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Satireecke

Die Teezeremonie

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Die Teezeremonie
© Alexandra H. pixelio.de

Lange übt sich, wer einmal ein Meister werden will

Spirituelle Menschen halten sich in ihren Beurteilungen normalerweise zurück. Nur beim Teekochen kann man schon mal die Contenance verlieren, wenn man es seiner Partnerin einfach nicht recht machen kann...

Meine Partnerin Sabine hat den Beruf verfehlt. Eigentlich hätte sie Tee-Testerin bei »Lipton« werden sollen. Sabine ist eigentlich ungeheuer pflegeleicht, ein toller Kumpel und das Leben mir ihr ist nur schön. Doch bezüglich des Morgentees hat sie einen Tick, der sogar den härtesten Mann in die Knie zwingt. Aber am besten erzähle ich alles der Reihe nach.

Lange Zeit war es üblich, dass Sabine morgens direkt nach dem Aufstehen für uns den Tee kochte, den wir dann im Bett genossen, bevor wir uns in das feindliche Leben stürzten. Ich schluckte den Tee jeden Morgen achtlos herunter, ohne zu wissen, welche Hochblüte menschlicher Zivilisation ich regelmäßig serviert bekam. Doch dies sollte sich ändern.

Eines Tages kam ich auf die Schnaps-Idee, Sabine das Teekochen abzunehmen: »Soll ich heute einmal für uns Teekochen«, fragte ich Sabine, als sie sich noch im Schlaf wälzte. »Du möchtest was?« fragte Sabine erstaunt, fiel dann kurz darauf in Tiefschlaf (oder war es Ohnmacht). Ich deutete dies als Ja – und damit nahm eine der spannendsten Entwicklungen unserer Beziehung ihren Verlauf.

Teekochen kann doch jeder

Schlaftrunken schlurfte ich mich die Treppe hinunter und mit halboffenen Augen ertastete ich tatsächlich so etwas grünliches, das wie eine Teedose aussah. In der Ecke stand der Wasserkocher. Wunderbar, Teekochen kann doch jedes Kind. Wasserkocher anstellen, Tee ins Sieb, übergießen, fertig.

Oben angekommen hatte sich Sabine bereits in die Senkrechte begeben, genauer gesagt, sie saß im Bett, wartete auf ihren Tee, nahm einen Schluck … und spie in einem hohen Boden den Tee auf den Boden, so dass sogar der friedlich neben uns schlafende Hund erschreckte und mit großen offenen Augen fragte, was denn geschehen sei.

»Tee meinte ich, nicht Waschwasser«, sagte die feinschmeckendste Partnerin von allen. - »Um Himmels willen, wie hast du denn den Tee zubereitet?« - »Ja, ganz einfach, Teewasser an, Tee ins Sieb, überbrühen, fertig!« – Sabine rollte mit den Augen und schlug die Hände über den Kopf zusammen. – »Gibt es jetzt Yoga oder Pilates?" fragte ich sie provokativ.

Statt dessen erhielt ich an dieser Stelle eine ausführliche Anleitung darüber, wie Tee zubereitet werden sollte: »In meiner Küche steht ein Tee-Thermometer. Dieses misst die Temperatur auf ein Zehntel Grad genau. Das Wasser für unseren Grüntee sollte 73,0° Warm sein, nicht 73,5° und nicht 72,5°, sondern 73,0°. Und der Tee muss genau drei Minuten ziehen, nicht 2 ½ und nicht 3 ½ Minuten, sondern genau drei Minuten. Am besten ist es, ich koche wieder den Tee für uns!« Doch so schnell gebe ich nicht klein bei – ich bin schließlich ein Mann und kein Weichei.


© Liligraphie pixelio.de

Die richtige Temperatur

Am nächsten Morgen wollte ich es wissen. Ich kochte Teewassser, hielt das Tee-Thermometer hinein und goss kaltes Wasser nach, bis die Temperatur 73,0° war, nicht 73,5° und nicht 72,5° Grad, sondern genau 73,0°. Ich stellte den Sekundenwecker auf drei Minuten, nicht 2 ½ und nicht 3 ½ Minuten und überbrühte den Tee.

