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Spiritualität/Mystik

Formen des Erwachens

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Was ist Erwachen?
Jörg Wedereit

Der Lichtnahrungsprozess als Sprungbrett ins Sein

Jörg Wedereit wuchs in der DDR auf, atheistisch geprägt, in sich die Suche nach Wahrheit und Freiheit. Seine Rebellion gegen das System führte zu seiner Verhaftung und Folterung. Im Gefängnis hatte er seine ersten transpersonalen Erlebnisse. Nach der Ausreise in den Westen machte er erst eine Therapie und dann den Lichtnahrungsprozess – den hielt er trotz der höllischer Schmerzen durch bis zum Ende. Dann war »der Schalter umgelegt«. Heute verdient Jörg seinen Lebensunterhalt als künstlerischer Schreiner, berät Menschen ihr Potenzial zu entfalten und nimmt am »Forum Erleuchtung« teil. Gabriele Palm ist ihm begegnet...

Als ich am Bahnhof meines kleinen Heimatortes stehe, um Jörg abzuholen bin ich aufgeregt, denn wir kennen uns nur von Telefon und Fotos, und so ein Treffen, insbesondere eine Einladung zu mir nach Hause ist immer ein kleines Wagnis. Jörg steigt aus dem Zug und winkt mir zu. Während wir aufeinander zugehen strömt eine Welle von Sympathie und Wärme durch meinen Körper, und ich weiß unmittelbar, dass ich das Zimmer in der Pension wieder absagen kann. Ich werde ihm ohne Zögern mein Gästezimmer zur Verfügung stellen.

Ein großer, sehr schlanker Mensch um die Fünfzig, mit halblangen Haaren und in lässige, naturfarbene Klamotten gehüllt, die Haltung zeugt von Zurückhaltung und gleichzeitig interessierter Zugewandtheit. Wir sehen uns in die Augen. Braun sind sie, sehr warm und abgeklärt, mit dicken Augenbrauen darüber – wir umarmen uns sehr herzlich. Spontan frage ich, ob ich mal sein Hemd lupfen darf, um mir seinen Bauch anzusehen. »Na klar«, sagt er, ich darf – sehr schlank, wirklich dünn ist er. 67 Kilo, so erfahre ich später. Kein Wunder, denn ich habe schon von seinem Lichtnahrungsprozess gehört und wollte es doch unbedingt mit eigenen Augen sehen, wie ein Mensch aussieht, der seit zwei Jahren quasi keine Nahrung zu sich genommen hat. Nachdem wir bei mir zu Hause eine Weile geplaudert haben, beginne ich das Interview mit der obligatorischen Frage nach spirituell sensationellen Erlebnissen und Jörgs Beziehung zu Gott und Bewusstsein in der Kindheit.

Bei uns ist der Glaube nicht existent gewesen.

Suche im Atheismus

»Ich bin in der DDR aufgewachsen. Bei uns ist der Glaube nicht existent gewesen. Es gab keinen Kirchgang. Zwar noch bei meiner Oma, doch meine Mutter hat dafür gesorgt, dass das nicht passiert. Gott gab's für mich eigentlich nicht wirklich. Was ich immer wahr genommen habe ist, dass ich nach einem 'Gral' gesucht habe, dass ich nach Wahrheit gesucht habe, und dass ich frei werden wollte. Ich bin in einer Diktatur groß geworden und habe alles abgelehnt, was mir diktiert wurde, schon in der Schule, weil das für mich nicht stimmig war. Ich war eigentlich voller Wut, wusste das aber damals noch nicht. Ich wollte frei sein, doch was ich suchte war mir nicht bewusst. Dass es im Grunde um Gott geht, habe ich mir nicht gedacht.« Oh je, denke ich, das klingt nicht nach viel »Fleisch« für meine Erwachens-Geschichte. Zum Glück weiß ich ja schon von unseren Telefongesprächen, dass noch manches für diese Story heraus springen wird, also bin ich zuversichtlich. Wie ging es also weiter, nach so einer trockenen Kindheit?

