. Er bringt ihm die Lehre Buddhas nahe, zeigt ihm die Sinnlosigkeit von Zorn und Rache auf. Thöpaga erkennt jetzt das Ausmaß seiner Verfehlungen und ist bereit, sich für ein neues von Güte und Vergebung geleitetes Denken zu öffnen. Er will einen geistigen Lehrer suchen, der ihn vom Karma des Bösen befreit. - Und hier endet der Film überraschend, der Zuschauer wird auf einen künftigen zweiten Teil vertröstet, der dann die Wandlung Thöpagas zu Milarepa, dem buddhistischen Weisen, zeigen soll.

Das ist aber das einzige Enttäuschende an diesem Film, der seine archaische Geschichte sehr anschaulich und zugleich in einem ruhigen Duktus erzählt. Die einheimischen Filmemacher und Darsteller, traditionelle Kleidung und Gegenstände, die überwältigende Berglandschft des nordindischen Spiti Valley am Fuße des Himalaya führen den Zuschauer direkt in diese ferne magische Welt, in der doch die gleichen Gesetze der menschlichen Seele und des Zusammenlebens gelten wie heute. Der Verzicht auf Rache ist sicher auch eine bewusst gewählte politische Botschaft.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Barbara Wollstein


Milarepa
Bhutan 2006
spiritueller Actionfilm
ab 23. September 2010 im Kino

Jupiter Films

   
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