Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Filme

Phantomschmerz

Details


Till Schweiger, Jana Pallaske, © warnerbros

Von der Anklage bis zur Annahme

Gestern abend sah ich im Kino den Film "Phantomschmerz", der von einer wahren Geschichte handelt. Sehr berührend! Phantomschmerz ist die wahre Geschichte eines Radrennsportlers, dem nach einem Unfall das linke Bein amputiert werden musste und der im Film einen Läuterungsprozess durchläuft, wie wir ihn aus therapeutischen und systemischen Prozessen her kennen: Von der Wut über die Anklage bis hin zur Annahme und letztendlich Bewältigung des Schicksals.

Zu Beginn des Filmes tritt der Märchenheld noch als langhaariger, ungepflegter, abgehobener Frauenschwarm, Radsportfanatiker und Märchenerzähler auf, der sich weigert, die Verantwortung für den Unterhalt seiner getrennt lebende Ehefrau und für seine bei seiner Ehefrau lebende zehnjährige Tochter zu übernehmen. Nach seinem Unfall schenkt ihm seine Freundin einen Füllfederhalter mit der Anregung, über sein Leben zu schreiben. Mit den Worten "das letzte Mal, das ich einen Stift angefasst habe war vor fünf Jahren" schleudert der Hauptdarsteller den Federhalter in die Ecke.
Er fällt noch tiefer und ergeht sich in Alkohol und Selbstmitleid. Erst als er, alkoholisiert an einer Bushaltestelle herumhängend von der Lehrerin seiner Tochter erfährt, dass seine Tochter mit ihren Gedichten den ersten Preis der Schule gewonnen hat und die Lehrerin ihm das Schreibheft seiner Tochter überlässt, geschieht die entscheidende Wandlung. Im Bus liest der Hauptdarsteller das Gedichtheftchen seiner Tochter und beginnt dabei zu weinen. Er geht nach Hause und beginnt über sein Leben zu schreiben, insbesondere mit seiner Vater-Beziehung, die er immer verdrängt hatte, aufzuräumen. Er schreibt endlos viele autobiographische Briefe an die Freundin, die ihm den Füllfederhalter geschenkt hatte, bis er sich im letzten Brief traut zu schreiben "ich liebe dich". (Die Analogie zwischen dem Füllfederhalter und der neuen Prothese des Hauptdarstellers tut sich auf.)

Anschließend räumt er die Wohnung auf, räumt die Alkoholflaschen weg, lässt sich die Haare kurz schneiden, er verkauft sein Auto und gibt den Verkaufserlös seiner Exfrau, er geht zu seiner Tochter, die ja bei seiner Exfrau lebt, steht vor ihr strahlend und sagt zu ihr: "Ich war lange weg, aber jetzt bin ich da für dich!" - Aus meiner Sicht ein gelungener Film für Ikonen, Nachnährungen, Therapie jeglicher Art.

Bewertung: 5 von 5 Sternen

— Klaus Jürgen Becker


Phantomschmerz läuft ab 30. April im Kino (mit Till Schweiger, Jana Pallaske, Luna Schweiger)

Phantomschmerz Trailer

   
© Connection AG 2015