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Mut zum Leben

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Mut zum Leben
Esther Bejarano und Konstantin Wecker.
Foto: Lisa Günther

Zeitzeugen

Christa Spannbauer und Thomas Gonschior haben mit vier jüdischen Überlebenden von Auschwitz eine Dokumentation gedreht, die bereits auf 3sat zu sehen war und nun auch als DVD veröffentlicht wurde. Die drei Frauen und ein Mann, alle in den Achtzigern, erzählen, wie sie als Jugendliche das Konzentrationslager erlebt haben, was ihnen geholfen hat, es zu überleben, und wie sie mit dieser Erfahrung umgehen.

Esther Bejarano erinnert sich an den Platz in Berlin, wo die Deportation stattfand. Wie die anderen hat sie viele Angehörigein den Gaskammern von Auschwitz verloren. Sie spielte in dem berühmt-berüchtigten Orchester, mit dem die Nazis Normalität oder gar Kultiviertheit vortäuschen wollten. Heute tritt sie u.a. als Sängerin bei besonderen Veranstaltungen auf – zusammen mit Rappern oder mit Konstantin Wecker.

Éva Pusztai-Fahidi wurde von Budapest mit über 400.000 anderen Juden nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert. Sie hebt hervor, dass die ungarische Bevölkerung und Regierung bis heute ihren Anteil an diesem Verbrechen nicht aufgearbeitet haben. Besonders schlimm war für sie, nicht zu wissen, was eigentlich geschah, und jeder Individualität beraubt zu werden.

Greta Klingsberg und Yehuda Bacon aus Prag leben in Jerusalem. Sie überlebte im Chor, der in Auschwitz eine Kinderoper aufführte. Er war zu schwerer Arbeit eingeteilt, zeichnete seine Erlebnisse und blieb auch später bei der bildenden Kunst. Was ist das Gemeinsame an diesen vier exemplarischen Schicksalen? Sie haben das absolut Böse erlebt, die grausame Massenvernichtung, aber auch einzelne Menschen, die sich ihre Humanität bewahrt haben. Sie haben mit Glück überlebt, oder weil sie durch ihre Kunst ein wenig privilegiert waren; so haben sie den Wert des Lebens in besonderer Weise schätzen gelernt. Alle vier betonen, dass Zusammenhalt und Solidarität gerade im extremen Leid lebensnotwendig waren. Es ist ihnen bewusst, wie wichtig Versöhnung ist, aber auch das Wecken von Widerstand gegen Vorurteile. Darüber singt Esther Bejarano. Sie wollen junge Menschen ansprechen und sie für die Gefahren der Intoleranz und Ausgren zung sensibilisieren.

Greta Klingsberg sieht in den verschiedenen Religionen, die ihr in Jerusalem auf Schritt und Tritt begegnen, Vielfalt und Bereicherung. Freunde ersetzen ihr die verlorene Familie, und die Arbeit in ihrem Garten ist ein ständiger Quell der Freude. Die Zeitzeugen des Dritten Reichs sterben allmählich aus. Überlebende der Vernichtungslager gibt es ohnehin noch viel weniger. Die Erinnerung an ihre Schicksale, soweit sie dokumentiert sind, wird bleiben. Eindrucksvoller als schriftliche Zeugnisse und Fotos in Gedenkstätten ist das lebendige Erleben dieser starken Persönlichkeiten. Sie sind noch in der Gesellschaft aktiv, halten Vorträge, absolvieren Auftritte, werden öffentlich geehrt, doch das wird zu Ende gehen. Gut, dass sie im Film erhalten bleiben.

Bewertung: sehr gut

Barbara Wollstein

Mut zum Leben:
Die Botschaft der Überlebenden von Auschwitz:
absolut Medien
14,99 €

   
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