Als ich mit meinem fertigen Produkt oben ankam saß Sabine schon im Bett, wartete auf ihren Tee, nahm einen ersten Schluck und verzog ihr Gesicht, als hätte sie gerade in eine Zitrone gebissen. »Das Wasser ist hart!« – »Wie bitte???«, fragte ich zurück. – »Das Wasser ist hart!« – Ich rührte ganz sanft mit dem Löffel im Wasser hin und her und sagte: »Schau Sabine, das Wasser ist gaaanz… weich.«

Der Hund neben uns schaute fragend – offenbar hatte er auch schon mitbekommen, dass die morgendliche Teestunde ein Ort besonderer Begegnung für uns ist.

Da ich genau so fragend schaute, kam bald die Aufklärung: »Wenn du heißes Wasser mit kaltem Wasser mischt, bekommt das Wasser einen Schock und wird ganz hart. Du musst das Wasser abkühlen lassen!« – Aha, und ich bekomme keinen Schock? – Nun gut, wollen wir auf die Wasser-Sensibilitäten Rücksicht nehmen.

Die richtige Kanne

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein beharrlicher Mensch bin. Mit meinem Mond im Steinbock bin ich zäh und ausdauernd und nicht unter zu kriegen, selbst wenn es ums Teekochen geht.

Also meldete ich mich am nächsten Tag wieder freiwillig zum Tee-Dienst, wir alle sind ja gehalten unseren Seva zu leisten. Ich kochte das Wasser, goss das Wasser in die Glaskanne, stellte das Thermometer hinein und wartete, bis das Wasser 73,0°, nicht 72,5° und nicht 73,5° haben sollte. Das Wasser wurde und wurde nicht kälter. Doch ich bin ja beharrlich – und warte. Das Wasser sollte schließlich die ideale Temperatur haben. 73,2°, noch zwei Zehntel, dann ist es geschafft, dachte ich, während ich innerlich mit den Füßen schabte.

Genau bei 73,1° kam Sabine im Mantel und fertig geschminkt in die Küche »ich habe dreißig Minuten auf den Tee gewartet, der Tee fällt offenbar heute aus, mach dir nichts draus, morgen koche ich wieder». – »Ich kann warten, soviel ich will, ich kriege den Tee nicht kalt», flüsterte ich mit belegter Stimme, während meine Tränen in die Glaskanne tropften.

»So wird er auch nicht kalt. In der Glaskanne wird der Tee überhaupt nicht kalt. Tee wird nur in einer Porzellankanne kalt«, erwiderte die teekundigste Partnerin von allen und klärte mich auf:

»Wenn das Wasser gekocht hat, gießt du das heiße Wasser in das eine Müslischälchen, einen Rest in das zweite Müslischälchen, einen weiteren Rest in die eine Teeschale, wiederum einen Rest in die zweite Teeschale und was übrig bleibt in eine Porzellankanne. Aber ich kann auch ab morgen wieder den Tee machen, dann ist es leichter für dich!«

Das richtige Überbrühen

So einfach lasse ich mich natürlich nicht unterkriegen. So stand ich am nächsten Tag eine viertel Stunde bevor der Wecker klingelte auf, schlurfte die Treppe hinunter, kochte das Teewasser. Goss etwas davon in die eine Müslischale, dann etwas in die andere Müslischale, dann etwas in die eine Teeschale, dann etwas in die andere Teeschale und den Rest in die Teekanne aus weißem Porzellan. Dann füllte ich die Teekanne mit den Inhalten aus allen Wasser-Schälchen und Teetassen auf.

»Autsch«, schrie ich, denn beim Anfassen der Teeschalen hatte ich mir die Finger verbrannt. Doch nun hielt ich das Thermometer (nicht meine Finger) in das fertige Wassergemisch herein und – was für ein Wunder – die Wassertemperatur lag nun genau bei 73,0°, nicht 73,2° und nicht 72,8°. Nun aber hurtig den Tee ins Sieb, drei Minuten ziehen lassen und flugs rauf zur feinschmeckendsten Partnerin von allen.

»Der Tee ist lasch!« sagte die spürigste Partnerin von allen. - »Was soll denn an dem Tee lasch sein, als er noch in der Dose war, war er jung und knackig und nun ist er lasch, wie wir alle. Das ist eben der Geist der Zeit« erwiderte ich mit bissigem Unterton.

»Was hast du nur mit dem Teewasser gemacht?« fragte die genaueste Partnerin von allen. Ich erklärte ihr die gesamte Prozedur. »Um Himmels willen. Du musst den Tee überbrühen, nicht einfach das Teesieb in das fertige Wasser herein halten, nur beim Überbrühen öffnen sich die zarten Spitzen des Tees" – aha!

