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Besser geht’s nicht

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<em>Besser gehts nicht</em>
Foto: © Cinetext

Verliebt in einen Neurotiker

Melvin (Jack Nicholson) ist ein richtiges Ekel. Er beschimpft und beleidigt seine Zeitgenossen scheinbar ohne Grund. Außerdem hasst er Hunde und Homosexuelle und versucht schon mal, den kleinen Hund seines schwulen Nachbarn Simon (Greg Kinnear) über den Müllschlucker zu entsorgen.

Vielleicht ist sein asoziales Verhalten auch Bestandteil seiner zahlreichen Zwangsneurosen. Melvin wäscht seine Hände jedes Mal mit einem frischen Stück Seife, auf Gehwegen achtet er penibel darauf, nicht auf die Ritzen zwischen den Pflastersteinen zu treten, und in dem Café, in dem er jeden Tag isst, muss er stets am selben Tisch sitzen. Außerdem verwendet er selbst mitgebrachtes Plastikgeschwirr und will nur von der resoluten Carol (Helen Hunt) bedient werden. Und ausgerechnet dieser Melvin ist ein erfolgreicher Autor von Liebesromanen! Freilich antwortet er auf die Frage, wie er sich so gut in Frauen hinein versetzen kann, in gewohnt charmanter Weise: »Ich stelle mir einen Mann vor und subtrahiere Verstand und Zurechnungsfähigkeit.«

Eine erste Veränderung tritt in sein Leben, als der schwule Nachbar Simon überfallen wird, ins Krankenhaus kommt und dessen Freund Frank (Cuba Gooding Junior) Melvin dazu bestimmt, auf Simons Hund aufzupassen. Doch es kommt noch schlimmer: Eines Tages ist Carol nicht im Café! Eine andere kann Melvin auf gar keinen Fall bedienen. Also findet Melvin ihre Adresse heraus, er will den Grund für ihr Fernbleiben herausfinden. Carol sagt ihm schließlich, dass ihr Sohn Spencer chronisch krank ist und einen erneuten Krankheitsschub hatte.

Um »seine« Bedienung wieder ins Cafe zu kriegen, zahlt Melvin einen teuren Privatarzt, der auch tatsächlich dafür sorgen kann, dass es dem Jungen bald besser geht. Als Gegenleistung fragt Melvin Carol, ob sie ihn und Simon auf eine Fahrt zu Simons Eltern begleitet, die der abgebrannte Künstler um Geld bitten will. Auf der chaotischen Autofahrt kochen die Emotionen hoch, und man kommt sich näher…

Der Film lebt vom verbalen Schlagabtausch zwischen Melvin und Carol. Jack Nicholson verkörpert den Neurotiker auf äußerst überzeugende Weise, er und Helen Hunt haben ihre Oscars als bester Hauptdarsteller und beste Hauptdarstellerin redlich verdient. Spannend ist, zu beobachten wie der zunächst völlig unsympathische Melvin mehr und mehr menschliche Züge erhält. Dass er aus seiner selbstgewählten Isolation ausbricht und anfängt, die Menschen um sich herum nicht mehr nur zu beschimpfen, sondern ihnen immer öfter Hilfe anzubieten, das hat er vor allem der Liebe zu verdanken: der Liebe zu Simons Hund, in den er bald ganz vernarrt ist, und der Liebe zu Carol. Natürlich hat das Ganze auch ein Happy-End. Hier schaltet sich meine Skepsis ein: Kann eine Beziehung mit einem Zwangsneurotiker auf Dauer gut gehen? Vielleicht wenn er eine Therapie anfängt…

Aber mir gefällt dieser Film. Er ist ein Plädoyer, genauer hinzuschauen, um zu erkennen, was sich unter dem merkwürdigen Verhalten unserer Mitbürger noch verstecken könnte. Und er ist ein Liebesfilm der anderen Art, mit Protagonisten, die weit entfernt sind von jeglicher Hollywood-Idealisierung.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

— Christine Höfig



Besser geht’s nicht
Komödie 1997
9,95 €

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