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Filme

Der Bauer, der das Gras wachsen hört

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Der Bauer, der das Gras wachsen hört
Einer der ersten Bio-Bauern in Deutschland:
Michael Simml

Ein Öko-Bauer mit Herz und Verstand

Bertram Verhaag – der Name des Regisseurs steht für spannende Dokumentationen zu ökologischen oder sozialen Themen. Auch »Der Bauer, der das Gras wachsen hört« ist wieder ein gelungenes filmisches Denk-Mal. Michael Simml stellte 1984 als einer der Ersten seinen Hof auf Öko-Anbau um.

Den Entschluss dazu fasste er von einem Tag auf den anderen: Nachdem er 1984 die üblichen Pestizide auf dem Feld verteilt hatte, ging er über den Acker und sah, dass alle Regenwürmer und Käfer tot waren. Dieses einschneidende Erlebnis weckte in ihm den Entschluss, so nicht mehr weiter zu machen. Später am Abend erklärte er seiner Frau: »Ab morgen sind wir Bio-Bauern«. Seine Frau war damals noch besorgt, ob der Umstieg auf Öko klappt, denn schließlich waren vier Kinder zu versorgen. Die Produktionskosten für Bio-Qualität sind höher – würden sie genug Abnehmer für die dadurch höheren Preise finden? Trotz der Zweifel unterstützte ihn seine Frau immer.

»Drei Jahr' geben wir ihm, dann frisst ihn's Unkraut z'samm« – war die einhellige Meinung im Dorf. Heute erzielt er höchste Erträge, obwohl der karge Boden im bayerischen Wald als nicht sehr ergiebig gilt. Auf den Wochenmärkten zahlen seine Kunden gerne die etwas höheren Preise für beste Bio-Qualität. Die Kritiker von damals geben zerknirscht vor der Kamera zu, dass sie sich getäuscht haben.

Michael Simml und seine Familie haben sich auf den Anbau von Gemüse spezialisiert. Zusätzlich zum Ackerland hat Simmls Sohn, ein Gärtnermeister, einige Gewächshäuser gebaut. Er setzt auf natürliche Schädlingsbekämpfung und erklärt, wie verschiedene Nützlinge wie die Schwebfliege für ihn »arbeiten«. Michael Simml selbst merkt man ebenfalls die Begeisterung für die ökologische Landwirtschaft an. In schönstem Bayrisch schwärmt er für Regenwürmer, Käfer und Tausendfüßler: Wieviel Leben es auf nur einer Schaufel Erde gibt! Und wenn doch mal Unkraut auf seinen Äckern sprießt? Dann wird ihm die Erde damit wohl etwas sagen wollen.

Bauer Simml plaudert ausführlich über sein Erfolgsrezept: Seine Kühe bekommen nur gutes selbst angebautes Futter und wandeln es auf dem Weg durch den Verdauungstrakt in den allerbesten natürlichen Dünger um. Schädlingsbekämpfung erfolgt über Nützlinge oder auf mechanische Art, niemals auf chemischem Weg. Ein ausgeklügeltes System der Fruchtfolge bestimmt, welches Gemüse in welchem Jahr auf welchem Acker wachsen darf, damit der Boden nicht auslaugt. Seine Einstellung zur Erde und zur Natur ist spiritueller Art: Die Erde gibt uns so viel, sie erzeugt so viel Leben, im Gegenzug sollte man ihr täglich danken.

Der Film dauert 45 Minuten. Zusätzlich enthält die DVD unter »Extras« weitere 20 Minuten Interviews mit Bauer Simml und seinem Sohn zur ökologischen Landwirtschaft und zu den Gefahren von Pestiziden und Gentechnik. Der Film zeigt, dass es auch anders geht. Man kann auch mit der Natur arbeiten anstatt gegen sie und dabei wirtschaftlich gute Erfolge erzielen. Die Dokumentation gefällt nicht nur mir. Betram Verhaag wurde für diesen Film auch mit neun internationalen Preisen ausgezeichnet, unter anderem als »Bester ökologischer Film 2010«.

Bewertung: hervorragend

Christine Höfig

Der Bauer, der das Gras wachsen hört, Denkmalfilm 2009, www.denkmal-film.com, 16,90 €

   
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