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Guru - Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard

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Ein kritischer Rückblick

Guru

In den siebziger Jahren pilgerten viele junge Menschen zu dem hoch gebildeten und charismatischen Inder »Bhagwan« (der Göttliche) Shree Rajneesh. Er verkündete: »Ich bin nicht hier, um euch großartige Dinge zu lehren. Ich bin hier, um euch etwas ganz Einfaches zu zeigen, etwas ganz Gewöhnliches: Werdet ihr selbst!«, und »Mir ist alles heilig.
Von der untersten Sprosse der Leiter bis zur höchsten. Vom Körper zur Seele, vom Physischen zum Spirituellen,vom Sex zum höheren Bewusstsein.«

Der Osten blieb wegen der so genannten Spiritualität einseitig, arm, unwissenschaftlich, ohne Technologie. Der Westen hat den Materialismus gewählt. Aber die Menschen sind leer. Ohne Spiritualität gibt es kein Zentrum. Der westliche Mensch ist ein halber Mensch, der östliche Mensch ist ein halber Mensch, ich versuche, den ganzen Menschen zu kreieren.«

Solche Verheißungen zogen auch den jungen Engländer Hugh Milne in den Ashram nach Poona, wo er nach einiger Zeit Bhagwans persönlicher Leibwächter und später Chef der Sicherheitstruppe wurde. 1981 gehörte er zu der Vorhut, die in die USA ging, um die Gründung einer größeren Kommune vorzubereiten. Doch er hatte Zweifel, die er auch äußerte. Als »negatives Element« musste er die Gruppe verlassen. Er geriet in eine lebensbedrohliche Krise, nach deren Überwindung er wieder in seinem ursprünglichen Beruf als Osteopath arbeitete.

Heute lebt er in Kalifornien und betreibt Craniosacral- Therapie. Die Inderin Ambalala Patel Sheela (bekannt unter dem letzten Namen) wurde dem Bhagwan als Achtzehnjährige von ihrem Vater vorgestellt. Sie ging dann zum Studium in die USA, kehrte aber mit ihrem amerikanischen Ehemann in den Ashram zurück. Als hingebungsvolle Jüngerin übernahm sie dort administrative Aufgaben. Schließlich wurde sie seine erste Sekretärin, Sprecherin und Leiterin der Kommune in Oregon, die sie maßgeblich plante und aufbaute.

Sie wurde für das Scheitern und alle damit zusammenhängenden Machenschaften verantwortlich gemacht, insbesondere auch von Bhagwan/Osho selbst, und saß dafür dreieinhalb Jahre im Gefängnis. Heute lebt sie als Sheela Birnstiel in der Schweiz und leitet zwei Heime für alte, körperlich oder geistig behinderte Menschen. Sheela und Hugh waren bereit, mit den Schweizer Filmemachern Sabine Gisinger und Beat Häner in dreijähriger Arbeit der Frage nachzugehen: »Where did it begin to go wrong?« (Der Film läuft im englischen Original mit deutschen Untertiteln).

Heraus kommt eine in die Tiefe gehende Dokumentation über das Blühen und Scheitern einer Utopie, die nicht nur die historischen Stationen der Bhagwan-Bewegung eindrucksvoll nachzeichnet, sondern die Modellcharakter hat.Wie ist es möglich, dass der Traum einer idealen, friedlichen Kommune in einer totalitären Gesellschaft endet? Was ist die positive Leistung eines Guru? Wann und wie entstehen neue fatale Abhängigkeiten? Warum gibt es bei den Jüngern nicht mehr Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten, der kollektiven Anpassung und Paranoia? Der Film gibt keine fertigen Antworten, aber eine Fülle von Stoff zum Nachdenken Antworten, aber eine Fülle von Stoff zum Nachdenken.

Bewertung: hervorragend

Barbara Wollstein

Guru - Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard, Schweiz 2010, Kinostart 23. 09. 2010

   
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