Gefangener der Stasi

»Das erste Mal, dass ich etwas ganz tief wahr genommen habe, das war mit 23 Jahren, als ich an der Grenze meinen Personalausweis zerrissen habe und damit bekunden wollte, dass ich in den Westen will, und dann natürlich von der Stasi ins Zuchthaus gesperrt wurde. Und da ging für mich so etwas wie Ernst los, davor war das alles ein Spiel, und ich dachte ich ziehe die Fäden, ich weiß wo's lang geht, und ich wollte der Stasi auch sagen wo es lang geht. Es hieß zu der Zeit, dies sei die beste Methode, um über die Grenze zu kommen, ohne sich eine Kugel einzufangen, denn man wurde von der BRD nach einer gewissen Zeit frei gekauft. Die DDR sperrte uns ein, um so ihre Milliardenkredite einzulösen. Das hatte ich erfahren von Freunden, die das zuvor gemacht hatten, und ich dachte, ja, das versuche ich, wird schon klappen. Ich bekam 20 Monate Zuchthaus und hoffte, nach der Hälfte der Zeit frei zu kommen. Ich sah das sehr locker, naja, dann ist man halt 10 Monate politischer Gefangener und muss nicht Jahrzehnte warten. Ich war ein kleiner Anführer in meiner Gruppe mit einer großen Gosche. Meine Kumpels wurden dann natürlich verhört und erzählten dummerweise unsere Taktik, und so wollte die Stasi uns partout nicht frei geben.

Dunkelhaft und Hungerstreik

Dazu kam, dass ich da drinnen meine Wut aus der Kindheit sehr rebellisch auslebte. Ich äußerte die Meinung: »Ja, ihr habt mich hier eingesperrt, also sorgt ihr auch für meine Kost und Logis.« Ich weigerte mich zu arbeiten. Dafür gab es zunächst 14 Tage Dunkelhaft, und normalerweise hat man dann ganz fix den Gedanken an die Arbeit wieder gewonnen. Meine Wut hatte schon früher ihr Ventil in Magenschleimhautentzündungen, und die kam dann richtig stark durch, und nach ein/zwei Tagen in Dunkelhaft sagte ich, ich wolle zum Arzt. Man sagte mir, du sollst schließlich arbeiten, hier unten gibt es keinen Arzt. Da ging ich in den Hungerstreik – immer noch in dem Gedanken: ICH setze hier die Spielregeln. Nach fünf Tagen Hungerstreik mussten sie das nach Berlin melden und mich zum Arzt lassen. Ich kam in ein Zimmer, und der Arzt im weißen Kittel sagte, ich solle mich auf die Liege legen. In dem Moment, es war wahrscheinlich nur der Bruchteil einer Sekunde, kamen vier Männer herein, jeder schnappte sich einen Arm und ein Bein, und wie in einem Streckverband hielten sie mich auf der Liege. Der Arzt kam schnell auf mich zu und hatte etwas Blitzendes in der Hand, das für mich aussah wie ein Messer, holte aus und stach mir in den Bauch rein. In diesem Moment hatte ich meine erste Erfahrung mit dem Tod. Da liefen tausend Bilder ab wie ein Film und ich habe mich sozusagen während seines Ausholens verabschiedet. Ich dachte das war's. Ich hatte ja nur etwas Blankes fliegen sehen. Dass das nur eine Spritze mit Antibiotika war, die er direkt in den Magen gesetzt hat, war mir in dieser Hundertstelsekunde natürlich nicht bewusst. Und in der Zeit danach, zumal immer im Dunkeln, wusste ich nicht, ob ich lebe oder tot bin. Erst nach einigen Tagen kam ich wieder zu mir und wurde mir bewusst, dass ich ja in der Dunkelhaft bin und anscheinend noch lebe. Es wurde mir erst Stück für Stück klar, dass ich das alles nicht geträumt hatte.«

Was ist Erwachen?
Jörg Wedereit (2.v.r.) in der DDR

Unbeugsam?