»Und wie soll ich den Tee überbrühen, wenn das Wasser bereits in der Porzellankanne ist, genau 73,0°, nicht 72,5° und nicht 73,5° warm?" fragte ich verzweifelt – diesmal war ich es, der mit den Augen rollte. - »Na ganz einfach, dafür haben wir doch unsere Glaskanne! Also du gießt das frisch gekochte Wasser erst in das eine Müslischälchen, dann in das andere Müslischälchen, dann in die eine Teeschale, dann in die andere Teeschale, den Rest in die Teekanne und wenn du damit fertig bist, gießt du alles zusammen in die Glaskanne, die daneben steht. Dann tust du das Teesieb in die Teekanne aus dem weißen Porzellan, gießt das heiße, 73° warme Wasser in das Teesieb und fertig ist der Tee – so einfach ist das!«

Die richtige Tasse

Am nächsten Tag suchte ich im Küchenschrank und tatsächlich, ich fand sie: Ganz normale Haferl mit Henkel, mit denen man sich nicht die Finger verbrennt. Also kochte ich das Teewasser, goss das Teewasser in die eine Müslischale, in die andere Müslischale, in das eine Haferl, in das andere Haferl, den Rest in die Kanne aus Porzellan, dann alles zusammen in die Glaskanne, dann überbrühte ich das Sieb mit dem heißen Wasser von genau 73,0°, nicht 72,5° und nicht 73,5°, ließ das Ganze drei Minuten ziehen, nicht 2 ½ und nicht 3 ½ Minuten und servierte die erlesene Köstlichkeit ans Bett.

»Was sind denn das für scheußliche Tassen?« fragte die geschmackvollste Partnerin von allen. - »Das sind die wunderschönen Haferl aus deinem Schrank mit denen man sich nicht die Finger verbrennt!« – »Ja, aber die haben doch so einen schmalen Rand. Mit denen schmeckt der Tee nicht. Die weiten Teeschalen erreichen andere Bereiche der Zunge und deshalb schmeckt Tee aus ihnen aromatischer als aus Haferl. Dinge, die schnell und kurz schmecken sollen, wie ein Schnaps haben deshalb einen engen Rand und Dinge, die sich nachhaltig im Mundraum entfalten sollen sind weit gehalten, wie zum Beispiel eine Teeschale!«

»Und welche akrobatische Kunstleistung vollbringst du, damit du dir nicht beim Teekochen die Finger verbrennst?« fragte ich die gelenkigste Partnerin von allen. – »Ganz einfach, ich mache die Teeschalen nur halbvoll, nicht ganz voll und fasse die Schalen nur mit dem Rand an, nicht von unten«, erklärte sie mir ausführlich und machte dazu mit der bereits leeren Teeschale eine demonstrierende Handbewegung. Ich schaute ihr aufmerksam zu – für den Fortschritt muss man schon bereit sein, Opfer zu erbringen.

Das richtige Schwenken

Am nächsten Morgen begab ich mich wieder in die Küche. Das wollen wir doch mal sehen, ob ich nicht in der Lage bin, einen perfekten Tee zu zaubern! Um weiteren Verbrennungen zu entgehen hatte ich mir von zuhause die Sicherheitshandschuhe aus dem Werkzeugkasten angezogen und – rein profilaktisch – meine Brandsalbe von zuhause mitgenommen. Und schon ging es los: Wasser aufsetzen, das frisch gebrühte Wasser in die eine Müslischale, dann in die andere Müslischale, dann in die eine Schale, dann in die andere Schale, den Rest in die weiße Porzellankanne. Dann die Temperatur messen. Dann alles zusammen in die Glaskanne, dabei die Teeschalen vorsichtig an der Seite anfassen, um sich nicht die Finger zu verbrennen. Dann das Sieb in die weiße Porzellankanne stellen und das Ganze mit dem 73,0° heißen Wasser überbrühen, drei Minuten lang ziehen lassen und servieren. Voila!

»Ein bisschen lasch schmeckt er schon« war ihr fachkundiger Kommentar. Diesmal brach ich in ein schallendes Gelächter aus. »Ich glaube, du würdest selbst dem Kammerdiener der Queen noch Ratschläge geben, wie er den Tee besser kochen kann!« antwortete ich nicht amüsiert. - »Ich bin die Queen!« entgegnete Sabine mit einem scherzhaften Unterton. – »Ich vergaß«, war mein ganzer Kommentar.

