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Stefanie Arend: Yin Yoga

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Stefanie Arend: Yin Yoga
Stefanie Arend

Taube, Raupe oder Schmetterling

Zugegeben, die Übungen sehen auf der DVD »Yin Yoga« von Stefanie Arend einfach aus, aber sie haben es ganz schön in sich. Sie tragen so friedliche Namen wie Taube, Schmetterling, Raupe oder Frosch, verlangen aber dem Körper – und wohl auch dem inneren Schweinehund – einiges ab. Dennoch fühlt man sich nach einer Übungssequenz wohler, ausgeglichener und irgendwie auch biegsamer. Einfach besser ausbalanciert.

Doch wozu die ganzen Verdrehungstechniken, die das Unterste nach oben kehren und die Körperseiten à la Korkenzieher winden? Das Chi soll damit aktiviert werden. In eineinhalb Stunden zeigt uns Stefanie Arend eine Leber- und eine Gallenblasensequenz. Denn dieses Organpaar soll regulierend wirken und das Chi-Level erhöhen. Ganz entgegen der westlichen Meinung ist im taoistischen Glauben nämlich die Leber für die Lebenskraft zuständig und wird als das Zuhause der Seele betrachtet, während dem Herz das Denken zugeordnet wird. Das Chi der Leber steuert demnach unsere Kraft und Energie. Augenschwäche oder Probleme mit den Knien deuten auf Probleme mit der Leber hin, ebenso sind Gefühle wie Wut und Ärger Anzeichen, dass das Organ überlastet ist. Auch die Gallenblase kontrolliert unseren Chi-Level, zusammen mit der Leber ist sie für unsere Entscheidungsfähigkeit und den Mut verantwortlich.

Mit diesen wenigen, aber »entscheidenden « Informationen ausgestattet, führt uns Stefanie Arend durch die Übungen, die vorwiegend den Lebermeridian aktivieren, aber auch Muskeln und Bänder dehnen und stärken. Das Angenehme dabei: Sie lässt dem Zuschauer Zeit. Vor allem Unerfahrene werden anfangs öfter auf den Bildschirm schielen, um ihre Stellung dem gezeigten Ideal anzupassen. Die Übungen werden aus mehreren Perspektiven beleuchtet, so dass sie gut nachzuahmen sind. In Echtzeit hält man mit Stefanie Arend die Stellung bis zur Auflösung. Dies macht die DVD sympathisch und hebt sie von vielen anderen ab, wo der Zuschauer bei Hund, Heuschrecke oder Kobra ständig mit der Pausentaste hantieren muss. Hier können wir den Film getrost laufen lassen und haben dennoch genug Atem, um die Stellung zu halten. Zum Abschluss jeder Sequenz folgt eine Entspannungsstellung. Yin Yoga ist ein ruhiger, passiver Yoga-Stil, bei dem es gilt, loszulassen und in die Haltungen regelrecht hineinzusinken.

Neben dem Muskel- und Bandapparat sollen auch das tiefe Bindegewebe gedehnt, der Energiefluss im Körper harmonisiert und die Gelenke geöffnet werden. Auch das geistige Loslassen kann so gefördert werden. Durch das lange Verharren in einer Stellung wird freilich auch unsere Geduld herausgefordert. In ruhiger, entspannter Atmosphäre dehnen, strecken und überkreuzen wir also mit Stefanie Arend unsere Körperteile, ohne mit Informationen, Anleitungen, Vorsichtsmaßnahmen, visuellem oder auditivem Schnickschnack überfrachtet zu werden. Dezente Hintergrundmusik und eine angenehme Stimme machen diese harmonische Yogastunde zu einem wohldosierten Impuls für unsere Lebensenergie. Schön aufgemacht, die »ganz persönliche Yogastunde« ist nicht zu viel versprochen und auch für Anfänger geeignet.

Bewertung: sehr gut

Christiane Barth

Stefanie Arend: Yin Yoga
Der sanfte Weg zur inneren Mitte (2011)
Schirner Verlag
12,99 €

   
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