Mein Gott, wie schrecklich! Was für ein Schock muss das gewesen sein. Meine Spiegelneuronen spielen verrückt und ziehen mir den Bauch zusammen und ich kann nur noch ganz flach atmen. Als ich das Jörg sage, beruhigt er mich:

»Irgendwie fühlte es sich danach gar nicht so an, als wenn das eine Gewalttat gewesen wäre, ich habe das vielmehr wahrgenommen wie ein wohlwollendes Tor. Ich erlebte diese Tage in völliger Stille und völliger Abwesenheit – aber nicht in Schmerz. Es war so eine Leichtigkeit in mir, und ich zog daraus solche Kraft, dass ich nach 14 Tagen noch immer sagte: Nein, ich hab noch immer keine Lust zum arbeiten. Ich hatte für mich das Meditieren oder die Stille oder was auch immer entdeckt und träumte mich damit raus in eine ähnliche Ebene wie die nach der Todeserfahrung. Nach etwa 7-8 Wochen fanden die das nicht mehr witzig, dass sich da jemand von der Dunkelhaft so gar nicht beeindrucken lässt.

Dann kam das nächste schöne Erlebnis. Ich wurde vorgeladen in ein Verlies, wo an einem langen Tisch eine Art Tribunal saß mit sechs oder sieben Herren an der anderen Seite, und man sagte mir, dass man jetzt einen Weg finden müsse, wie ich »gebrochen« werden könne. Man werde meinem Nachbarn »das Gesicht polieren« und bezeugen, dass ich das war, und dann gäbe es für meine schöne politische Haft noch einen kräftigen Nachschlag für kriminelles Verhalten.

Da wurde mir das zweite Mal aufgezeigt, dass ich jenseits davon war, hier irgendwelche Spielregeln zu diktieren, und dass ich mir einen Gegner gesucht habe, der eine Nummer zu groß ist. Irgendetwas aus meinem Mund sagte: Ich bin einverstanden, wenn ich ins »Bleppo-Kommando« komme. Dort waren die Behinderten, die nur leichtere Arbeit machen mussten. Da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass nicht ich es bin der spricht, sondern etwas aus meinem Mund spricht. Die Männer stimmten zu, und damit war die Dunkelhaft nach einigen Tagen in einer Art Krankenhaus beendet. So konnten die Offiziere für sich verbuchen, mich gebrochen zu haben, und ich hatte die Bedingungen etwas erleichtern können. Das waren meine ersten Erfahrungen mit dem Bewusstsein, mit dem Tod, mit der Tiefe überhaupt. Dass sich das auf mein restliches Leben ausgewirkt hat ist klar. Ich war ein anderer Mensch, als ich da raus ging.«

»Als die Grenze dann aufging, war ich im Westen – und gar nicht begeistert. Denn da sah ich nun alle die, die es gar nicht verdient hatten, dass die Grenze auf war«

Ausreise und Ankunft im Westen

Jörg erzählt mir dann, dass er auf vielen Umwegen über eine heimliche Reise und das Eindringen in die Deutsche Botschaft in Prag schließlich die DDR verlassen konnte, 1989 im März – ein halbes Jahr vor der Wende. »Als die Grenze dann aufging, war ich im Westen und ganz und gar nicht begeistert! Denn da sah ich nun alle die, die es meiner Meinung nach nicht verdient hatten, dass die Grenze auf war, plötzlich im Westen herumlaufen und fand das gar nicht in Ordnung.« Dann erzählt er mir, wie er sich im Westen zurecht gefunden hat: »Ich hatte das Nähen schon als Kind von meiner Mutter gelernt und hatte schon in der DDR damit meinen Lebensunterhalt verdient. Neu im Westen erzählte ich der Leiterin der Flüchtlingshilfe mit meiner großen Klappe, ich sei in der DDR ein angesehener Designer gewesen. Sie vermittelte mir den Kontakt zu einer Baronin von und zu. Der zeigte ich ein paar von mir genähte Sachen, und sie setzte sich für mich in ihren Kreisen ein.

Ein Pelz-Designer, der gerade seinen Atelier-Leiter raus geschmissen hatte, sprang darauf an, gab mir einen Schnitt und ein paar Stoffe, und ich stellte über Nacht ein Kleid fertig – und wurde daraufhin sofort eingestellt als Schneidermeister und Atelier-Leiter. Auf einmal hatte ich fünf Lehrlinge, die mehr wussten als ich, denn ich hatte ja nie eine vernünftige Ausbildung gehabt. Ich konnte das jedoch geschickt verschleiern. Nach einer Weile merkte ich allerdings, dass es in Richtung 'Zitrone' ging: Während ich die Klamotten für »Phantom der Oper« nähte, heimste der Chef die Ehre und den Verdienst ein, und ich verdiente gerademal 1800 Mark, war aber dafür rund um die Uhr im Einsatz. Ich schmiss die Sache eines Tages hin. Ich wollte weiter, suchte erst das Heil im großen Geld, gründete eine Firma, doch nach einer Pleite war mein Bedürfnis nach Kreativität wieder groß, und ich begann als Schreiner zu arbeiten, und das tue ich noch heute.«

