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Absurdistan

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Absurdistan
Temelko und Aya © barnsteiner

Bizarrer Krieg der Geschlechter

Temelko und Aya wachsen in einem kleinen Dorf irgendwo auf der Welt auf. Schon als Kinder ist ihnen klar, dass sie füreinander bestimmt sind. Ayas Großmutter, eine Astrologin, bestimmt die Nacht, bei der die Sternenkonstellation ideal für Temelkos und Ayas erste Liebesnacht ist. Diese soll außerdem mit einem gemeinschaftlichen Bad beginnen. Geduldigwarten die jungen Liebenden auf den ersehnten Tag. Doch dann geht der Brunnen kaputt und die Männer im Dorf, die nicht nur für ihre Manneskraft, sondern auch für ihre Faulheit bekannt sind, machen keinerlei Anstalten, diesen zu reparieren.

Die Frauen setzen die Männer schließlich unter Druck: Sie ziehen quer durch das Dorf einen Zaun, der die Frauen von den Männern trennt, und sind auch zu keinerlei Sex mehr bereit. Die Männer fürchten nun um ihr uneingeschränktes Patriarchat und weigern sich nun erst recht, den Brunnen zu reparieren. Tremelko ist verzweifelt, denn die ideale Sternenkonstellation bleibt nur sechs Tage lang. Also setzt er Himmel und Erde in Bewegung, um den Brunnen zu reparieren.

Regisseur Veit Helmer drehte diesen Film, nachdem er in der Zeitung gelesen hatte, dass in dem türkischen Dorf Sirtköy die Frauen in einen Sex-Streik getreten waren, um die Männer zur Reparatur eines Wasserrohrs zu bewegen. Diese reale Begebenheit hat Helmer freilich mit einer Handvoll bizarr-komischer Einfälle ausgeschmückt.

Einfach herrlich, wie die Männer versuchen, einen Spion in Frauenkleidern bei den Frauen einzuschleusen. Oder wie die Frauen den Männern bewaffnet im Straßengraben auflauern, als diese in die Stadt fahren wollen, um ein Bordell zu besuchen. Der Film besticht durch die schrullige Darstellung der Dorfbewohner, die absurden Einfälle und Situationskomik. Und auch durch die romantische Liebesgeschichte: Tremelko versucht auch gegen den Widerstand der anderen Männer alles, was in seiner Macht steht, zu tun, um den Brunnen zu reparieren und seiner Liebe wieder nah sein zu können, er riskiert dabei sogar sein Leben. Wie schön!

Ungewöhnlich ist, dass es kaum Dialoge gibt in dem Film. Tremelko und Aya erzählen abwechselnd die Geschichte und dazu zeigt der Film bizarre, komische oder manchmal einfach schöne Bilder.

Beim Filmabend in der WG waren wir recht unterschiedlicher Meinung über den Film. Die Frauen fanden ihn ganz und gar wunderbar. Die Männer meinten, er sei zwar nicht schlecht, kritisierten aber dass die Männer im Film mit Ausnahme von Tremelko allesamt als »notgeile, faule Säcke« dargestellt seien. Seltsamerweise waren auch wir Frauen die einzigen, die in Gelächter ausbrachen bei dem Satz: »Den Männern wurde klar, dass sie das Patriarchat alleine nicht mehr retten konnten«. Als ob plötzlich ein Stacheldrahtzaun zwischen uns gewesen wäre...

Ein sehr sehenswerter Film, der zu Lachsalven führt und gleichzeitig zur Diskussion über die Mann-Frau-Problematik anregen kann. Eine leichtfüßige, märchenhafte Komödie.

Bewertung: 5 von 5 Sternen

— Christine Höfig


Absurdistan Komödie - Deutschland 2007 FSK: Freigegeben ab 12 Jahren - 87 Min. - Verleih: Farbfilm (Barnsteiner) 9,95 Euro



 

   
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