Doch dann wollte ich wissen, was man noch besser machen kann. Unsere Zivilisation verdankt ihren Fortschritt der Sehnsucht nach ständiger Verbesserung – und dem evolutionären Fortschritt kann man sich schlecht entziehen.

»Hast du den Tee geschwenkt?«, fragte vorsichtig die ahnungsvollste Partnerin von allen. - »Geschwenkt, ich bin doch kein Barmixer! Aber wenn du willst kann ich die Teedose vor dem reintun auch schwenken, schwenk links, schwenk rechts oder was meinst du?«, entgegnete ich leicht angesäuert.

»Nicht die Teedose, sondern das Teesieb, wenn es im Teewasser ruht, muss zart geschwenkt werden, damit das Aroma von den Teeblättern ins Teewasser gehen kann!« – »Soll ich das Teesieb dabei rechts oder links herum drehen oder zweimal rechts und dreimal links herum?«, fragte ich neugierig. - »Dies ist nicht wichtig, Hauptsache du schwenkst!«, erklärte sie beruhigend.

An diesem Tag machte ich Ho´oponopono und mentales Umerleben für meinen inneren Kritiker. Immerhin startet in wenigen Tagen mein Selbstliebe-Seminar und bis dahin wollte ich meine Tee-Lektion vorbildlich gemeistert haben. Es konnte nur besser werden.

Das richtige Servierset

Also stieg ich am nächsten Morgen wieder in Sabines alchemistische Werkstatt. Wasser aufsetzen, das frisch gebrühte Wasser in die eine Müslischale, dann in die andere Müslischale, dann in die eine Schale, dann in die andere Schale, den Rest in die weiße Porzellankanne. Dann die Temperatur messen. Dann alles zusammen in die Glaskanne, dabei die Teeschalen vorsichtig an der Seite anfassen, um sich nicht die Finger zu verbrennen. Dann das Sieb in die weiße Porzellankanne stellen und das Ganze mit dem 73,0° heißen Wasser überbrühen, drei Minuten lang ziehen lassen, zweimal nach rechts und dreimal nach links schwenken und servieren.

Inzwischen war mit klar, dass es leichter ist, ein Fünf-Sterne-Menue für unseren geliebten Bundespräsidenten zu zaubern als angemessen Tee zu kochen. Sabine trank den Tee und sagte »der Tee ist gut, aber warum nur so wenig, die Teekanne ist nur halb voll?«

Tatsächlich hatte ich ein wenig Platz in der Teekanne gelassen, damit der Tee auf seinem langen Weg von der Küche über die Treppe ins Schlafzimmer nicht überschwappte. »Das sind höchstens 10% weniger, nicht 50%" entgegnete ich, an dieser Stelle ließ ich es mir nicht nehmen, mit meinen überragenden Mathematik-Kenntnissen zu prahlen. - »Und genau diese 10% fehlen mir morgens«, entgegnete das größte Rechengenie von allen. Ohne nur eine Sekunde zu zögern, goss ich Sabine aus meiner Teeschale einen großzügigen Anteil in ihre Teeschale. Vor meinem geistigen Auge erschien bereits die Schlagzeile der Bild-Zeitung: »Grausamer Mann lässt seine Partnerin an Teemangel verdursten.« Um dieses Karma nicht auf mich nehmen zu müssen, öffnete ich mich erneuter Belehrsamkeit und fragte neugierig: »Und wie soll ich die Teekanne voller als voll bekommen ohne dass etwas überschwappt?«

Während ich begierig auf weitere Verbesserungen lauschte, predigte die versierteste Partnerin von allen: »Ganz einfach, du machst die Teekanne bis zum Rand voll und bevor du die Treppe hoch gehst, gießt du in die Teeschalen einen kräftigen Schluck Tee hinein, so dass wir genug Tee haben und zugleich die Kanne nicht überläuft.«

Manchmal gibt es Zufälle, die verstehen wir selbst nicht. An diesem Tag war ich in Herrsching beim Einkaufen und ich sah im Schaufenster eines Ladens in Herrsching eine Modepuppe, die ein Schürzchen und ein Häubchen trug, so wie früher die Serviererinnen in den Gasthäusern gekleidet waren.