Beziehung

Ein sehr mutiger und ehemals etwas großspuriger Mensch sitzt mir da gegenüber, denke ich und sage das auch. Kaum zu glauben, weil er doch heute auf mich so bescheiden und harmlos wirkt. Jörg lacht. »Ich war sehr, sehr selbstverliebt und arrogant und genauso habe ich auch meine Beziehungen gestaltet. Ich hatte schon als Kind etwas, das den Mädchen gefiel, und ich habe das auch in der DDR sehr ausgelebt. Ich fand es toll, begehrt zu sein und richtete meinen gesamten Fokus darauf, dass ich da der Herzensbrecher bin. Das war geradezu mein Lebensinhalt. Ich habe im Grunde auch bei der Frau danach gesucht, dass sie mir den 'Gral' gibt, was natürlich unmöglich war, deshalb gingen Beziehungen immer wieder zu Bruch. Später im Westen lernte ich dann eine Frau kennen, bei der ich ein tiefes Band spürte, und es kam enicht mehr zur Trennung. Wo ich mich sonst immer ganz locker getrennt habe, war das hier einfach nicht möglich – obwohl ich davon überzeugt war, dass der Fehler bei ihr lag. Sie sollte mich einfach glücklich machen, doch das gelang ihr nicht.«

Diese Geschichte kommt mir von mir selbst sehr bekannt vor. Häufig hört man diese Haltung von Frauen, aber anscheinend gibt es das auch anders herum. »Meine Mutter konnte nie Gefühle zeigen, und meine Partnerin war da ganz ähnlich. Sie konnte schlecht Gefühle zeigen und schon gar nicht darüber reden. So drängte ich sie zur Therapie. Sie willigte ein, hörte sich um und brachte eines Tages einen Flyer über Hypnose-Therapie und Rückführung mit nach Hause. Ich war neugierig und wegen der Rückführung ging ich mit. In der ersten Stunde bei dieser Therapeutin hatte ich ein Schlüsselerlebnis, das mich unmittelbar davon überzeugte, dass ich auf diesem Weg den Gral finden würde. Es war einfach die Art, wie mich diese Therapeutin rangenommen hat. Das war eine völlig wache, taffe Frau, die auf meine Blendungsversuche kein bisschen einging, sondern mich quasi schüttelte, mich 'an die Wand stellte', und wenn ich am Boden lag wieder auffing. Es war einfach unausweichlich, und mir war völlig klar, dass sich nun mein Leben ändert. Ich konnte mit meinem Selbstbild nicht mehr so weiter machen wie bisher. Nun war für mich klar: Ich mache hier weiter, und zwar keine Rückführung, sondern eine Therapie.«

Was ist Erwachen?
Jörg Wedereit 1989

Abheben

Da Jörg so sehr von seiner Therapeutin und ihrer Durchschlagskraft schwärmte, möchte ich natürlich wissen, welche Art von Therapie sie angewandt hatte. »Gesprächstherapie, Erkenntnis und Hypnose. Die Mischung finde ich noch heute brilliant. Sie war unnachahmlich darin, die Erkenntnisse aus dem Gespräch in eine Geschichte zu verpacken, die sie mir wunderbar während der Hypnose erzählte, so dass ich manchmal ein komplett anderer Mensch war, wenn ich dort raus ging. Ich kann auch heute noch nur davon schwärmen. So wurde meine Wut kontrollierter, beruhigter, auch die Beziehungen zu meinem Vater und zu meiner Schwester wurden geklärt und versöhnt – beides in einer solchen Qualität, dass ich ohne Vorwürfe oder Bedürftigkeit zu ihnen hingehen konnte.

