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The Music Never Stopped

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The Music Never Stopped
Foto: Senator

Musik als Medizin und Magie

Der Film »The Music Never Stopped« basiert auf einer Fallbeschreibung des Neurologen Oliver Sacks, »The Last Hippie«. Oliver Sacks ist berühmt dafür, dass er komplexe Ergebnisse der Gehirnforschung für Laien verständlich formulieren kann. Bekannt ist seine Sammlung von Fallgeschichten unter dem Titel: »Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte« und »Die Zeit des Erwachens«.

Vordergründig geht es in diesem Film-Drama von Jim Kohlberg darum, dass ein Amerikaner in den Dreißigern nach der operativen Entfernung eines gutartigen Gehirntumors sein Gedächtnis, insbesondere sein Kurzzeit-Gedächtnis, sowie weitere fundamentale Fähigkeiten verloren hat. Mit Hilfe einer speziellen Musiktherapie kann ihm geholfen werden. Daneben geht es um einen Vater-Sohn-Konflikt, der wiederum mit der amerikanischen Geschichte der 60er und 70er Jahre verbunden ist. Dazu hören wir Musik von Bing Crosby über die Beatles und Bob Dylan bis The Greatful Dead. Und schließlich wird gezeigt, wie zwischen den Eltern des Patienten im Sinne einer Emanzipation der Frau die Rollen neu verteilt werden.

Die Geschichte spielt in den achtziger Jahren. Henry (J.K. Simmons) und seine Frau Helen (Cara Seymour) erfahren durch einen Anruf von der prekären Lage ihres Sohnes Gabriel (Lou Tailor Pucci), zu dem sie schon lange keinen Kontakt mehr haben. Er ist in New York verwahrlost und an einem Gehirntumor leidend aufgefunden worden, wurde operiert und ist ein kaum ansprechbarer Pflegefall. Die besorgten Eltern sind ratlos. Zufällig entdecken sie die Musik als Weg zu Gabriels verschüttetem Bewusstsein. Die Musikprofessorin Diane (Julia Ormond) trainiert ihn und ermöglicht ihm Schritte zurück ins Leben. Entscheidend ist jedoch die Aufarbeitung des Konflikts zwischen Henry und seinem Sohn, der exemplarisch ist und viel mit der Musik der jeweiligen Epoche zu tun hat.

In den Fünfzigern waren Henry und der kleine Gabriel noch ein Herz und eine Seele. Der Vater begeisterte seinen Sohn für Big-Band-Swing und Schlager. Doch in den Sechzigern entstanden neue Musikrichtungen, die von konservativen Vätern ebenso wenig anerkannt wurden wie die Hippie-Bewegung, Kritik am Vietnam-Krieg, Drogenkonsum und freie Liebe. Gabriel spielt nun selbst in einer Band und schwimmt mit seinen Altersgenossen auf der Welle des Age of Aquarius weg von den spießigen Eltern und deren College-Ambitionen für ihn, hin zu einem psychedelisch angehauchten, freien Künstlerleben. Der Bruch kommt, als der auf traditionelle amerikanische Werte pochende Vater dem Sohn dessen erste große Liebe und den Besuch eines Konzerts der Greatful Dead verbietet. Fast zwei Jahrzehnte später muss der Vater lernen, dass die Musikgeschichte und das Leben nicht stehen geblieben sind, dass nicht alles Neue eine Gefahr und seine Frau vielleicht die Klügere ist. J.K. Simmons, den man eher von Nebenrollen kennt, spielt das hervorragend.

Bewertung: sehr gut

Barbara Wollstein


USA 2011
Drama
Laufzeit: 112 Min.
FSK: o.A.
Kinostart: 29. März 2012

   
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