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Ein intelligenter Film über gute Menschen in bösen Zeiten

Johann Halder (Viggo Mortensen) ist ein guter Mensch. Er kümmert sich aufopfernd um seine kranke Mutter, erträgt seine schwierige Frau, ist ein liebevoller Vater. Der Literaturprofessor ist außerdem ein Intellektueller, der mit Redegewandheit seine Studenten unterhalten kann. Mit seinem besten Freund, dem jüdischen Psychoanalytiker Maurice Glücksstein (Jason Isaacs), spricht er über Gott und die Welt.

1937 wird Johann Halder wegen seines Romans in Kanzleramt zitiert. Halb Probleme erwartend, ist Halder erstaunt und erleichtert, als ihm mitgeteilt wird, dass Hitler, Göbbels und Göhring von seinem Roman über aktive Sterbehilfe begeistert waren. Man bestellt bei ihm noch einen Artikel über das Thema – natürlich um ihn für die Propaganda für Euthanasie zu missbrauchen. Knapp bei Kasse kann Halder das Geld gut gebrauchen. Aber eigentlich hält er Hitler für eine Witzfigur, verachtet die Nazi-Ideologie. Aus diesem Grund ist er auch noch nicht in die Partei eingetreten.

Doch bald drängt man ihn, auch in die Partei einzutreten, jetzt, wo er doch als Intellektueller für die Regierung tätig ist. Halbherzig entscheidet er sich für den Beitritt. Und so beobachtet der Zuschauer die Karriere eines Mitläufers. Halder ist kein Monster, keine Bestie, sondern ein Mann wie du und ich, der, ohne es eigentlich zu wollen, in den Rängen der Nationalsozialisten aufsteigt. Je mehr Jahre voranschreiten, desto mehr wird ihm bewusst, dass er durch sein Nichts-Tun die falsche Sache unterstützt. Als schließlich sein Freund Maurice deportiert wird, wird Halder endlich aktiv und started einen verzweifelten Rettungsversuch. Doch dem Film ist kein Hollywood-Happyend beschert…

»Good« ist die Filmversion des gleichnamigen Theaterstücks des britischen Autors Cecil Philip Taylor. Ein eher stiller, wenig reißerischer Film – vielleicht habe ich deswegen bisher nur wenig von ihm gehört. Ein intellektueller und auch emotional mitreißender Film. Man fragt sich, was man selbst in Halders Situation getan hätte? Wäre man aufgestanden, um gegen das Unrecht zu protestieren? Oder wäre man, wie Halder, lauter faule Kompromisse eingegangen?

Sehr gut sind auch die darstellerischen Leistungen. Viggo Mortensen (bekannt als Aragorn aus Herr der Ringe) überzeugt als stiller, freundlicher Professor, der am Ende nicht recht zu wissen scheint, wie es kommt, dass er sich plötzlich in einer SS-Uniform wiederfindet. Jason Isaacs als Maurice ist ebenfalls großartig: er spielt den jüdischen Intellektuellen nicht als leidendes Opfer, sondern als vitalen, energischen Mann, der sich nicht unterkriegen lassen will. Alles in allem erntet er vom Zuschauer mehr Bewunderung als der unschlüssige Halder. Auch die Nebendarsteller – Halders Frau, seine Mutter und seine Geliebte – sind überzeugend besetzt. Dieses Drama kann ich sehr empfehlen, sowohl an diejenigen, die an der Geschichte des Dritten Reiches interessiert sind, als auch an all jene, die sich einfach nur gern mit Fragen der Moral und des richtigen Verhaltens auseinandersetzen.

Bewertung: hervorragend

Christine Höfig

Good
Spielfilm, USA 2008
Ascot Elite
11,99 €

   
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