Doch irgendwann ging es in der Therapie nicht mehr weiter. Es gab eine Blockade. In einer Therapiestunde – während ich schon in tiefer Hypnose war – legte die Therapeutin eine Musik ein, die etwas sehr Magisches hatte. Sie brachte etwas in mir zum Klingen, und in dieser Hypnose machte ich meine erste Erfahrung von Außerkörperlichkeit. Auf der Stelle verließ ich meinen Körper, reiste ins Weltall, schwebte zwischen Planetensplittern und sah auf diesen Splittern halb durchsichtige Gestalten. Es war alles still und friedlich und einfach nur wunderschön. Von dem Moment an ging ich nur noch dort hin, um wieder aus dem Körper abzuheben. Zwei Mal war ich dort in einem so hellen Licht, dass etwas in mir keinen Sinn mehr darin sah zurückzukommen. Es war eine Art Nahtoderfahrung. Ich war sehr, sehr lange darin – in diesem Licht und dieser kompletten Glückseligkeit. Doch irgendetwas 'darunter' zog mich dann zurück. Sie hat da unten gekämpft, dass ich wieder komme. Das erste Mal ging es noch ziemlich schnell, dass ich zurück kam, doch beim zweiten Mal war ich erst Stunden später wieder da. Natürlich hat sich meine Therapeutin da sehr erschreckt, sie hatte Angst und wollte nicht mehr weiter machen.«

Trennung

Das kann ich mir lebhaft vorstellen. Kein Therapeut möchte eine Leiche in der Praxis liegen haben... Auch mir würde das große Angst machen.

»Sie hatte eine Neigung zur Esoterik. Das war mir zwar immer zu eng, doch sie hat bei mir den Horizont in diese Richtung sehr erweitert, und sie hat auch schon in der Hypnose immer angeregt, Geistwesen zu treffen. Ich konnte sie dazu bewegen mit mir weiterzumachen. Doch irgendwann merkten wir beide, dass es mit uns ausgereizt war. Ich hatte mich entwickelt. Sie wollte mich nicht auf Augenhöhe, und als ich begann, sie auf manches hinzuweisen und als die Rollen sich mal drehten, kam der Streit. Es gab noch mehr Unstimmigkeiten zwischen uns, und so war es Zeit sich zu trennen. Ich hatte aber so viel von ihr gelernt, dass mir sonnenklar war, dass ich alles in mir in Ordnung zu bringen hatte und nicht im Außen. Ich hatte gelernt mir zu vertrauen.«

»Am Anfang war das Licht«

Ein wunderbares Geschenk aus dieser Beziehung zwischen Therapeut und Klient, finde ich. Aber wie kam es dann zu diesem Lichtnahrungsprozess, von dem er mir erzählt hatte? »Drei oder vier Wochen später fiel mir ein Zettel über Lichtnahrung in die Hände, und ich dachte erst: Was ist das denn für ein Eso-Quatsch? Da lügt sich doch einer was in die Tasche. Doch irgendwann sah ich den Film 'Am Anfang war das Licht', und fand das alles plötzlich gar nicht mehr lächerlich. Während dieses Films fiel der Entschluss: Ich mache den Lichtnahrungsprozess. Mir ging es gar nicht um die Nahrungslosigkeit, sondern mich lockte die spirituelle Tiefe, die Heilung, was auch immer. Ich wusste nicht was, aber ich musste es tun. Dass da als Arbeitstitel das Thema 'Vertrauen' ganz oben stand, war mir da noch nicht wirklich bewusst, ich wusste nur: Ich muss das tun, und zwar am besten sofort! Ich weihte meine liebe Freundin ein und fragte sie, ob sie die Begleitung übernehmen würde. Sie konnte meinen Wunsch zwar nicht ganz nachvollziehen, erklärte sich aber bereit.

Nun besorgte ich mir das Buch von Jasmuheen und handelte ganz genau nach dem Buch, in dem auch stand, man solle drei Wochen zuvor beginnen zu beten. Ich hatte noch nie im Leben gebetet, aber als ich es dann tat, war es auf einmal komplett stimmig für mich. Immer wenn ich Zweifel hatte, betete ich, um die Zweifel in Vertrauen zu verwandeln. Vor dem Prozess war das mein Gebet. Manchmal bat ich dreißig oder vierzig mal am Tag, Zweifel in Vertrauen zu verwandeln, Vertrauen zu Gott. Ich hatte gar kein Konzept von Gott, es war einfach Gott, das war stimmig. Irgendwann war es selbstverständlich, so selbstverständlich, dass es für mich wahrhaftig ist. Und dann kam der Tag, wo der Lichtnahrungsprozess losging.

