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Avatar - Aufbruch nach Pandora

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<em>Avatar</em>
© Fox

Der Untergang der westlichen Zivilisation

Der Science-Fiction Film »Avatar« von James Cameron startete im Dezember 2009 weltweit in den Kinos und wurde binnen weniger Wochen zum wirtschaftlich erfolgreichsten Film aller Zeiten. Was sagt das aus über unsere Kultur und Zivilisation?

Der Film »Avatar« mag ein kitschiges Melodram sein, der Plot mag vorhersehbar sein – ich finde ihn trotzdem hochinteressant. Er erzählt nämlich nicht nur eine Liebesgeschichte und einen Action Plot, der Film stellt auch die Frage nach dem Wert unserer westlichen Kultur. Dabei kommt Avatar zu einem ebenso eindeutigen wie niederschmetternden Ergebnis. »Der Westen«, sagt der Film, hat Ausbeutung und Lebensfeindlichkeit derart auf die Spitze getrieben, dass er nicht mehr zu retten ist. Alles was der Einzelne tun kann, ist, »den Westen« zu bekämpfen, um dessen Untergang zu beschleunigen. Osama Bin Laden wird diese Botschaft bestimmt gern hören, und auch der Regenwald-Indio und der australische Ureinwohner haben sicher kein Problem mit dieser Sichtweise. Was ich aber nun so interessant finde, ist, dass ausgerechnet dieser Film, ein Film der unsere westliche Kultur derart klar verneint, zum erfolgreichsten Film wird, den »der Westen« jemals hervorgebracht hat.

Heißt das, es sind inzwischen nicht mehr nur die üblichen exzentrischen Spinner, die zu erkennen glauben, dass westliche Konzepte nicht funktionieren? Sind wir an der Schwelle zum 21. Jahrhundert an einem Punkt angelangt, wo auch die große, schweigende Mehrheit irgendwie zu ahnen beginnt, dass der Westen in einer Sackgasse geraten ist?

Zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende, an der Schwelle zum 20. Jahrhundert, war die Situation eine grundsätzlich andere als heute: Damals glaubte man im Westen mehr denn je an die eigenen kulturellen Konzepte. Die Bevormundung durch Päpste und Könige hatte man in den Jahrhunderten zuvor erfolgreich abgestreift und wollte nun endlich die Zukunft der Menschheit mit Hilfe der Vernunft selbst in die Hand nehmen. Allerdings war nicht ganz klar mit welcher Art von »Vernunft« das geschehen sollte. Kommunisten, Rassisten und Konsumisten behaupteten alle, das einzig richtige Konzept für eine paradiesische Zukunft zu besitzen. Da sich diese Konzepte aber gegenseitig ausschlossen, erklärte man einander den Krieg, und die Konsumisten waren am Ende die Sieger. Deren Utopie verwirklichte sich aber nicht. Anstatt in einer Gesellschaft von glücklichen Konsumenten, leben wir heute in einer Welt der Verteilungskämpfe, der erschöpften Umwelt und der Korruption. Der große Unterschied zwischen der Zeit vor 110 Jahren und unserer heutigen Zeit ist, dass der Westen keine neuen Utopien mehr hervorgebracht hat. Es gibt nichts, woran wir im Westen noch wirklich glauben; wir haben nichts »Großes« mehr, wofür es sich lohnen würde zu sterben.

Avatar spiegelt diese Situation wider. Der Film macht nicht den Versuch, ein verlogenes Hollywoodende zu erzählen, wo der Held sein Leben riskiert, um den »den Westen« in letzter Minute zu retten. Im Gegenteil: Der Held lässt »den Westen« untergehen und wird sogar zum Verräter, um diesen Untergang aktiv mit herbeizuführen. Und dann verkündet der Film seine eigene Utopie: Erlösung gibt es in einer besseren Welt nach dem Tod.

Ist Avatar ein Zeichen dafür, dass wir im Kreis gewandert sind und nun wieder dort ankommen, wo das moderne Denken des Westens im 17. Jahrhundert mit der Aufklärung seinen Anfang genommen hat? Sind wir wieder bei der Erkenntnis angelangt, dass es keine Erlösung gibt in diesem Leben? Dass die einzige Hoffnung im Jenseits begründet ist?
Vielleicht.

Bewertung: 5 von 5 Sternen

— Claus Peter Hant



Avatar
Science Fiction
USA 2009
Kinostart: 17. Dezember 2009

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