Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Filme

Alles über meinen Vater

Details

Alles für meinen Vater
Alles für meinen Vater © kinowelt

Zwei geschenkte Tage

Seine Mission ist es, möglichst viele Menschen auf einem Markt in Tel Aviv zu töten. Sein Motiv ist es, das Ansehen seines Vaters wieder herzustellen. Sein Schicksal ist es, zwei Tage mit seinen potentiellen Opfern zu leben und auf andere Weise als gedacht nicht heil aus der Sache herauszukommen. Der Film von Dror Zahavi, Israeli mit Filmstudium in der DDR, inszeniert die entscheidende Phase im Leben eines palästinensischen Selbstmordattentäters mit komödiantischen Elementen und mit emotionalem Tiefgang.

Tarek (Shredi Jabarin) ist kein religiöser oder politischer Fanatiker. Er gerät unter Druck, weil sein Vater mit Israelis kollaborierte, um ihm eine Fußball-Karriere zu ermöglichen. Nun muss die Familienehre vom Sohn gerettet werden - ohne dass die liberalen Eltern eingeweiht sind.

Dieser Tarek ist ein düster blickender Mann, dessen Gesicht erst durch ein plötzliches Lächeln sympathisch wird. Zwei Tanzim-Mitglieder (militärischer Arm der Fatah) schleusen ihn mit dem Auto nach Tel Aviv ein. Die Hektik des Sprengstoffweste-Anlegens, der Anweisungen und der Handy-Telefonate wirkt bedrohlich und komisch zugleich. Dann ist er allein in der Menge und drückt den Knopf. Nichts passiert. Tarek muss einen neuen Schalter besorgen. Da der Sabbat bevorsteht, verliert er zwei Tage für seine Mission und gewinnt zwei Tage Leben. In einem alten und ärmlichen Teil Tel Avivs lernt er den kauzigen Elektriker Katz (Shlomo Vishinski) kennen, der für ihn nichts ahnend das entscheidende Ersatzteil bestellt und ihn gegen handwerkliche Dienstleistungen bei sich wohnen lässt. Katz' Frau kommt nicht von der Trauer um den bei einer Armeeübung tödlich verunglückten Sohn los. Dass Tarek im Haus ist, verändert etwas für sie. Gegenüber betreibt die kratzbürstige junge Keren (Hili Yalon) einen Kiosk. Mit schrägen Klamotten unterstreicht sie die Distanzierung von ihrer orthodoxen Familie, deren Umfeld sie jedoch nicht in Ruhe lassen will. Obwohl Keren und Tarek durch sehr verschiedene Erfahrungen geprägt sind und genug mit ihren eigenen Problemen zu tun haben, nähern sie sich einander an, so etwas wie Romantik und Hoffnung einsteht. Doch weder Tarek noch der Zuschauer vergisst, dass sich unter Tareks Jacke und Hemd einige Kilo Sprengstoff verbergen, die auch per Handy ferngezündet werden könnten. Gegenüber seinen Auftraggebern handelt er aus, dass er den Zeitpunkt der Explosion selber bestimmen wird. Kann er die Feinde, die er als Menschen kennen gelernt hat, noch töten? Wird er eine Chance, aus allem auszusteigen und sein eigenes Leben als Fußballer zu führen, ergreifen? Am Ende kommt alles ganz anders.

Wenn diese Geschichte gut ausginge, wäre sie verlogen. Aber es ist ihr Verdienst zu zeigen, dass die einzelnen Gegner, die Täter und Opfer (die auch in diesem Konflikt mal in dieser mal in jener Rolle erscheinen) zunächst Menschen sind, familiär eingebunden, mit Freuden und Ängsten, Macken und liebenswürdigen Eigenschaften.

Bewertung: 5 von 5 Sternen

— Barbara Wollstein


Alles für meinen Vater Kinostart 22. Januar 2009, Drama - Deutschland/Israel 2008 FSK: Freigegeben ab 12 Jahren - 100 Min. - Verleih: Kinowelt

www.allesfuermeinenvater.de

   
© Connection AG 2015