»Die erste Woche galt: keinen Tropfen trinken, keinen Krümel essen. Die Wissenschaft sagt, nach drei bis fünf Tagen setzt der Tod ein.«

Lichtnahrungsprozess, 1. Woche

Die erste Woche galt: keinen Tropfen trinken, keinen Krümel essen. Die Wissenschaft sagt, nach drei bis fünf Tagen setzt der Tod ein. Meine Freundin ist Krankenschwester und der Schulmedizin naturgemäß sehr verhaftet. Sie wartete, was passiert. Den eigentlichen Tod ist sie gestorben, denn ich war im tiefen Vertrauen. Ich hatte horrormäßige Schmerzen, Migräne in höchster Stufe, alle Schmerzen, die ich je im Leben hatte, waren nichts dagegen. Der Kopf ist fast geplatzt, es war ein ständiges Hin und Her zwischen Aufgeben und Hingeben und Aushalten, Aushalten, Aushalten, die Schmerzen aushalten. Laut Buch sollte in der Nacht vom vierten auf den fünften Tag die Sättigung einsetzen. Ich hatte vorher gebetet und darum gebeten, dass ich den Prozess in allen Einzelheiten wahrnehmen dürfte, denn das war für mich wichtig – nicht um die Kontrolle zu haben, sondern um all das bewusst zu erleben.

Dann kam das erste Erleben, das von so beeindruckender, göttlicher Natur war, dass ich es ähnlich stark empfand wie das Samadhi in der Haft, oder die außerkörperlichen Erfahrungen im Licht. Ich lag auf dem Rücken, und auf einmal hatte ich ein Gefühl, als würden hunderte oder tausende kleine Kinderhände meinen gesamten Rumpf, alle Organe umlegen und umwenden, ummassieren, neu programmieren oder was auch immer, alles hat sich in mir bewegt, rumort, in einer solchen Tiefe – ich konnte das alles gar nicht fassen. Ich rief meine Freundin, die ebenfalls alle diese Bewegungen sah, und wir waren beide ganz aufgelöst von dieser göttlichen Berührung. Nach ungefähr drei Stunden hörte das auf. Von dem Zeitpunkt an hatte ich keinen Hunger mehr, und die Schmerzen waren für diesen Abend weg, sie kamen aber am nächsten Tag wieder. Der Hunger war weg, Vertrauen war nach wie vor da, doch ich hatte wegen der Schmerzen keine Zeit mehr, mich weiter mit damit zu beschäftigen.

Lichtnahrungsprozess, 2. und 3. Woche

Dann begann die zweite Woche, das sollte laut Buch die Woche der Heilung sein. In dieser Woche hatte ich wieder ähnliche Erlebnisse. Alle Stellen des Körpers, wo ich irgendwann einmal Brüche oder Narben gehabt hatte, an die ich ewig nicht gedacht hatte, wurden umgebaut. Es kribbelte da und dort für eine halbe Stunde oder Stunde, als würde kleine stumpfe Nadeln mich piksen. Das ganze Feld wurde richtig beackert, es wanderte von hier nach da, auch von Zahn zu Zahn, von Narbe zu Narbe. Ich habe diese Heilungswoche exakt als solche wahr genommen. Da zeigten sich ab und zu Schmerzen, aber nicht mehr so intensiv.

Die dritte Woche sollte eigentlich laut Buch Erholung sein, doch die Schmerzen gingen dermaßen in die Tiefe, dass es kaum auszuhalten war. Wir hatten einen 'Telefonjoker' für Notfälle, den wir dann kontaktierten, der aber nichts raten konnte, außer Schmerztabletten zu nehmen. Die Kopfschmerzen waren die Hölle, ich war schon immer sehr geplagt von Migräne, doch solche Schmerzen hatte ich noch nie erlebt.

