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Satireecke

Satirische Andacht

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Wettstreit der Religionen
© Dieter Schütz pixelio.de

Wettstreit der Religionen

Viele Menschen tragen lebenslang Fragen mit sich herum, auf die sie keine oder nur ungenügende Antworten bekommen. Ulrike Bodmer hat im Laufe der Jahre die Antworten gesammelt, die die Religionen (und andere Sinngeber) ihr geboten haben, und sie zu einer Art „Monolog mit der Welt“ zusammengestellt. Satirische Seitenhiebe sind dabei nur zufällig und nicht beabsichigt.

Wer bin ich? Und was mache ich hier eigentlich?

Darwin: Du bist ein Körper aus Fleisch und Blut. Du lebst um Nachkommen zu zeugen. Das alles ist zufällig entstanden. Es überlebt nur der Stärkere.

Lebensweisheit aus Schwaben: Schaffa, schaffa, Haisle baua!

Sprichwort: Der Vogel, der morgens singt, den frisst abends die Katz.

Das klingt ja ziemlich trostlos! Da gibt es doch sicher noch andere Meinungen?

Kath. Kirche: Leider hat Eva sich unerlaubterweise an einem Apfel vergriffen. Wir sind alle ihre Nachkommen und damit genauso schuldig. Ausnahmen gibt es nur, wenn man jungfräulich gezeugt wurde. Eine gewisse Chance auf die Rückkehr ins Paradies hat der Mensch, wenn er sich streng an die Regeln und Gebote in der Bibel hält. Falls man ein Gebot übertreten und damit gesündigt hat, muss man das auf jeden Fall vor seinem Tod gebeichtet haben, damit man nicht in das Fegefeuer kommt.

Du liebe Güte, das ist ja fast genauso aussichtslos! Ok, ich will es versuchen. Was muss ich alles machen?

Kirche: Du musst Gott lieben und ihm dienen. Dann musst Du Deine Mitmenschen lieben und ihnen helfen so oft es geht. Geben ist seliger als nehmen. Natürlich musst Du die restlichen 10 Gebote auch streng einhalten. Alles was sich unterhalb der Gürtellinie regt ist sündig und freitags isst man Fisch.

Heißt das, Gott mag mich nicht, wenn ich ihm nicht diene?

Altes Testament: Doch, aber wenn Du eines seiner Gebote übertreten hast, kann er richtig zornig werden und einem fürchterliche Plagen auf den Hals schicken.

Das glaube ich einfach nicht. Zum Glück gibt es noch andere Religionen. Was sagen denn die in Indien dazu?

Hinduismus: Jeder ist in der Kaste geboren, die er sich in seinem letzten Leben verdient hat. Wer sich daneben benimmt muss im nächsten Leben als Regenwurm zur Welt kommen. Aber nur als Mensch kann man den letzten Schritt in die Erlösung - ins Nirwana - tun. Kühe sind heilig: die dürfen alles.

Da kommt man ja vom Regen in die Traufe! Ob es da nicht gescheiter wäre Kuh zu werden? Jedenfalls in Indien. Woher soll man denn eigentlich wissen, an welche Regeln man sich halten sollte? Bei uns werden Kühe gerne gegrillt und Schweine noch viel lieber.

Jesus: (Lukas 11 / 52)
Wehe euch Schriftgelehrten! Ihr habt den Schlüssel zur Erkenntnis weggenommen! Ihr selbst seid nicht hineingegangen und habt auch die gehindert, die hinein wollten.

Ja, vielleicht sollte man besser nicht alles glauben was niedergeschrieben wurde. Aber die in Tibet haben doch sicher die Lösung?

Buddhismus: Leben ist Leiden, am besten man meditiert so lange, bis man das verstanden hat. Dann ist man erleuchtet. Dazu geht man sinnvollerweise in ein Kloster oder noch besser in eine einsame Höhle in den Bergen. Das kann man natürlich nicht innerhalb eines Lebens schaffen.

Wettstreit der Religionen
© Jutta Anger pixelio.de

Gibt es denn hier keine Regeln einzuhalten?

Doch, Leid bringendes Verhalten soll man vermeiden. Vor allem soll man nicht zornig werden, denn sonst büßt man viele seiner angesammelten guten Taten ein und vermehrt sein schlechtes Karma.

Das habe ich mir aber netter vorgestellt. War das alles?

Buddha: Erkenne den Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Es gibt keinen Weg zum Glück, sei glücklich auf deinem Weg.

Das ist ja fast wie bei Monty Pyton: „Always look on the bright sight of life…” Aber wie soll ich denn jetzt - einfach so - glücklich sein?

Religionsunterricht: Wohl dem, der glauben kann ohne zu wissen.

Ich würde aber schon gerne wissen, was der Sinn ist.

Unsere gläubige Nachbarin: Ich glaube, wir dürfen nicht alles wissen.

Jesus: (Lukas 11 / 9)
Und ich sage euch: Bittet, und es wird euch gegeben. Suchet, so werdet ihr finden. Klopfet an, so wird euch aufgetan.

Gut. Also, was ist der Sinn dahinter. Was ist die Antwort auf die Fragen aller Fragen?

Douglas Adams: zweiundvierzig

7 x 6 sehr witzig!! Da muss ich wohl eine bessere Frage finden?!? Gibt es nicht doch eine einfache Antwort, die sich besser anfühlt?

Joseph Murphy: Gott liebt jeden Menschen bedingungslos.

Das klingt besser, aber irgendwie zu gut, um wahr zu sein. Kann ich mir da sicher sein?

