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Monsanto: Mit Gift und Genen

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<em>Monsanto: Mit Gift und Genen</em>
Monsanto: Mit Gift und Genen

Ein Konzern, der über Leichen geht

Die mit dem Journalistenpreis »Albert Londres« ausgezeichnete Regisseurin Marie-Monique Robin hat drei Jahre lang sorgfältig in Nord- und Südamerika, Europa und Asien über den Biotech-Konzern Monsanto recherchiert. Sie hat mit Bauern in Indien, Mexiko und Paraguay gesprochen, mit Wissenschaftlern und Politikern in Amerika und Europa. Das erschreckende Ergebnis: Monsanto hat nicht nur aus Profitstreben Risiken ignoriert, sondern gezielt der Öffentlichkeit Fehlinformationen gegeben.

Monsanto produzierte unter anderem die Substanz PCB, die seit Beginn der 80er Jahre als hochgiftig eingestuft wird. In dem Ort Anniston in den USA, in der Nähe des Fabrikgeländes von Monsanto, sind fast alle Einwohner krank, viele sind schon gestorben. Wie aus Unterlagen hervorgeht, war Monsanto schon lange vor dem Verbot von PCB bekannt, dass der Stoff krebserregend ist. Doch man entschied sich aus Profitgier, ihn trotzdem zu verwenden: Wenn die, übrigens meist farbigen, Einwohner von Anniston klagen und ihnen tatsächlich Schmerzensgeld zugesprochen wird, entspricht die Summe sowieso nur einem geringen Anteil dessen, was Monsanto an Gewinnen durch seine Produkte eingefahren hat. So rechnet sich das!

Das Pestizid Roundup wurde als »biologisch abbaubar« angepriesen, bis Monsanto ein Verfahren wegen trügerischen Werbebotschaften am Hals hatte: »Biologisch abbaubar« ist das hochgiftige, krebserregende Pflanzenschutzmittel nur zu zwei Prozent. Was für ein Euphemismus überhaupt das Wort Pflanzenschutzmittel ist: Es vernichtet alle Pflanzen, auf das es gesprüht wird, außer den von Monsanto durch Gentechnologie resistent gemachten Nutzpflanzen. Man muss also, um Roundup verwenden zu können, gleich noch genmanipuliertes Saatgut bei Monsanto mit einkaufen.

Monsanto stellte auch das Herbizid Agent Orange her, das heute als chemischer Kampfstoff klassifiziert ist. Die US-Air Force besprühte damit im Vietnamkrieg in mehr als 6.000 Einsätzen weiträumig den Urwald. Das Rote Kreuz gibt an, dass auch heute noch circa 500.000 Vietnamesen unter den Späfolgen dieser Einsätze leiden. Auch amerikanischen Soldaten erlitten schwerste Gesundheitsschäden. Wie aus einem Horrorfilm mutet die Szene an, in der der Film Reagenzgläser mit missgebildeten Föten in einem vietnamesischen Krankenhaus zeigt.

Problematisch auch das Verhalten Monsantos gegenüber indischen Baumwolle-Bauern: In Indien hat Monsanto fast alle Saatgutfirmen für Baumwolle aufgekauft, das heißt, die Bauern können nur die viermal so teure, gentechnisch veränderte Baumwollsaat von Monsanto beziehen. Um sich das leisten zu können, müssen sie Kredite aufnehmen. Dafür verspricht Monsanto bessere, resistentere Baumwolle. Von wegen: Monsanto-Baumwolle leidet letztendlich sogar häufiger unter Wurmbefall als herkömmliche Pflanzen. So manche Ernte fällt schlecht aus, und damit stürzen die Bauern in den Ruin. Viele von ihnen nehmen sich das Leben.

Wissenschaftler berichten, dass ihre Ergebnisse ignoriert oder sie sogar entlassen wurden, als sie Kritik an Monsanto-Produkten wagten. So groß ist offenbar der Einfluss des Konzerns auf Regierung und Forschung. Studien wurden manipuliert, Ergebnisse gefälscht. Marie-Monique Robin weist auch nach, dass es enge Verbindungen gibt zwischen Monsanto und der Food and Drug Administration FDA, deren Aufgabe es eigentlich ist, Firmen wie Monsanto zu überwachen. Der Monsanto-Anwalt Michael Taylor ist auch bei der FDA. Die Dokumentarfilmerin interviewte auch ihn, stellte ihm viele clevere Fragen, denen er sichtlich mit Mühe ausweicht.

Heute ist »Monsanto« weltweit der Marktführer auf dem Gebiet der Biotechnologie. 90 Prozent der derzeit angebauten gentechnisch veränderten Organismen, unter anderem Soja, Raps, Mais und Baumwolle, sind Monsanto-Patente. Will Monsanto über kurz oder lang die gesamte Nahrungskette kontrollieren? Das lässt mich an eine Satire von Roland Rottenfußer denken, wo die Himbeere in Scholzbeere umbenannt wurde, nachdem der Biotech-Konzern Scholz sie zum Patent angemeldet hat...
In Deutschland erhielt Monsanto kürzlich einen Dämpfer, als der Anbau von gentechnisch verändertem Monsanto-Mais verboten wurde. Wollen wir hoffen, dass auch andere Länder nachziehen.


Bewertung: 4 von 5 Sternen

— Christine Höfig


Monsanto Mit Gift und Genen: Dokumentarfilm 2008
arte edition
16, 95 €

www.arte.tv

   
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