Ich ging in den Laden und fragte mutig: »Was kostet das Servier-Set?« – damit meinte ich die Garnitur. »Das ist nicht zum Verkaufen, dies ist nur ein Dekorationsartikel«, antwortete muffig die Ladeninhaberin. Gegen einen Pauschalpreis von sagenhaft günstigen 10,00 € war sie jedoch letztendlich bereit, mir ihr Servierset auszuleihen.

Das richtige Teewasser

Am nächsten Morgen, als Sabine noch schlief, zog ich mir das Servierset an. »Ich sehe aus wie eine Transe«, dachte ich mir, als ich in den Spiegel schaute. Aber für Eitelkeiten ist nun kein Platz, schließlich geht es um Perfektion. Flugs in die Küche, Wasser aufsetzen, das frisch gebrühte Wasser in die eine Müslischale, dann in die andere Müslischale, dann in die eine Schale, dann in die andere Schale, den Rest in die weiße Porzellankanne.

Dann die Temperatur messen. Dann alles zusammen in die Glaskanne, dabei die Teeschalen vorsichtig an der Seite anfassen, um sich nicht die Finger zu verbrennen. Die Kanne ganz voll machen. Dann das Sieb in die weiße Porzellankanne stellen und das Ganze mit dem 73,0° heißen Wasser überbrühen, drei Minuten lang ziehen lassen, zweimal nach rechts und dreimal nach links schwenken, dann etwas von dem Tee in die Schälchen gießen, damit nichts überschwappt und servieren. Als ich im Schlafzimmer mit meiner vollen Montur (Schürzchen und Häubchen) ankam, bemühte ich mich, einen Knicks zu machen, was mit meinen langen Beinen sicherlich ziemlich ulkig aussah.

Diesmal war es Sabine, die in Gelächter ausbrach, als Sie mein Outfit betrachtete. Nachdem ich wieder im Schlafanzug war, kosteten wir gemeinsam unsere Kostbarkeit. Sabine war zufrieden. Es nützt also schon etwas, wenn man sich richtig Mühe gibt.

»Am Wochenende machen wir dann Nebel-Tee, aber dafür müssen wir uns dann richtig Mühe geben«, meinte die motivierendste Partnerin von allen.

Ich blickte Sabine mit dankbaren Augen an – welche Mühe sie sich schon seit Wochen mit der Partneroptimierung gibt! Doch was hat sie gemeint?

»Nebeltee, was ist denn das? Heißt dass, das man da nichts sieht vor lauter Nebel oder heißt dies, dass einem neblig wird, weil man so viel beachten muss beim Teekochen oder darf man den nur im Herbst trinken?« »Nein, Nebeltee ist ein ganz besonders wertvoller Tee, aber der ist zu wertvoll, um mit einfachem Teekochen, wie wir es morgendlich machen verschwendet zu werden!« – »Wie bitte?« »Ja, wir sind erst bei den Anfängen des Teekochens. Eigentlich ist es für den Tee eine Zumutung, dass er mit einmal gekochtem Wasser übergossen wird!« – »Mit einmal gekochtem Wasser?« – »Ja, da ist das Teewasser im Grunde genommen viel zu hart für den Tee. Dies ist nur die einfache Variante, weil wir morgens nicht so viel Zeit haben!« – »Nicht so viel Zeit?« – »Ja genau!« antwortete meine geliebte Tee-Expertin.

»Und was könnte man besser machen?«, fragte ich, im Bewusstsein, dass wieder einmal der Fortschritt nach mir rief. »Nun, eigentlich müsste man das Teewasser erst durch einen Filter abgießen, dass der Kalk heraus geht und es dann noch einmal aufsetzen und erneut gießen, dann schmeckt der Tee noch viel weicher!«

Mir wurde glasig vor Augen und ich fuhr in mein Bistro. Heute verstehe ich, warum die Männer bereits im Jahre 1773 bei der Boston Tea Party den Tee zerstört hatten. Tee ist ein Produkt mit gefährlichen Nebenwirkungen. Morgen gibt es für mich Kaffee zum Frühstück – von »Jacobs, die Krönung«!

Klaus Jürgen Becker

Klaus Jürgen Becker, Jg. 1956, ist seit zwanzig Jahren Schriftsteller, Diplom-Lebensberater, Human Design Analyst und Life Coach mit eigener Praxis in Seefeld /Oberbayern.

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