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The Future

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The Future
Sophie (Miranda July) and Jason (Hamish Linklater)
Photo by Todd Cole © Future 2011

Krise eines modernen Paares

Sechs Jahre nach »Ich und du und alle, die wir kennen« hat die Multi-Künstlerin Miranda July wieder einen Film gedreht. Er kommt heiter und verspielt daher, aber es geht um ernste Themen: die Lebensperspektiven moderner Mitdreißiger zwischen Überdruss und Verantwortung, Ideal und Wirklichkeit, sich finden und sich verlieren.

Jason (Hamish Linklater) und Sophie (Miranda July), seit vier Jahren ein Paar in LA, schon milde gelangweilt voneinander und von ihren Jobs frustriert, haben beschlossen, als gemeinsames Projekt zur Einübung in Fürsorge eine verletzte Katze aus dem Tierheim zu adoptieren. In vier Wochen sollen sie sie abholen. Ursprünglich hieß es, die Katze würde danach nur noch ungefähr sechs Monate leben. Jetzt sagt man ihnen bei einem Besuch, sie könne bei intensiver Pflege noch jahrelang durchhalten. Sie beschließen, die verbleibenden dreißig Tage der Freiheit zu nutzen, um neue Prioritäten zu setzen. Jason beendet seine Tätigkeit für eine Computer-Hotline, Sophie kündigt ihren Job als Tanzlehrerin für Kleinkinder. Sie nimmt sich vor, jeden Tag einen neuen Tanz zu kreieren und ins Internet zu stellen. Jason will sich durch die Stadt treiben und von irgendeinem Schicksal finden lassen.

Durch eine Reihe von Zufällen gerät er an den betagten Joe (Joe Putterlik), der alte Geräte repariert und nach sechzig Jahren Ehe seine Frau immer noch mit selbst gestalteten Grußkarten und schlüpfrigen Limmericks überrascht. Er macht Jason klar, dass seine Beziehung zu Sophie immer noch am Anfang und ungefestigt sei. Unterdessen scheitert die junge Frau mit ihrem Tanz-Projekt an ihrer Unsicherheit und Selbstkritik. Sie ruft einen Mann an, dem Jason im Tierheim eine selbst gemalte Skizze aus Gutmütigkeit abgekauft hat. Dieser Marshall (David Warshofsky), ein vierschrötiger, bürgerlicher Typ um die fünfzig, passt nicht zu ihr, trotzdem beginnt Sophie ein Verhältnis mit dem Witwer, der eine kleine Tochter hat.

Diesem realistischen Geschehen stehen surreale Elemente gegenüber. Da ist die Katze, die man nur einmal leibhaftig sieht, sonst tritt sie in Gestalt zweier überdimensionaler Pfoten auf, eine davon bandagiert. Mit kindlich-brüchiger Stimme (Miranda July) philosophiert sie über die Sehnsucht nach Freiheit und die Bereitschaft, Menschen zu gehören und von ihnen geliebt zu werden. Dann gibt es ein herumkrabbelndes gelbes T-Shirt, das Sophie auf dem Weg zu Marschall hin verfolgt. Sie zieht es schließlich über, ist ganz darin eingeschlossen und tanzt. Der Vollmomd spricht mit Joes Stimme zu Jason, und der schafft es, die Zeit anzuhalten, als Sophie im Begriff ist, ihm ihr Verhältnis mit Marshall zu gestehen. So gewinnt er scheinbar eine Frist, alles bleibt in der Schwebe. Aber als Jason die Zeit in Gestalt der Meeresbrandung wieder in Schwung bringt, sind die dreißig Tage der Freiheit verstrichen. Ein starkes Symbol für Menschen, die sich alle Möglichkeiten offen halten wollen, bis die Chancen auf Liebe und Bindung vertan sind – und ein witzig-poetischer Film mit Tiefgang.

Bewertung: hervorragend

Barbara Wollstein


The Future
Deutschland / USA 2011, Komödie
Kinostart 27. 10. 2011

   
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