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Durch rituelle Körperhaltungen zur ekstatischen Trance

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Durch rituelle Körperhaltungen zur ekstatischen Trance

Ekstase ohne Drogen

Dieser Film ist eine kurzweilige Doku von Ulf Leonhard über rituelle Körperhaltungen und ekstatische Trance. Zunächst berichtet er über die Anthropologin Dr. Felicitas Goodman, die an der Denison University in Ohio über Sprache, Rhythmus und Trance forschte. Im Jahr 1977 stieß sie auf Statuetten und Höhlenmalereien der Urzeit, die auffällige Körperhaltungen darstellten.

Goodman ließ ihre Studenten diese Haltungen einnehmen und rasselte oder trommelte einen schnellen Rhythmus dazu. Dabei stellten sie fest, dass die Körperhaltungen zu eindeutigen Tranceerlebnissen führten. Mehr noch: Jede Haltung beeinhaltete typische Erfahrungsschwerpunkte. Der sitzende Puma von Tiwanaku steht zum Beispiel für Wandlung und Initiation und der singende Schamane für Reinigung und Heilung. Zur Unterscheidung von anderen Arten von Trance bezeichnete Goodman diese veränderten Wachzustände als ekstatische Trance. Ekstase bedeutet »aus sich heraustreten« und benennt hier den willentlichen Wechsel in eine andere Wirklichkeit.

Mir gefällt besonders gut ein Ausschnitt aus einem Interview mit Felicitas Goodman, in dem sie sich zum Thema Jugendliche und Drogen äußert. Goodman vertritt die These, dass der Ekstase-Entzug in unserer Gesellschaft zu Drogen- Missbrauch führt. Sie erzählt, dass sie ihren eigenen Enkelkindern schon frühzeitig die rituellen Trancehaltungen beigebracht hat. Auf die Frage, ob sie sich jemals für Drogen interessiert hätten, antworteten ihr ihre Enkel: »Nein, Drogen sind langweilig«.

Spannend sind auch die Interviews mit Nana Nauwald, die Künstlerin, Autorin und Schülerin von Felicitas Goodman ist, und die Aussagen von Petra Kral, Physiotherapeutin und Trainerin für rituelle Körperhaltungen.

Ein wenig irritierend finde ich das Interview mit Martin Schöne. Er wird als interdisziplinärer Bewusstseinsforscher bezeichnet – das kann so ziemlich alles bedeuten. Beim Ansehen des Films kamen mir seine Aussagen zu den neuronalen Auswirkungen pseudo-wissenschaftlich vor; dann sah ich mir seine Webseite an und fand, dass er in erster Linie ein Künstler ist, der versucht, Kunst und Wissenschaft zu verbinden. Vielleicht weiß er sogar, wovon er spricht, aber den Nobelpreis für Neurologie wird er wohl nicht gewinnen. Doch insgesamt ist es ein sehr guter Film, der gut über die Theorie und Praxis der rituellen Körperhaltungen informiert. Nebenbei ist er dank seiner wunderschönen Aufnahmen in freier Natur auch ein Augenschmaus.

Bewertung: sehr gut

Christine Höfig

Durch rituelle Körperhaltungen zur ekstatischen Trance
Dokumentarfilm 2011
AT Verlag
14,80 Euro

   
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