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Live and let live

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Live and let live
Live and let live. © Blackrabbit Images

Bewusstsein ist dem Menschen zumutbar

Der Film » Live and let live« ist eine dokumentarische Annäherung an das Phänomen Veganismus. Die Filmsprache ist Deutsch; an den Stellen, wo im Film Englisch gesprochen wird, gibt es deutsche Untertitel.. Der Rahmen und zugleich die Identifikationsfigur für den Zuschauer ist Katie, eine ernsthafte junge Frau, die schon lange vegan lebt. Die Zuschauer vertiefen sich mit ihr in die Welt des Veganismus aus unterschiedlichen Perspektiven.

Wir lernen eine Gruppe junger Aktivisten kennen, die für die weltweite Bewegung stehen, die mitunter vom Establishment der Massentierhaltung als Ökoterorristen bezeichnet wird. Es wird nebenbei die Geschichte der Entstehung des Veganismus im Jahre 1944 dargestellt, bevor wir mögliche Gründe für so eine radikale Haltung in Sachen Essen kennenlernen. Diese zunächst ethischen Gründe werden von niemand Geringerem als Peter Singer selbst erläutert, aber nicht nur von ihm.

Auch Tom Regan, Professor der Philosophie, erklärt, dass es für den denkenden und mitfühlenden Menschen keine Alternative dazu gibt, den kategorischen Imperativ nach Kant auch auf Tiere auszudehnen. Es gilt, ihnen die Tierrechte einzuräumen, und zwar die Rechte auf Unversehrtheit und das Recht auf Leben. Auch radikalere Positionen werden beleuchtet. Gary Francione, Professor für Rechtswissenschaften, findet es mangelhaft, die Ausbeutung der Tiere durch die sogenannte artgerechte Haltung zu regulieren. Er plädiert für die Abschaffung der Tierhaltung überhaupt. Durch Katies Recherchen werden wir in ein Kuhaltersheim geführt, in dem die alten Tiere, nachdem sie untauglich wurden, noch würdig leben dürfen. Es gehört zu den beeindruckendsten Szenen des Filmes, als der Betreuer des Altersheims die Geschichte seiner Konversion zum Veganismus erzählt. Seine Geschichte ist nicht die einzige des Films: ein Bahnradprofi und ein Koch, der ebenso eine ethische Krise durchlebte, die ihn zur Gründung eines veganen Restaurant veranlasste. Neben dem Kuhaltersheim wird eine Landwirtschaftsvereinigung vorgestellt, die konsequent auf tierische Düngemittel verzichtet und alternative, naturfreundliche Methoden ausprobiert.

Der Film konfrontiert uns mit dem Phänomen der Massentierhaltung aus der ökologischen, medizinischen und psychologischen Perspektive. Dabei führen alle Betrachtungen zu dem Schluss, dass das, was wir mit der Massentierhaltung im großen Stil praktizieren, ineffizient, grausam und krank ist. Am Ende stellt sich die Frage, ob es reicht, dass wir uns vegan ernähren von Produkten, die anderswo vielleicht eine Menschensklaverei begünstigen oder die unfairen Bedingungen unterstützen. Entscheidend ist die Bewusstheit des Einzelnen darüber, was er oder sie konsumieren. Das Bewusstsein darüber, was wir essen, was wir anziehen und wieviel Geld uns etwas wert ist.

Die DVD beinhaltet ein umfangreiches Bonusmaterial mit weiteren Interviews und den Einblicken in das Leben der Protagonisten zwei Jahre später.

Bewertung: sehr gut

Julia Koloda

Ein Dokumentarfilm über Veganismus: Live and let live Regisseur: Marc Pierschel Mindjazz Pictures 2014 16,90 €

 

 

 

 

 

 

   
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