Jesus: (Johannes 20 / 29): Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.>

Aber, wenn er mich angeblich so sehr liebt, warum muss ich dann so schuften, um mein Geld zu verdienen? Und manchem anderen schmeißt er es einfach hinterher??

Jesus: (Lukas 8 / 18)
So achtet nun darauf wie Ihr zuhört, denn wer etwas hat, dem wird noch mehr gegeben werden. Wer aber nichts hat, dem wird auch das genommen werden, was er zu haben meint.

Ja, das sehe ich und genau das finde ich ziemlich ungerecht. Wo ist da der Ausweg?

Jesus: (Markus 9 / 23) Wer glaubt, kann alles!

Da beißt sich wohl die Katze in den Schwanz! Ich brauche also nur zu glauben, dass ich reich/schön/gesund/schlank/erfolgreich bin und schon ändert sich meine Welt? Wie soll denn das gehen?

Jesus: (Markus 11 / 24) Darum sage ich Euch: Bei allem, worum ihr in eurem Gebet bittet, glaubt nur, dass Ihr es schon empfangen habt, so wird es euch zuteil werden.

Wenn das so einfach wäre, würde es ja jeder tun!

Kannst Du verzeihen?

Verzeihen? Was hat das damit zu tun?

Ja, verzeihen. Findest Du es einfach zu vergeben?

Vergeben? Das könnte denen so passen! So leicht mache ich denen das nicht!

Jesus: Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.

Vergeben, einfach so? Nein, das ist nicht einfach. Da müsste ich echt über meinen Schatten springen.

Jesus: (Matthäus 7 / 1) Verurteilt nicht, auf dass Ihr nicht verurteilt werdet.

Wie? Und das Lästern soll ich auch aufhören?

Ja. Willst Du Recht haben oder Deinen Frieden?

Also ehrlich gesagt, am liebsten beides! Warum soll das mit dem Vergeben so wichtig sein?

Albert Einstein: Wichtig ist, dass man nie aufhört zu fragen.

Danke!

Shakespeare: Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.

Ob mir etwas bewusst ist? Aber was?

Jesus: (Lukas 17 / 21)
…Das Reich Gottes ist mitten unter Euch.

Also wenn das Himmelreich nur einen Schritt von mir entfernt ist, stehe ich vielleicht nur auf meiner Leitung?

Beginn des Johannes Evangeliums: Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott. Und das Wort war Gott.

Das Wort?

Wikipedia: „logos“ stand im Originaltext und bedeutet Sprache, Rede, Beweis, Lehrsatz, Lehre und Vernunft

Die Vernunft? War Gott zu Beginn noch vernünftig??

Goethe (Faust 1):
Geschrieben steht: »Im Anfang war das Wort!«
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muss es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Dass deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!

Also bevor ich etwas tue, würde ich erstmal drüber nachdenken. Hatte Gott eine Idee? Hatte Gott einen Geistesblitz? Der Urknall?!? Naja, Ideen habe ich auch viele und Gedanken noch viel mehr. Das ist ganz normal. Das hat jeder.

Jesus: (Matthäus 5 / 14)
Ihr seid das Licht der Welt

Jesus: (Matthäus 12 / 50)
… Ihr seid meine Brüder und Schwestern…

Jesus: (Johannes 10 / 30)
Ich und der Vater sind ein.

In Mathematik hätten wir daraus schließen müssen, dass Gott und ich auch eins sind. Aber ich glaube nicht, dass in der Kirche die gleichen Regeln gelten.

Jesus: (Johannes 10 / 34)
Steht nicht in eurem Gesetz (Psalm 82/6) geschrieben: "Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?“

Oha!

Jesus: (Matthäus 21 / 21)
Wahrlich, ich sage Euch: Wenn Ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein dasselbe tun, was mit dem Feigenbaum geschehen ist. Sondern wenn ihr zu diesem Berge sagt: „Erheb dich und wirf dich ins Meer!“, so wird es geschehen.

Na, Dein Glaube vielleicht, aber ich bin ja nur ein kleiner Mensch.

Jesus: (Markus 9 / 23)
Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.

Am Ende behauptest Du noch, ich mache das sowieso immer, jeden Moment, bloß in die falsche Richtung? Und setze die Berge unbewusst auf mich drauf?!

Bingo!

Mit meiner Überzeugung, dass man hart arbeiten muss, um zu überleben?

Jedem geschieht nach seinem Glauben.

Mit meinem schlechten Gewissen beim Biss in die Schokolade? Sorgen über den Kontostand? Der Angst mich anzustecken?

Gottes größtes Geschenk ist der freie Wille.

Und Du meinst ich habe diese Fähigkeit freiwillig vergessen? Oh wei, oh wei, das ist aber eine fette Kröte zum Schlucken! Oder zum Küssen?

Goethe: Ich glaube, dass wir einen Funken jenes ewigen Lichts in uns tragen,
das im Grunde des Seins leuchten muss
und welches unsere schwachen Sinne nur von Ferne ahnen können.
Diesen Funken in uns zur Flamme werden zu lassen
und das Göttliche in uns zu verwirklichen,
ist unsere höchste Pflicht.

Das ist ein großer Schritt für mich und ein kleiner für die Menschheit…

Zum Abschluss ein indischer Gruß, der übersetzt bedeutet:

Ich ehre in dir den göttlichen Geist, den ich auch in mir selbst ehre – und ich weiß, dass wir somit eins sind.

- Ulrike Bodmer

   
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