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Ghosted

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Ghosted
Inga Busch, Hui Ting Ting © Salzgeber

Der Geist der chinesischen Verliebten

"Ruhe in Frieden" rufen wir beschwörend den Toten ins Grab nach, was impliziert, dass wir befürchten, sie könnten es nicht tun. Unsere Kulturgeschichte kennt viele Phänomene, die die Realität von Geistererscheinungen voraussetzt. Da gab und gibt es spiritistische Zirkel mit Geisterbeschwörungen und jede Menge Literatur über wiederkehrende Tote, nicht nur von Edgar Allen Poe. Obwohl nie eine Geistererscheinung zweifelsfrei nachgewiesen wurde, glauben auch im aufgeklärten Abendland viele Menschen daran, dass es sie gibt. Und jedenfalls in den nicht-monotheistischen Religionen sind die Geister der Toten fester Bestandteil des übernatürlichen Personals. Selbst mancher Agnostiker, besonders wenn er einen lieben Menschen verloren hat, gibt sich der poetischen Vorstellung hin, dass der Geist des Toten noch um ihn schwebt und ihm etwas zu sagen hat.

Dieses Motiv hat Eingang in Hollywood-Komödien gefunden und wird in dem Film Ghosted der promovierten Hamburger Filmemacherin Monika Treut in seiner psychologischen Bedeutung ernst genommen. Er bewegt sich zwischen Drama und lesbischer Liebesgeschichte, zwischen Taiwan und Deutschland. Die zeitlichen Phasen, die Sprachen, die Kulturen und die Schauplätze werden ineinander geschoben, so dass die Geschichte, zum Thema passend, etwas Schwebendes erhält.

Die schüchterne, junge Ai-ling Chen (Huan-Ru Ke) reist von Taiwan nach Hamburg, um von ihrem Onkel (Jack Kao), der dort ein Restaurant führt, mehr über ihren früh verstorbenen Vater zu erfahren. Zufällig lernt sie die Künstlerin Sophie (Inga Busch) kennen, die sofort von ihr fasziniert ist und sie zum Mittelpunkt ihres fotografischen Schaffens macht. Die Chinesin zieht zu Sophie. Es entsteht eine innige Liebesbeziehung, die bald dadurch belastet wird, dass Meinungsverschiedenheiten auftreten und Sophie ihrer Karriere wegen viel unterwegs sein muss. Ai-ling kommt unter ungeklärten Umständen zu Tode. Die trauernde Sophie widmet der verstorbenen Freundin eine Installation, die sie in Taipeh zeigt.

Dort heftet sich die verführerische Journalistin Mei-li Wang (Ting-Ting Hu) an ihre Fersen. Doch Sophie kann und will Ai-ling nicht vergessen. Liebe und Schuldgefühle halten sich die Waage. Mei- li reist Sophie nach Hamburg nach und spioniert hinter ihr her. So klären sich auch die Umstände von Ai-lings Tod auf. Die Journalistin verschwindet, als hätte es sie nie gegeben. Im chinesischen Geistermonat reist Sophie nach Taiwan, um mit Ai-lings Familie all die Rituale zu vollziehen, die die Tradition zur Besänftigung rachsüchtiger Geister vorschreibt. Im Ahnenkult der Han-Chinesen gibt es die Vorstellung, dass die Toten die Lebenden für mangelnde Liebe bestrafen können. Sie müssen durch Verbrennen von "Geistergeld" und anderen Gaben zufrieden gestellt werden. Das bringt dann auch den Lebenden Frieden und Segen. Auch wenn man nicht an Geister glaubt, gefällt die Idee, sich mit den Toten zu versöhnen und der Wahrheit über sie zu ihrem Recht zu verhelfen.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

— Barbara Wollstein


Ghosted Kinostart 30. April 2009, Drama - Deutschland/Taiwan 2009
FSK: Ohne Altersbeschränkung - 92 Min. - Verleih: Salzgeber

www.ghosted-film.de

   
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