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Spiritualität/Mystik

Die Persönlichkeit im spirituellen Kontext

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Die Persönlichkeit im spirituellen Kontext
Zeichnung: Jenny Gallen

Wie geschieht Veränderung?

Die transpersonale Psychotherapeutin Marianne Gallen geht in diesem Artikel der Frage nach, was die Persönlichkeit eines Menschen ausmacht und inwieweit Veränderungen in der psychischen Struktur des Menschen möglich sind...

Im dritten Semester meines Psychologiestudiums musste ich das Fach »Persönlichkeitspsychologie« belegen. Das Lehrbuch, das wir damals benutzten, steht immer noch in meinem Regal. Darin ist zu lesen, dass im Jahre 1937 von einem Herrn Allport alle bis dahin bekannten Definitionen des Begriffs »Persönlichkeit« zusammen getragen wurden, er kam auf über 50! Ich werde mir an dieser Stelle also erlauben, diesen Begriff noch einmal selbst neu zu definieren, so wie er mir im transpersonal-psychologischen Kontext sinnvoll erscheint:

Mit »Persönlichkeit« meine ich die Summe aller erworbenen Prägungen, die ein lebender Mensch mit sich herum trägt. Bei dieser Definition bewege ich mich von der Wortbedeutung her sehr nahe an der Herkunft des Worts »Charakter«. Es stammt aus dem Alt-Griechischen und bedeutet dort »das Geprägte«. Bei den alten Griechen wurde damit eine Analogie zur Produktion von Münzen hergestellt.

Unsere Persönlichkeit sehe ich also als etwas an, was wir geworden sind und nicht schon immer waren. Ich vermeide hier bewusst eine Angabe darüber, wie wir das geworden sind und in welchen Zeiträumen sich diese Prägungen ereignet haben. Dort lohnt es sich nämlich, genauer hinzusehen und verschiedene Unterscheidungen einzuführen.

Ein Charaktermuster ist ein bestimmter Stil des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens und Verhaltens, der uns zur Gewohnheit geworden ist

Wie zeigt sich unsere Persönlichkeit?

Als Definition für den Begriff Charaktermuster, haben Hans Neidhardt und ich in unserem Enneagramm-Buch folgende Beschreibung verwendet:

Ein Charaktermuster ist ein bestimmter Stil des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens und Verhaltens, der uns zur Gewohnheit geworden ist und uns deshalb normal vorkommt, der weitgehend automatisiert, uns daher nicht oder nur teilweise bewusst ist, den wir nicht willentlich oder absichtlich benutzen ( »Ich kann eben nun mal nicht aus meiner Haut«, sagen wir dann) und von dem wir nicht mehr so genau wissen, wie und unter welchen Umständen wir ihn uns angewöhnt haben.

»After the ecstasy, the laundry« – nach der Ekstase kommt das Wäschewaschen, Jack Kornfield

Stilistische Eigenart

Die Prägung erzeugt also eine spezifische Form oder Struktur, die man als unsere jeweilige stilistische Eigenart auffassen könnte: Meine Art und Weise zu sprechen, zu denken, zu fühlen, zu handeln ist anders als deine – wir sind verschieden! Oh, in welches Wespennest trete ich da, wenn ich in der Welt der Esos und Spiris, in der alle nach Einheit streben, von Verschiedenheit schreibe! Mehr noch, ich behaupte sogar, dass alle mystischen Erfahrungen, auch Erfahrungen der Ego- und Ichlosigkeit nichts an diesen eingefleischten Strukturen verändern.

»After the ecstasy, the laundry« – nach der Ekstase kommt das Wäschewaschen -, so lautet der englische Titel des Buches »das Tor des Erwachens« des buddhistischen Lehrers Jack Kornfield. Anders ausgedrückt: Einheitserfahrungen sind der Türöffner dafür, dass sich solche (karmischen) Prägungen auflösen können – ohne tätige eigene Bewusstwerdung ändert sich jedoch gar nichts. Der geweitete Geist bleibt im Gefängnis der immer schon dagewesenen stilistischen Eigenarten gefangen. Die Außenwelt mag vielleicht wahrnehmen, dass der Mensch nun über andere Dinge spricht und sich seine Interessen verändert haben, in seinen Charaktereigenschaften bleibt er der gleiche.

