Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Filme

Ein Augenblick Freiheit

Details

<em>Ein Augenblick Freiheit </em>
© Olaf Benold

Flüchtlingsschicksale

Aus diesem Film kam ich aufgewühlt und mit zwiespältigen Gefühlen. Einerseits war ich schockiert von den Erlebnissen iranischer Flüchtlinge, die auf wahren Begebenheiten beruhen. So genau hätte ich es lieber nicht wissen wollen, durch welches Fegefeuer Menschen gehen müssen, um in einem halbwegs zumutbaren Leben zu landen – oder eben doch zufällig und schuldlos in der Hölle. Andererseits wünsche ich diesem mehrfach preisgekrönten Film möglichst viele Zuschauer, die dann hoffentlich mehr Mitgefühl für die in unserer Gesellschaft allzu oft nur als lästig geltenden Flüchtlinge aufbringen.

Deren Schicksal wird an drei Gruppen dargestellt, die sich in der Zwischenstation Ankara treffen, wo es sich entscheidet, wer ein Visum in ein Land der Verheißung bekommt. Zwei junge Männer riskieren ihr Leben, um Nichte und Neffe des einen zu ihren bereits früher nach Österreich geflüchteten Eltern zu bringen. Die beiden Kinder trennen sich nur schwer von den zurückbleibenden Großeltern. Vater und Mutter, die sie am Ende überglücklich in die Arme schließen, sind inzwischen Fremde für sie.
Ein Ehepaar mit Sohn bringt ebenfalls den beschwerlichen und gefährlichen Weg über die Berge hinter sich, nur um in Ankara fest zu sitzen und immer mehr zu verzweifeln. Wäre es nicht besser gewesen, in der Heimat zu bleiben, unauffällig zu leben und vielleicht an einer Verbesserung der Verhältnisse mit zu arbeiten?
In dem herunter gekommenen Hotel in Ankara hausen auch zwei ungleiche Freunde, ein junger kurdischer Lebenskünstler und ein ernsthafter, melancholischer politischer Aktivist.
Sie alle werden von dem habgierigen Hotelier ausgebeutet, der sie je nach Laune auch denunziert. Der iranische Geheimdienst wird nämlich inoffiziell in der Türkei geduldet und schreckt vor Folter und Verschleppung von Flüchtlingen nicht zurück.
Und doch gewährt Ankara »einen Augenblick Freiheit«. Das Straßenbild, die Menschen wirken frei und freundlich. Der junge Kurde flirtet und verliebt sich, die beiden jungen Männer und die Kinder fahren Karussell. Immerhin darf man vor westlichen Botschaften Schlange stehen und irgendwann seinen Visum-Antrag abgeben. Meist gibt es eine Absage, doch die wird höflich erteilt. Niedergeschlagenheit und Hoffnung sind groß. Willkür im Gewand der Bürokratie oder blindes Schicksal scheinen darüber zu entscheiden, wer es weiter schafft und wer auf der Strecke bleibt.
Der Drehbuchautor und Regisseur Arash T. Riahi ist selbst in Teheran geboren und mit seinen Eltern nach Österreich geflohen. Er hat lange an diesem Film gearbeitet, der auch seine eigene Geschichte enthält. Doch die spannenden, ineinander verflochtenen Schicksale aller Personen sind mit gleicher Tiefe und Empathie in Szene gesetzt. Es war dem Autor wichtig, auch komische und humorvolle Elemente einzubauen. »Wenn Menschen lächeln, öffnet sich ihr Kopf«, hofft er.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

— Barbara Wollstein

Ein Augenblick Freiheit
Kinostart 13. August 2009
Drama
FSK: ab 12 Jahren

   
© Connection AG 2015