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Thomas Hübl: Die Kraft der Männer und die Liebe der Frauen

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Thomas Hübl
Thomas Hübl

Die Beziehung ist ein Tempel für einen Augenblick

Schon wieder ein Beziehungsratgeber? Gibt es davon nicht ohnehin schon genug? Thomas Hübl aber geht weg vom »Typisch Mann, typisch Frau-Klischee« und fordert vielmehr jeden dazu auf, hinter seine eigene Fassade zu schauen. Denn welches Bild hat man von sich selbst? Ist es eher männlich oder eher weiblich? Intensiv blickt Hübl seinen Zuhörern beim Celebrate Life Festival in Wardenburg in die Augen, spricht nicht in der oberflächlichen Gangart, wie wir sie vom Alltag gewohnt sind, sondern schaut genau hin.

Die sexuelle Kraft, so Hübl, entwickelt sich früh. Schon der Säugling macht Erfahrungen damit, wie die Umwelt auf seine Reize reagiert. Tut sie dies nicht oder nur sehr spärlich, hinterlässt dieses Manko eine Prägung, die er ins Erwachsenenleben mitnimmt. Mit einem inhärenten Ja, oder eben mit einem Nein, begegnen die Menschen später ihren potentiellen Partnern - je nachdem, was sie die frühkindliche Zeit gelehrt hat: Zurücknehmen oder Rausgehen aus sich selbst. Die Entscheidung aber für die Strahlkraft des Ja trifft der Mensch in jedem Moment neu. Denn es handelt sich dabei um eine Aktivität. Eine gute Nachricht also: man kann auch anders. Hübl bittet die Menschen, die sich zu seinen Füßen versammelt haben, sich mit Feingespür zu hinterfragen, die Konditionierungen zu erkennen und schließlich genug Demut für die Erkenntnis zu haben: »Es könnte durchaus sein, dass die Welt nicht so ist, wie ich sie sehe.« Die Brille, durch die man sieht, soll als solche erfasst werden. Es gilt darum, erkennen zu lernen, welche Bilder man in sich trägt.

Der Eros, der Drive, der uns bewegt, ist auch der Motor, mit dem wir Projekte in die Welt bringen. Und ein tiefer mystischer Prozess. Hübl fragt auch: »Welche Qualitäten erweckst du in Beziehungen?« Nach den Antworten forschen mehrere hundert Menschen beim Festival. Welche Fragen tauchen außerdem immer wieder auf in Bezug auf Sex? Auf welche Probleme trifft man immer wieder neu mit immer wieder anderen Partnern? Was steckt dahinter? Welche Beziehungsdynamiken spielen sich ab? Wo wird man immer wieder getriggert, wo regrediert man innerhalb von Sekunden vom Erwachsenen zum Fünfjährigen? Und was macht eigentlich Männlichkeit aus, was Weiblichkeit? Beides ist vorhanden, in jedem Menschen. Wenn aber beispielsweise ein Mann seine feminine Seite nicht ausleben darf, weil er dem stereotypen Männerbild gerecht werden will, entsteht in ihm Spannung. Ebenso bei der Frau, wenn sie dem Klischee entsprechen will. Mit immer neuen Fragen forscht Hübl tiefer in der Psyche: »Ist es richtig, monogam zu leben?« Auch diese Antwort muss jeder Mensch in sich selbst finden. Und mehr noch der vielfältigen Möglichkeiten: Sie kann sich auch im Laufe des Lebens wandeln.

Thomas Hübl lehrt in ruhigem Ton und spricht sensible Themen an, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. Er hat Achtung vor dem Thema, das spürt der Zuschauer. Das Leben heißt Erwachen, jeden Moment aufs Neue, macht Hübl deutlich. Und die Beziehung ist ein Tempel für einen Augenblick - sie braucht daher Aufmerksamkeit. Das Nichtmehrhinschauen aber ist die erste Falle, die zweite ist die eklatante Unehrlichkeit. Es braucht die Ehrlichkeit zunächst zum Göttlichen - in mir und im anderen. Eine wirklich lehrreiche DVD für alle, die wissen wollen, warum sie sich genau jetzt in der richtigen Paarbeziehung – oder eben nicht – befinden.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Christiane Barth

Thomas Hübl: Die Kraft der Männer und die Liebe der Frauen
Dokumentarfilm 2010
Tao-Cinemathek
24,80 €Euro

   
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