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Im Einklang mit dem Universum

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<em>Im Einklang mit dem Universum</em>
Lebensberater mit Eso-Binsen

Aus dem Einklang geschubst

Schade, dass ich keine Null Sterne vergeben kann, denn im Vergleich zu »Im Einklang mit dem Universum« ist sogar die Filmversion von »The Secret« noch ein Meisterwerk. Vor einer Gebirgslandschaft mit beschleunigt vorbeiziehenden Wolken sehen wir den Sprecher stehen. Er sei Lebensberater, heißt es, aber wirkt eher wie ein evangelischer Pastor beim Wort zum Sonntag, während er Eso-Binsen aneinander reiht von der Sorte: »Du bist der Schöpfer deines Universums«, »Wir alle sind ein Abbild Gottes«, »Innerer Reichtum spiegelt sich im Außen«, »Deine Seele hat sich vor der Reinkarnation dein Leben ausgesucht«. Die übliche Wünsch-Dir-Was-Philosophie also, garniert mit Eso-Kitsch und unterlegt mit sphärischen Klängen, die an das erinnern, die man im Kaufhaus über den Wühltischen zu hören bekommt.

Zwischendurch melden sich drei Frauen zu Wort: eine Heilpraktikerin, eine Schriftstellerin und eine Studentin. Immerhin kommen neben dem Pastor-Mann drei Frauen zu Wort! Das entspricht wohl der Zielgruppenanalyse, die man vorab sicherlich angestellt hat. Bei »The Secret« aber konnte man sich noch Promis leisten, bei diesem low cost me too Produkt sind es nur unbekannte Gesichter, die mit ihren »Weisheiten« noch weniger überzeugen können als die Promis von »The Secret«. Plötzlich fällt mir auf, dass die eine der drei Tussis doch grad dasselbe schon mal gesagt hat. Unser Webredakteur Olli, der sich mit mir durch den Film quält, bestätigt mir, dass es tatsächlich wortwörtlich dasselbe war. Aber da der Film sowieso durchweg nur Eso-Binsen bringt, fiel diese Verdoppelung beim Schneiden wohl gar nicht auf.

Eine dreiviertel Stunde lang wechseln sich Pastor, Heilpraktikerin, Schriftstellerin und Studentin nun mit ihren Phrasen ab, während Olli einen Anfall nach dem anderen bekommt. Es gibt doch schon Tausende »Lebenshilfe«-Filme, warum nun auch noch diesen hier? Vielleicht weil er statt nur dem »inneren Kind« die Metapher vom »inneren Kindergarten« einführen will, bestehend aus dem verletzten Kind, dem enttäuschten Kind, dem zurückgesetzten Kind. In meinem Falle ist es gerade sowohl verletzt wie auch betroffen und enttäuscht – dafür reicht eigentlich auch eines.

Dann verschwindet unser Pastor plötzlich und eine körperlose Frauenstimme übernimmt die Führung. Dazu gibt es erstmal Naturbilder, während die Stimme uns vom Nutzen und der Geschichte der Meditation erzählt. Das kommt etwas unerwartet, man weiß nicht so recht, was es mit dem Vorhergegangenen zu tun hat. Was sie über die Geschichte der Meditation zu sagen hat, ist gar nicht mal schlecht und nach dem grusligen Pastor und seinen Assistentinnen richtig erholsam. Es folgen Anleitungen zum richtigen Sitzen bei der Meditation, von denen einige aber leider falsch sind. Ein Laie kann damit nicht meditieren lernen, und für Geübte ist das Ganze uninteressant.

Irgendwann ist auch das zu Ende, und ich bin froh, dass der Film insgesamt weniger als eine Stunde gedauert hat. Im Einklang mit dem Universum? Den konnte ich danach nur durch das gemeinsame Lachen mit Olli und das Schreiben dieser Rezension wiedergewinnen.

Bewertung: 1 von 5 Sternen

— Christine Höfig


Im Einklang mit dem Universum
Dokumentarfilm
KSM GmbH 2008
10,97 €

www.ksmfilm.de

   
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