So ist es auch zu erklären, dass Menschen, die von ihren Anhängern als heilig oder erleuchtet angesehen werden, im Hinterzimmer sexuellen Missbrauch mit Abhängigen treiben. Sie erzeugen damit unzweifelhaft wieder unheilvolles Karma, führen den Kreislauf des Leids fort. Es sind unbewusste Prägungen in ihrer Persönlichkeitsstruktur, die dafür verantwortlich sind.

Die Persönlichkeit im spirituellen Kontext
© persolog GmbH

Gewohnheit und Unbewusstheit

Mit unseren Persönlichkeitsmustern leben wir zuächst in einer solch gewohnten Vertrautheit (Identifikation), dass sie uns gar nicht auffallen. In der Regel machen uns erst unsere Mitmenschen, die sich an gewissen Eigenarten stoßen, darauf aufmerksam. Spätestens jedoch in der Krise der mittleren Lebensjahre fangen die meisten von uns damit an, das Einengende an ihren Charakter-Gewohnheiten zu spüren.

Biologisch betrachtet, ist diese automatisierte Unbewusstheit sinnvoll. Sie ermöglicht instinktives und damit sicheres Reagieren und Handeln in allen Lebensbereichen. Der lebende Organismus unterscheidet nicht, womit er Unheil stiftet und womit nicht. Im Überlebenskampf ist »fressen und gefressen-werden« die Devise, der Stärkere soll seine Gene fortpflanzen. So funktioniert auch unsere Persönlichkeit im naiven Bewusstseinszustand. Erst der bewusst reflektierende und unterscheidende Geist führt hier möglicherweise eine Ethik ein, die zu anderen Umgangsformen im menschlichen Zusammenleben führt.

Die Psychologen versuchen heraus zu finden, aus welcher Not heraus ein bestimmtes Persönlichkeitsmuster geboren wurde

Prägungen zurück verfolgen

Um die unheilvollen Tendenzen unserer Persönlichkeitsmuster aufzuspüren und zu beseitigen, müssen wir ihre Wurzeln erforschen, wie auch der Buddhismus vorschlägt. Dort werden als die drei Hauptursachen allen Leids unsere Angst, unsere Gier und unsere Unwissenheit benannt. Es gibt dort auch eine Persönlichkeitstypologie, die auf diesen drei Grundmustern aufgebaut ist. Durch das Bennennen und Erforschen unserer Motivationen, können wir heraus finden, was uns unbewusst antreibt. Im Christentum sind es die sieben Wurzelsünden, die als motivationale Grundlage für alle destruktiven menschlichen Handlungen gelten.

In der Psychologie gehen wir ein bisschen anders vor. Wir versuchen heraus zu finden, aus welcher Not heraus ein bestimmtes Persönlichkeitsmuster geboren wurde. Und wir gehen davon aus, dass die leidvollen Tendenzen verschwinden werden, wenn diese Grundbedürftigkeit und die Konflikte, die damit verbunden sind, befriedet und ausgesöhnt sind. Persönlichkeitsstrategien werden hier als Reaktionsbildungen auf traumatische (verletzende) Lebenserfahrungen betrachtet. Darüber hinaus wird in der Psychotherapie immer mehr in Betracht gezogen, dass es auch kollektive – über die individuelle Biographie hinaus gehende – Prägungen gibt.

Resonanz auf unsere Persönlichkeit

Ein großer Anteil unserer Persönlichkeitsmuster dient uns in unkomplizierter und positiver Weise in unserem täglichen Leben. Sie machen unsere Unverwechselbarkeit und Originalität aus. Menschen, die uns anziehend finden, können sie gut leiden. Auf unheilvolle Prägungen reagieren andere dagegen häufig genervt oder gekränkt. Sie bilden den Nährboden unserer zwischenmenschlichen Konflikte und Verstrickungen.

Es sind auch die Resonanzen unserer Mitmenschen, in deren Spiegel wir uns in unserem Wandel erkennen können. »Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus«. An diesem common-sense ist viel dran. Je mehr sich die Schutz- und Abwehrmechanismen rund um mein Herz öffnen können, desto mehr Güte und Herzlichkeit kommen mir – auf Augenhöhe – entgegen. Diejenigen spirituellen Lehrer und Gurus, denen eine große Gefolgschaft andächtig und unterwürfig zu Füßen liegt, haben meist selbst ein ungelöstes Machtthema in ihrer Persönlichkeitsstruktur. Ihr Bedürfnis, andere zu dominieren, zieht Menschen an, die nicht auf ihre inneren Kräfte vertrauen können. Oft haben sie ihre eigene spirituelle Reise ebenso devot in Hingabe an einen Meister begonnen.