Dann kam der letzte Tag, da sollte nochmal ein göttliches Erlebnis auf mich zu kommen. Da waren wieder höllische Schmerzen, die sich um den ganzen Kopf herum ausbreiteten, und alle Schmerzen flossen irgendwie auf die Stirn zu, so dass ich schon fast schrie, aber dann wurden mit einem Schlag die Schmerzen angenehm. Sie flossen zu einem Punkt in der Mitte der Stirn, da war ein angenehmer Druck, und ich erlebte so etwas wie Verbundenheit: Da war ein Strahl, der aus der Stirn hinaus ins Universum geht, und gleichzeitig wieder dieses Licht in den Augen. Ich sah Mandalas und andere Bilder. Als das dann wieder ging, wurden die Schmerzen schier unerträglich. Sie waren so stark an den Schädelplatten, dass ich mich nicht mehr hinlegen konnte, weil ich keine Berührung mehr am Kopf ertrug, ich konnte nur noch sitzen. Wir holten unsere Osteopathin ins Haus, doch sie durfte den Kopf nicht berühren. Dann wollte ich schlafen. Ich war völlig übermüdet, schrie aber jedesmal auf, wenn der Kopf sich ablegte. An diesem Punkt dachte ich nur noch: Ich kann nicht mehr! Und mit diesem 'Ich kann nicht mehr' war plötzlich alles vorbei. Es war, als hätte an diesem 21. Tag jemand den Schalter umgelegt. Von da an blieben die Schmerzen weg und auch die spirituellen Erlebnisse.«

Darshan, Satsang, Hingabe

Gebannt und gespannt habe ich mir seine Erzählung angehört, ohne ihn auch nur einmal zu unterbrechen. Es ist mir rätselhaft, wie es jemandem gelingt, solche Torturen durchzustehen, denn das weiß ich ganz genau: Ich könnte das nicht, und ich würde es auch nicht wollen. Aber die Menschen sind verschieden, und ich möchte von ihm hören, wie es dann weiter ging.

»Einige Tage später fragte ich mich: Ja, was ist denn nun eigentlich anders? Aha, dachte ich, du isst nicht mehr. Die energetische Heilung hatte ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht als solche wahrgenommen, das kam erst viel später. Ich war wieder in meiner Person und war irgendwie enttäuscht. Ich fragte mich, was wohl die Botschaft sein sollte, und wie es nun weiter gehen sollte. Ich kam wieder zu Kräften, ging ins Netz, stieß über irgendwelche Kanäle auf das Enneagramm, las von Gangaji, forschte weiter und stieß auf Padma und Torsten. Ich fühlte mich von ihnen sehr angezogen und freute mich, als ich sah, dass sie in Hamburg ansässig waren. Also ging ich hin. Als ich die erste Stunde bei Padma nahm und Darshan bekam, sah ich sie an, und alles verschwamm. Der ganze Raum begann sich zu krümmen. Ich sah nur noch sie und anstatt ihres Gesichts ein Götterbild. Dann war da tiefe Stille. Raum und Zeit verließen mich völlig – und erst jetzt wurde mir klar, was in diesem Lichtnahrungsprozess passiert war. Ich buchte einen Enneagramm-Kurs und hatte dann jede Woche eine Stunde mit Padma. Die Erfahrung wurde immer tiefer, und ich hatte immer weniger Fragen. Während dieses Kurses war ich eigentlich immer mit Padma im Darshan, ich bekam die Inhalte nur am Rande mit und war einfach nur sehr tief im Sein. Ich hatte sozusagen den Enneagramm-Kurs dazu missbraucht, tief im Satsang zu sein. Als ich dann irgendwann die Geschichte von Ramana hörte, der sich einfach nur hingelegt hatte, um zu sterben, da wurde mir schlagartig klar, warum ich den Prozess gemacht hatte: Es ging einfach nur um die Hingabe an den Tod.

