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Plastic Planet

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<em>Plastic Planet</em>
© Thomas Kirschner

Plastik, Plastik überall

»Die Menge an Kunststoffen, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal in Plastikfolie einzupacken.« »Wussten Sie, dass Sie Plastik im Blut haben?« In bester Tradition des investigativen Journalismus à la »We feed the World« oder Michael Moore konfrontiert der österreichische Regisseur Werner Boote in seiner Doku Plastic Planet mit einem modernen Dilemma: Nicht nur Grundwasser, Boden und Luft werden von zersetztem Plastikmüll belastet, auch in Kunststoff verpackte Nahrungsmittel und Alltagsgegenstände aus Plastik können höchst bedenklich sein.

Boote besucht in seinem Film Nutzer und Hersteller, zahlreiche Experten, Betroffene und Kritiker auf der ganzen Welt. Darunter Charles Moore, der einen gigantischen Plastik-Müllteppich im Nordpazifik entdeckt hat, in dem 6 bis 60 mal mehr Plastik als Plankton treibt! Die Auswirkungen der massenhaften Kunststoffverwendung sind nach dem, was der Regisseur zusammengetragen hat, überhaupt noch nicht absehbar, schließlich verbleibt der risikobehaftete Stoff bis zu 500 Jahre in der Umwelt. Während inzwischen hunderte seriöse Studien die Gefährlichkeit von Plastik beweisen, hält man sich in der Kunststoffindustrie, die jährlich 800 Milliarden Euro verdient, bedeckt. Nirgends darf der Regisseur auch nur ansatzweise hinter die Kulissen der Kunststofferzeugung blicken.

Aber wie ernst und komplex das Thema auch sein mag, Werner Boote schafft es, es packend und temporeich zu präsentieren. Wissenschaftliche Zusammenhänge zur Herstellung von Plastik werden durch bunte Zeichentricksequenzen erklärt, zwischen den Interviewsequenzen räumen Familien im Zeitraffer all ihre Kunststoffprodukte vors Haus: »Wir hätten nicht gedacht, dass wir soviel Plastik im Haus haben.« Boote lässt eine Patientin beim Schönheitschirurgen geistigen Kontakt mit dem Silikon in ihren Brüsten aufnehmen und bei dem japanischen Gestalter Hiroshi Sagae eine Actionfigur von sich selbst herstellen: »Plastik-Werner«. Die Filmreise ist kurzweilig und durchaus amüsant, auch wenn einem angesichts der dramatischen Erkenntnisse das Lachen meist im Halse stecken bleibt. So erzählt Hiroshi, ein Kollege hätte von den giftigen Dämpfen seines Arbeitsmaterials Krebs bekommen.

Als Zuschauer bleibt man am Ende ziemlich rat- und hoffnungslos zurück: Was kann ich als einer unter vielen überhaupt gegen den allgegenwärtigen Plastikwahnsinn tun? Wie kann ich mich vor seinen Risiken schützen, wenn die Industrie und die mit ihr verbändelte Politik sich nicht in der Verantwortung sieht? Brennende Fragen, welche der Film weitgehend offen lässt, die auf der zum Schluss eingeblendeten Website zum Film www.plastic-planet.de jedoch konsequent weitergeführt werden. Auf der Unterseite www.keinheimfuerplastik.de kann man über ein Weblog und verschiedene Kurzfilmchen zudem das spannende Experiment der Grazer Familie Krautwaschl nachvollziehen, die ihr Leben nach dem Kinobesuch von Plastic Planet künftig plastikfreier gestalten will.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

— Katja Marzahn



Plastic Planet
Dokumentarfilm
Österreich 2009
Kinostart: 25. Februar 2010

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