Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Filme

Good Food Bad Food

Details

Good Food Bad Food
© Alamode Film

Rückkehr nach vorne

Die französische Filmemacherin Coline Serreau, die bekannt ist für ihre kämpferischen Dokumentarfilme, aber auch für den sehr witzigen Film »Der grüne Planet« (»La belle verte«, von 1996, in dem Menschen von einem anderen Planeten die Erde besuchen, auf der es z.B. »noch« Automobile gibt und andere schädliche Einrichtungen), kehrt mit diesem Film zu ihren Ursprüngen zurück. Sie fand, es gebe genug Filme über Katastrophenszenarien im Zusammenhang mit Überdüngung, Pestiziden, Genfood und erpresserischen Saatgutkonzernen. Jetzt sei es an der Zeit, konkrete Lösungen und Alternativen aufzuzeigen, die von Bauern, Philosophen, Wissenschaftlern und Ökonomen ausgehen. Also reiste sie um die Welt und fand Menschen, die den Boden und die Natur respektvoll behandeln, gesunde Nahrungsmittel produzieren und damit sogar wirtschaftlichen Erfolg haben.

Eine der Lösungen besteht in der »Rückkehr nach vorne«. Dabei geht es darum, auf der Basis kleiner lokaler Strukturen zu einer Autonomie der Nahrungsversorgung zurückzukehren, die nicht von Chemikalien abhängig ist. Das ist kein Kampf gegen technische Errungenschaften, sondern ein Plädoyer für autonome Entscheidungen auf der Grundlage neuer Erkenntnisse, für einen Paradigmenwechsel.

In dem Film werden vor allem französische Projekte vorgestellt, doch gibt z.B. Pierre Rabhi, einer der Pioniere der ökologischen Landwirtschaft, seine Erfahrungen in alle Welt weiter. Er geht dabei von den Ergebnissen seines Experimentierbetriebs in der Ardèche aus. In dem westafrikanischen Land Burkina Faso wenden über 90.000 Bauern seine Methoden an. Als Chevalier der französischen Ehrenlegion ist Pierre Rabhi ein anerkannter Experte, der mehrere Organisationen zu Verbreitung seiner Errungenschaften gründete. Auch Claude und Lydia Bourguignon zeigt der Film: Wissenschaftler für Ernährung, Agrarwesen und Mikrobiologie, die ein eigenes Forschungslabor für Bodenbiologie gründeten, das die Grundlagen für einen schonenden Umgang mit der Erde bei gleichzeitiger Rentabilität schafft. Philippe Desbrosses, Agronom und promovierter Umweltwissenschaftler, setzt sich auf verschiedenen Ebenen für den Erhalt der Biodiversität ein.

In Brasilien kämpft die in den 70er Jahren gegründete »Landlosenbewegung« für das Recht auf Boden, eine Agrarreform und eine insgesamt gerechtere Gesellschaft. Sie wird auch von Wissenschaftlern unterstützt. Eindrucksvoll argumentiert Ana Primavesi, pensionierte aber immer noch aktive Agrarökonomin, Ärztin und Professorin. Sie stellt fest: »Hinter gentechnisch veränderten Organismen verbirgt sich nichts anderes als eine Anpassung des Ackerbaus an tote Erde.« Und: »Der Schlüssel für unser aller Wohlstand und Wohlergehen liegt in einem respektvollen Umgang mit der Erde und im Wissen darum, wie die Böden korrekt zu behandeln sind.«

Der gleichen Überzeugung ist A.S. Swiridonowitsch, der ehemalige Leiter einer Kolchose in der Ukraine. Er erlebte die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Chemikalien in der Landwirtschaft und betreibt nun anerkannten biologischen Landbau in großem Stil. Auch in Indien gibt es vergleichbare Initiativen, die an die dortigen Erfordernisse angepasst sind und den Erhalt des bäuerlichen Standes zum Ziel haben. Es gibt also »Good Food«, und es kann noch mehr verbreitet werden!

Bewertung: sehr gut

Barbara Wollstein


Good Food - Bad Food
Anleitung für eine bessere Landwirtschaft
Dokumentarfilm
Im Kino ab 20. Januar 2011
Regie: Coline Serreau
Frankreich 2010

Infos zum Film

   
© Connection AG 2015