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Tantra mit Trauma-Arbeit

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Tantra mit Trauma-Arbeit

Berührung und Grenzen

Kein Interesse an sexuellen Abenteuern, gerade schlecht hörend, und die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat noch nie Tantra praktiziert - was das wohl für ein Seminar wird? Peter Kammermeier, der Leiter, ermutigt uns von Anfang an, klar mit den Worten Ja!, Mehr!, Nein! und Auf Wiedersehen! zu kommunizieren, was wir mit dem anderen teilen wollen und was nicht... Wow, kein Puschen durch die Leitung »über unseren Schatten zu springen«, kein Gruppendruck! Das tut gut. Ich ignoriere im Unterschied zu früheren Gruppen meine Grenzen nicht und werde gleichwohl von den anderen für okay gefunden – ich fühle mich viel mehr ich selber und mein Selbstvertrauen wächst. Peter geht es um unser Begreifen, dass wir im Unterschied zu früheren traumatischen Erfahrungen nun wirklich die Wahl-Freiheit haben, und dass wir uns mit einer Verletzung unserer Grenzen nur re-traumatisieren würden. Seine Arbeitsgrundlage sei unter anderem die Trauma-Bearbeitung nach Levine, (siehe www.somatic-experience.de) – darüber hätte ich gerne mehr von ihm erfahren.

Ablehnungsgefühle durch ein Nein! oder Ängste wegen eines ausgesprochenen Nein! sind nun ein häufiges Thema in den Gesprächsrunden nach unseren »Übungen«. Peter gibt dem viel Raum, und das Ergebnis ist sehr bewegend: z.B. spreche ich aus, dass das Wesentliche und Heilsame für mich nicht das war, was ich bekommen habe (vieles), oder nicht bekommen habe (manches), sondern dass ich zugelassen habe, Gefühle bis auf den Grund zu spüren, auf dem ich dann immer Schmerz vorfand. Und beim Aussprechen bemerke ich, dass das öffentliche Mitteilen dieses Schmerzes in Verbindung mit dem wohlwollenden Dasein der anderen Teilnehmer meinen Schmerz ein Stück heilt. Wow!

Es werden dieselben Rituale wie in anderen Tantra-Gruppen inszeniert, aber die genaue Anleitung und die Tiefe ist eine ganz andere als alles bisher Erlebte. Auch sehr entspannend, dass uns Peter das stressige Spielchen »Wie bekomme ich meine Favoritin als Übungs-Partner?« meistens abnimmt, indem er das tantrische Rad entscheiden lässt. Immer wieder erheiternd finde ich Übungen, in denen wir als König Shiva oder Königin Shakti unsere Fantasien ausprobieren – und wie wenig nach diesem Realitätstest von ihnen als tatsächlich übrig bleibt. Auch das »Sexuelle« an Berührungen, das von Peter und seiner Assistentin sehr sorgfältig vorgemacht wird, hat nichts Geiles an sich, sondern schafft tiefe freundliche Nähe – oder führt zu einem ehrlichen Nein!, mit anschließender Klärung, was da zwischen uns los ist. Höhepunkt ist das bekannte Ritual namens der »Der König und seine Dienerinnen« (bzw. die Königin und ihre Diener): Ich habe mir statt einem »Macht's mir, Mädels!« vorgenommen, einfach meinen wunderbaren Shaktis Gaby und Karin wirklich nahe zu sein. Als sie mich mit ihren Händen und Körpern berühren, geht mir das durch die Haut bis ins Herz – und etwas heilt und findet Frieden in meinem Verhältnis zu den Frauen. Ich erkenne sie ein Stück weit und spiegele ihnen mein tiefes Berührtsein. Sie schenken mir wunderbare Zuneigung und Nähe, und ich kann nicht anders, als sie zu meinen Königinnen zu erheben.

An Peter fällt mir immer wieder sein urteilsfreies und herzliches Verhalten auf, und dass er auch in den Pausen für Einzelgespräche zur Verfügung steht – keiner muss durch seine Prozesse alleine durch. Höchstnote!

Otmar Spirk, Jg. 53, ist Rechtsanwalt und Redakteur einer sozialen Straßenzeitung in Regensburg.

Auf einen Blick

Leitung:
Peter Kammermeier
Kosten:
480 € (440 Frühbucher) + U/VP
Dauer:
7 Tage
Ort:
Seminarzentrum Capannace/Toskana
Voraussetzungen:
keine
Kontakt:
www.bewusster-lieben.de

Unsere Bewertung

Seminarort:
vier Sterne
Organisation:
vier Sterne
Preiswürdigkeit:
vier Sterne
Seminarziel:
fünf Sterne
Seminarleitung:
fünf Sterne
Didaktik:
fünf Sterne
   
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