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Satireecke

Reportage über den Tod Gottes

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Klohse kam dann auf komplizierte biophysikalische Vorgänge zu sprechen, die widerzugeben den Rahmen dieser kurzen Reportage sprengen würde. Alles Lebendige, so der Tenor seiner Ausführungen, habe eine spezifische Schwingungsfrequenz. Höhere Frequenz bedeute eine zunehmende Verfeinerung, eine Durchlichtung und Durchgeistigung von Materie. Sie sei gleichzeitig an höhere Formen des Bewusstseins gekoppelt. Ein Organismus, der massiv der Bestrahlung durch höhere Frequenzen ausgesetzt sei, neige dazu, seine Schwingungen denen des »Instant-Illuminators« anzugleichen. Beim vorliegenden technisch ausgereiften Verfahren sei es dem Hersteller gelungen, höhere bis höchste Ebenen des Bewusstseins allein durch einfaches Verschieben eines Reglers zu erzeugen.

Dann erklärte mir Klohse die Apparaturen. Zwei Elektroden waren an den Schläfen der Testperson angeschlossen, mit einer Art Kopfhörer verbunden. Die Arme waren auf dem weichen Poltersessel festgeschnallt. Unter den armbandartigen Verschlüssen befanden sich Metallplättchen, die mit einem feuchten Tuch mit den Handgelenken verbunden waren. Der Instant-Illuminator selbst war nur ein erstaunlich kleines Gerät, im Umfang vergleichbar einer Schuhschachtel. Er enthielt nur wenige Knöpfe und als zentrale Vorrichtung einen Regler, ähnlich den Drehknöpfen an Waschmaschinen oder Backöfen. Der Regler umfasste fünf Stufen.

»Stufe 1 ermöglicht Ihnen eine noch milde, beinahe unmerkliche Bewusstseinsanhebung«, erklärte mir Klohse. »Sie werden weitgehend frei von den gröbsten Formen der Anhaftung an materielle Dinge und Menschen. Sie identifizieren sich nicht mehr so stark mit Ihrem Körper, Ihren Emotionen und Ihrem Intellekt, sind imstande, sich von den Dramen Ihres Lebens ein Stück weit zu distanzieren und die Position eines liebevollen Zeugen gegenüber Ihren eigenen Handlungen und denen Ihrer Mitmenschen einzunehmen.

Auf der Stufe 2 werden Sie hellfühliger gegenüber feinstofflichen Phänomenen. Aurasehen und die Wahrnehmung positiver und negativer Energien können spontan auftreten, sogar die Fähigkeit, feinstoffliche Wesen, Verstorbene und andere, für Nicht-Erleuchtete unsichtbare Wesen wahrzunehmen. Der Prozess der Entidentifikation mit der Persönlichkeit, mit Masken und Rollen schreitet weiter fort. Auf Stufe 3 treten Erlebnisse des Einsseins und der Verschmelzung mit der unmittelbaren Umgebung auf: mit Bäumen, einem Berg oder einem anderen Menschen. Sie fühlen sich dann nicht mehr isoliert in Ihrem Körper, sondern sind zugleich der Baum, die Blume, der Himmel über Ihnen. Es ist, als ob der Baum ein Teil Ihres Körpers sei, der sich selbst durch Ihre Augen betrachtet. Die Zustände auf Stufe 3 sind aber nur vorübergehend und noch sehr labil.

Auf Stufe 4 schließlich erreichen Sie den Zustand des »immerwährenden Samadhi«. Sie verschmelzen nicht mehr mit der Natur um Sie herum, weil es kein Ich mehr gibt, was verschmelzen könnte. Die Dualität von Subjekt und Objekt, Ich und Welt ist völlig aufgelöst, Sie haben ein sogenanntes nonduales Bewusstsein erreicht.« Ich merkte, dass Klohse bei der Erklärung von Stufe 5 halt machte, als hielte ihn eine unsichtbare Schranke, eine Art Tabu davor zurück, auch dieses Letzte zu enthüllen. Nach einem Zögern fuhr mein Begleiter jedoch fort: »Wenn du die 5. Stufe auf dem Regler einstellst - dann wirst du zu GOTT. Es ist technisch machbar«, sagte er mit einem Ausdruck von Nervosität und Scheu im Gesicht, den ich an dem sachlichen Mann bisher nicht kannte, »aber es ist nicht erlaubt. Es ist in der Ordnung der Natur nicht vorgesehen. Alle Versuchspersonen müssen vorher ein Papier unterschreiben, in dem sie sich unter Strafe verpflichten, nicht selbst den Regler auf Stufe 5 zu stellen.«

Ich sah hinüber in die verklärten Gesichtszüge der Testpersonen. Sie waren so entspannt wie niemals die Züge gewöhnlicher Personen. Entpannter selbst als die eines Schlafenden, eher vergleichbar einem Toten, nur leuchtender und vollkommen lebendig. »Er hat den immerwährenden Samadhi erreicht«, erklärte Klohse. »Immerwährend?«, frage ich. »Wie lange kann der Instant-Illuminator denn seinen Betrieb aufrecht erhalten?« »Die Batterien können während des Betriebs ausgewechselt werden. Theoretisch unbegrenzt lang. Die Grenze ist aber durch die Erhaltungsfähigkeit seines Körpers gegeben. Wir müssen abschalten, wenn der Organismus Nahrung braucht. Die Versuchspersonen werden vorher darauf aufmerksam gemacht, dass wir sie zurückholen müssen und dass die Rückkehr hart sein wird. Keiner, der je dort gewesen ist, möchte zurückkommen, aber es geht nicht anderes. Aus rechtlichen Erwägungen können wir sie nicht einfach sterben lassen, selbst wenn sie dies wünschen.«

   
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