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Grundeinkommen

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Bedingungsloses Grundeinkommen
Foto: pixelio.de

Zwei Schweizer plädieren für ein bedingungsloses Grundeinkommen

Was ist ein bedingungsloses Grundeinkommen? Ein Einkommen, das jeder Mensch unabhängig von einer Erwerbstätigkeit erhalten soll, das seine notwendigsten Bedürfnisse deckt. Arbeit würde dann der Selbstverwirklichung und dem Aufstocken des Grundeinkommens dienen. Klingt utopisch. Die Schweizer Daniel Häni und EnnoSchmidt legen in ihrem Dokumentarfilm aber überzeugend dar, wie so ein Grundeinkommen funktionieren könnte, und welche gesellschaftlichen Folgen es hätte.

Seit Jahrhunderten arbeitet die Industrialisierung daran, dass die Arbeit weniger wird. Und nun wundern wir uns, dass es nicht mehr genügend Arbeit für alle gibt. Wo früher ein Mensch in der Landwirtschaft gearbeitet die Nahrung für drei Menschen erzeugt hat, erzeugt er heute die Nahrung für 120 Menschen. So ähnlich ist es auch

In anderen Bereichen. Doch wenn nun jeder ein bedingungsloses Grundeinkommen erhielte, also nicht arbeiten müsste, umzu überleben, würde dann überhaupt noch jemand arbeiten?

Umfragen haben ergeben, dass 90 Prozent der Befragten angaben, dass sie auch dann weiterhin arbeiten gehen würden, davon 60 Prozent im selben Job, 30Prozent in einem anderen. Aus Spaß an der Arbeit würden sie es tun, oder um sich mehr leisten zu können, als das Grundeinkommen bietet.

Die allgemeinen Ängste vor einem Zusammenbruch der Gesellschaft durch die Einführung des Grundeinkommens vergleichen die Autoren mit den Ängsten, die in der Vergangenheit vor anderen gesellschaftlichen Veränderungen aufkamen. Man hielt die Abschaffung der Sklaverei zum Beispiel für den Beginn des Untergangs – wer soll denn dann die Arbeit machen, wenn nicht die Sklaven? Auch glaubte man lange Zeit, dass die Erde eine Scheibe sei, und wehrte sich gegen die Erkenntnis, dass das nicht stimmte.

Und als die Frauen Wahlrecht forderten, war man weit und breit entsetzt: Wo kommen wir denn da hin, wenn Frauen jetzt auch noch wählen dürfen?

Das Grundeinkommen würde nicht bedeuten, dass wir mehr Geld in der Tasche haben, denn es soll nicht bedeuten, dass wir es zusätzlich zu unserem bestehenden Einkommen erhalten. Das bedingungslose Grundeinkommen wächst vielmehr in das Einkommen hinein; der vom Arbeitgeber gezahlte Anteil wäre geringer als heute. Mehr Geld in der Tasche hätten mit einem Grundeinkommen nur diejenigen, die heute weniger haben. Ist solch ein Grundeinkommen finanzierbar? Ja, meinen die Autoren dieses Films und rechnen es den Zuschauern in verschiedenen Finanzierungsmodellen vor.

In einer solchen Gesellschaft wären die Menschen weniger erpressbar. Sie müssten nicht mehr Arbeit annehmen, die sie nicht vertreten können. Sie könnten weniger leicht ausgebeutet werden. Außerdem liefern zufriedene Arbeitnehmer auch bessere Ergebnisse.

Und was ist mit den unbeliebten Arbeiten wie der Müllabfuhr? Eine Lösung wäre, diese »Drecksarbeit« besser zu bezahlen, um sie erstrebenswerter zu machen. Der Film plädiert für eine freiere, individuellere Gesellschaft, in der jeder die Wahl haben sollte, dem Beruf oder der Berufung nachzugehen, der man folgen will. Niemand könnte mehr sagen »Eigentlich bin ich ja ganz anders, ich komme nur so selten dazu«. Was für eine schöne Utopie! Daniel Häni und Enno Schmidt legen überzeugend und unterhaltsam dar, wie diese Utopie wahr werden könnte. Hoffen wir das Beste. Den Film kann man kostenlos oder ganz normal als DVD bestellen.

Bewertung: 5 von 5 Sternen

— Christine Höfig


Grundeinkommen, Ein Film-Essay von Dieter Häni und Benno Schmidt, Schweiz 2008, 100 Minuten, 15 Euro



 

   
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