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Like Father Like Son

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Like father like Son
Foto: © FilmKinoText

Kindertausch

Der Spielfilm »Like Father, Like Son« erzählt die Geschichte von zwei schicksalhaft miteinander verbundenen Familien in Japan, die sich durch die Vertauschung ihrer Kinder kurz nach der Geburt im Krankenhaus und bei der Aufdeckung dieser Tragödie einer unlösbar erscheinenden Aufgabe stellen müssen. Nach der Geburt in der Klinik versehentlich vertauschte Kinder werden in Japan, wenn die Verwechslung entdeckt wird, ausnahmslos den leiblichen Eltern zurückgegeben, egal wie sehr die Kinder schon bei ihren Zieheltern heimisch geworden sind...

Kindesvertauschung kam in Japan in den 60er Jahren häufiger vor und es wurde von den Behörden in 90 Prozent der Fälle entschieden, dass sie zurückgetauscht werden (heute in 100 Prozent der Fälle). Diese Lösung wird auch im Film von der Behörde angestrebt, und die Justiz verurteilt die verantwortliche Krankenschwester, die die Wahrheit selbst ins Rollen gebracht hat, zu Schadensersatz. Soweit der rechtliche Weg.

Aber das Wesentliche sind die Fragen der Eltern: »Wie konnte ich es nicht bemerken?« »Was ist die beste Lösung für die Kinder?« »Werde ich mich jemals an den leiblichen Sohn gewöhnen und wieder so lieben können?« »Was passiert mit unseren bisherigen Erziehungsbemühungen?« »Wie vermittle ich dem Kind die Situation und den Rücktausch?« So werden die Antworten und vor allem die praktische Umsetzung Schritt für Schritt gezeigt.

Der Film bietet aber noch mehr, denn es geht um grundsätzliche Fragen rund um Kinder und Elternsein: Die Beziehung zwischen Vätern und Söhnen, das bindende Verhalten der Mütter und das an Leistung und/oder Selbständigwerden orientierte Verhalten der Väter. Der Zuschauer stellt sich mehr und mehr die Frage: Sind Blutsbande ausschlaggebend, oder dürfen wir eine größere Freiheit wagen? Wo sind die Grenzen seelischer Verbundenheit und seelischer Freiheit?

Die Kinder, inzwischen sechs Jahre alt, verhalten sich vergleichsweise gelassen. Sie leben ihr Leben, spielen miteinander wie Geschwister und folgen den Vorgaben der Eltern mit mehr oder weniger großen Anpassungsschwierigkeiten, so wie das sonst auch der Fall ist. Das unterschiedliche Milieu und die unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen kommen deutlich zum Ausdruck, wenn der in der Provinz lebende Elektrohändler inmitten seiner drei Kinder sitzt und mit ihnen den Alltag lebt und erklärt. Im Gegensatz dazu hat der in der Großstadt lebende Architekt wenig Zeit, um sie gemeinsam mit Familie und seinem einzigen Kind zu verbringen, aber hohe Leistungsansprüche an den Sohn. Dieser Eindruck wird bei den Besuchen eines Freizeitparks verstärkt, in dem sich die beiden Familien mehrfach gemeinsam treffen, bevor sie zum Wochenendaustausch übergehen.

Sogar die Idee des Architekten, beide Söhne in seiner Familie aufwachsen zu lassen – er würde ihn sozusagen kaufen – wird angedacht, aber durch den anderen Vater entschieden abgelehnt. Die Mütter reagieren anders, sie sind mit den Kindern durch die Schwangerschaft und den engen Kontakt mehr mit der seelischen Entwicklung der Kinder verbunden und angesichts einer emotional nicht lösbaren Situation nehmen sie sich einfach in den Arm. Eine Szene vor dem Ahnenaltar macht bewusst, wie bedeutsam es im Sinne der Ahnen und der Blutsbande ist, dass die leibliche Zugehörigkeit geklärt ist, unabhängig davon, wie ein Kind ansonsten aufwächst.

Und so entwickelt sich alles dahin, dass der Tausch möglich wird und letztlich alle Beteiligten dadurch wachsen. Der leibliche Sohn des Architekten bringt mit seiner Lebendigkeit Schwung in die Familie, die Familie des Elektrohändlers erlebt, dass sie in ihrem unkomplizierten und herzlichen Umgang mit ihren Kindern ein Lernfeld für die anderen bietet. Die bedeutendste Entwicklung macht der Architekt, der vom Verhalten seines Ziehsohns berührt, ihn (endlich) in sein Herz und in den Arm nehmen kann. Kinder sind auch manchmal Lehrmeister ihrer Eltern. Interessant wäre noch mehr über die Hintergründe der Familien zu wissen, die solch eine Situation in einen größeren Kontext stellen würden, aber unabhängig davon ein sehenswerter Film, nachdenklich stimmend und lehrreich.

Bewertung: sehr gut

Lisa Böhm

Like Father Like Son

Like Father Like Son
Drama
Japan
Kinostart: 25. September 2014

   
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