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In Darkness

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In Darkness
Fotos: www.filmstarts.de

Polen 1943 - eine wahre Geschichte

Die renommierte polnische Regisseurin Agnieszka Holland erzählt in diesem Film die wahre Geschichte von Leopold Socha aus Lvov (Lemberg). Er war ein streng katholischer, liebevoller Familienvater, Kanalarbeiter und Gelegenheits-Gauner, der während der Besetzung durch die Nazis eine Gruppe Juden in den Abwasserkanälen der Stadt versteckt und so rettet. Er tut es des Geldes wegen. Einer der Juden ist reich und bezahlt für alle. Doch als kein Geld mehr da ist, hilft Leopold Socha weiter und setzt dabei sein Leben und das seiner Familie aufs Spiel.

Der Filmtitel bezieht sich vordergründig auf die Dunkelheit in dem stinkenden, von Ratten bewohnten Abwassersystem, in dem eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Juden Schutz sucht, nachdem das Lvover Ghetto aufgelöst wurde und die Bewohner teils an Ort und Stelle exekutiert, teils in Konzentrationslager gebracht werden. Diejenigen, die es überleben, werden über ein Jahr in dieser Dunkelheit vegetiert haben. Aber dunkel sind auch die Zeiten, in denen sich das abspielt, und menschliche Wesenszüge, die im Krieg und unter extremen Bedingungen zutage treten.

Die scheinbar willkürliche und grenzenlose Gewalt der Nazi-Soldaten beherrscht die Stadt, in der verschiedene Volksgruppen einmal friedlich zusammen lebten. Jeder denkt zuallererst ans eigene Überleben. Leopold Socha erhält ein Angebot von dem ukrainischen Offizier Bortnik, mit dem er sich gut stellen muss: Es gibt Geld für das Aufspüren versteckter Juden, und keiner kennt sich in den Ka nä len der Stadt so gut aus wie Socha, der sie regelmäßig wartet. Noch lukrativer, wenn auch gefährlich, ist die dringende Bitte des wohlhabenden Juden Ignacy Chiger (Herbert Knaup), ihn, seine Familie und zwanzig weitere Juden gegen Bezahlung in den Kanälen zu verstecken. Socha lässt sich darauf ein, ohne überblicken zu können, was das für Folgen haben wird. Das Drama fängt jetzt erst richtig an. Die Gruppe muss verkleinert werden, nicht alle können versorgt werden. Also eine Selektion wie an der Rampe von Auschwitz. Chigers Frau (Maria Schrader) versucht, ihren beiden Kindern in der feuchten, stinkenden Dunkelheit so etwas wie Normalität mit Lernen und Spielen zu ermöglichen. Unter den Erwachsenen gibt es Misstrauen, Auseinandersetzungen, aber auch ein Liebesverhältnis. Eine der Hauptfiguren, Mundek Margulies (Benno Führmann), selbst ein Draufgänger und Betrüger, miss - traut Socha zutiefst und ist doch gezwungen, mit ihm zu kooperieren.

Nicht alle dramatischen Verwicklungen im Film haben sich genau so zugetragen, doch die letzte Überlebende, damals ein Kind, die jetzt in den USA lebt, bestätigt: So war es. Immer spannend und differenziert wird gezeigt, wie Menschen sich angesichts unvorstellbarer Grausamkeit und in einer menschenunwürdigen Umgebung arrangieren können und wie eine Verführung zur Güte auch Kriminelle moralisch über sich hinaus wachsen lassen kann.

Bewertung: sehr gut

Barbara Wollstein


Ausschnitt aus In Darkness: Zahltag: Mehr Videos



In Darkness, Drama, Polen / Kanada / Deutschland 2010, Kinostart 9. Februar 2012

   
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