Da, wo es mir heute gelingt, bewusst innezuhalten, gibt es gelegentlich Ausbruchs-Möglichkeiten aus alten, einengenden Gewohnheiten

Die Persönlichkeit verändern?

Am Anfang meiner Beschäftigung mit Persönlichkeitsstrukturen stand natürlich auch ein Wunsch nach Veränderung. Mit den Jahren bin ich da immer nüchterner und bescheidener geworden:

Da, wo es mir heute gelingt, bewusst innezuhalten, gibt es gelegentlich Ausbruchs-Möglichkeiten aus alten, einengenden Gewohnheiten. Und an den Stellen, wo ein früheres Trauma wirklich geheilt wurde, erzeugt es für mich und für andere keinen Schmerz mehr. Solche Freiheitsgrade sind die Frucht langjähriger Selbstbeobachtung und bewusster Heilarbeit. Das tägliche Leben und meine persönlichen Beziehungen liefern da immer wieder neue Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten. Die Leichtigkeit des Seins, die Lebensfreude und Lebenslust scheinen auf diesem Wandlungs-Weg allerdings stetig anzuwachsen.

Enneagramm-Muster

Für die Enneagramm-Kundigen unter meinen Lesern und Leserinnen möchte ich meine Erfahrungen mit meinem Enneagramm-Muster in diesem Zusammenhang noch kurz beschreiben.

Die großen Fragen dabei sind für mich: Ist eine grundlegende Veränderung der eigenen Persönlichkeit möglich? Was bedeutet eigentlich der vielbenutzte Begriff »Erlösung«? Gibt es wirklich so etwas wie eine »metanoia« (Umkehr) im Zusammenhang mit Persönlichkeitsmustern?

Im letzten Enneagramm-Seminar, das ich gehalten habe, an dem lauter ausgebildete Enneagramm-LehrerInnen teilnahmen, wurde ich mal wieder umdiagnostiziert: Man glaubte mir mein Muster DREI nicht mehr, wollte mich in die Schublade NEUN stecken. Besonders meine DREIer-Kolleginnen machten sich sehr dafür stark. Sie erkannten offensichtlich sich selbst in meinen Verhaltensweisen nicht mehr wieder. Nachdem ich seit vielen Jahren unter meinem »Zu-schnell-sein« leide, fand ich das schmeichelhaft. Ich nehme es als einen Hinweis dafür, dass meine Bemühungen um mehr Langsamkeit allmählich Früchte tragen. Zumindest scheine ich beim Halten von Workshops keine besondere Hektik mehr auszustrahlen.

Für die Menschen, die einen tagtäglichen Umgang mit mir pflegen, hat sich in der Wahrnehmung meiner Persönlichkeitsstruktur allerdings nichts grundlegend geändert. Sie empfinden mich nicht anders. Auch meine Vorliebe für das Ennea-Muster DREI können sie täglich beobachten.

Die Bewusstwerdung führt nach meinem Empfinden zu einer »Kultur der Achtsamkeit« in allen Lebensbereichen. Damit können wichtige Entscheidungen tiefer begründet werden, sie stehen dann auf einem besseren Fundament. Im zwischenmenschlichen Bereich gibt es deutlich weniger Verletzungen und Verstrickungen.Im Denken wird das Beharren auf Meinungen und die eigene Engstirnigkeit weniger. Vielleicht könnte ich es dahin gehend zusammen fassen: Das ehemalige »Gefängnis« meiner Persönlichkeitsstruktur wird nun mit Bewusstsein bewohnt – damit hört es auf, ein Gefängnis zu sein!

Marianne Gallen

Marianne Gallen, Jg. 58, Psychologische Psychotherapeutin. Private Praxis für Transpersonale Psychologie und Psychotherapie westlich von München: Psychotherapeutische und spirituelle Einzelbegleitung, Selbsterfahrungs-Seminare und Weiterbildungen, Autorinnen-Tätigkeiten, Webseite: www.gallen-praxis.de

Bücher

  • Gallen, M.-A., Neidhardt, H.: Das Enneagramm unserer Beziehungen. Reinbek, 1994 (im Connection-Shop erhältlich)
  • Kornfield, J.: Das Tor des Erwachens. Kösel: München, 2001

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