Eintauchen

Dieser Gedanke ließ mich so tief hinein fallen – da war einfach nur Licht und keinerlei Wahrnehmung vom Rest der Welt. Ich lag nur da, zu Hause auf meinem Bett. Ich stand nicht mehr auf, gegessen habe ich eh nicht, auch nichts getrunken, ich war einfach nur völlig versunken in diesen Zustand, in dem ich mich einfach gelassen hatte. Wir entscheiden da ja nicht. Meine Freundin saß einfach nur da und schaute, dass ich nicht ganz abkippe, sie ist es gewöhnt, dass sie mit mir komische Sachen erlebt. Sie wartete einfach. Irgendwann nahm ich sie aus dem Nebel heraus wahr, versuchte vorsichtig zu sprechen, denn ich nahm das Sprechen nicht aus mir heraus wahr, sondern aus einer Entfernung. Ich merkte einfach, dass da einer sprach, und dass ich wahrnehme, was er sprechen will. Da gab es eine gewisse Entscheidungsmöglichkeit, ob es zum Sprechen kommt, oder ob das nicht passiert. Ich konnte es dann zulassen, dass das Sprechen passiert. Ich bat sie, mir Zeit zu geben, es sei nichts Schlimmes. Ich sah ihre Sorge und sagte, es sei alles gut, es sei ein Prozess, was es ist wisse ich nicht, doch ich fühlte mich ganz tief aufgehoben und getragen. So habe ich dieses Erwachen für einige Tage erlebt als einen Raum der tiefen Stille und des Friedens. Nach ungefähr eineinhalb Tagen kam alles langsam wieder, die Person, das Hiersein, das Ich, wenn man so will.«

Intensität

Was für eine Erfahrung, so denke ich fast neidisch, denn nicht jeder hat ein so langes Eintauchen erlebt, und ich persönlich bin überzeugt, dass das Ergebnis umso tiefgehender und nachhaltiger ist, je länger es dauert. Ramana Maharshi sprach danach jahrelang nicht mehr, und ich sage zu Jörg, dass ich heilfroh bin, dass mein Interviewpartner nicht gänzlich die Sprache verloren hat, sonst säßen wir nicht hier. Wir lachen. »Ja, aber seitdem nehme ich Kommunikation als ein 'verrücktes Teil' wahr, im Sinne von ver-rückt. Kommunikation und Körperlichkeit erlebe ich sozusagen aus zwei verschiedenen Perspektiven. Aus der heutigen Sicht sehe ich es so, dass sich bei mir die Reihenfolge verdreht hatte, dass ich erst das körperliche Erwachen hatte und dann das geistige. Es ist natürlich klar, dass noch genug im Schlafmodus liegt, aber das Geistige kam sozusagen hinterher. Bei mir kommt das Herz ganz zum Schluss. Ich bin eigentlich total blind in alles hinein gestolpert, ohne ein Konzept zu haben oder viele Bücher gelesen zu haben. Erst die Therapie, dann der Lichtnahrungsprozess, dann Padma – ich folgte einfach dem Fluss und der Anziehungskraft dieser Dinge. Was mich immer gereizt hat, war Intensität. Dass all das auch mit Erwachen zu tun hat, war mir gar nicht klar. Wenn ich heute sehe, wie sehr Menschen hinter Konzepten her laufen bin ich unendlich dankbar, dass ich immer erst erleben darf und später ganz von selbst dem begegne, was es mir erklärt."

Ich frage Jörg, was er denn von Meditation hält, da er doch keinem traditionellen spirituellen Pfad gefolgt ist. »Ich halte nicht viel von Meditation, aber es gibt ganz tolle Bewusstseinsübungen, die auch schon in alten Büchern stehen, die sehr tief gehen und ganz viel bringen. Das Einzige was mir die Therapeutin empfohlen hatte, war Eckhart Tolle. Bei ihm gab es eine Wahrnehmungsübung, in der man erst das Kribbeln in den Händen spürt, dann auch in den Füßen. Bei mir setzte sich das so fort, dass ich irgendwann den ganzen Körper als Kribbeln und dann als reines Energiesystem wahr nahm, jedoch nicht mehr als Körper. Diese Übung könnte ich empfehlen.« Lichtnahrungsprozess und Erwachen – all das war im Jahr 2012, ein rasanter Weg also. Ich bin sehr beeindruckt von Jörgs Erfahrungen und frage ihn, in wie weit sich sein Lebensgefühl und seine Einstellung seit der Zeit des tagelangen Samadhi geändert haben.

»Erst die Therapie, dann der Lichtnahrungsprozess, dann Padma – ich folgte einfach dem Fluss und der Anziehungskraft dieser Dinge«

Die Person

»Es war nichts mehr wie es war, weil die Perspektive weg war. Natürlich war die Person noch weiterhin zur Hilfe da, man muss ja irgendwie ausdrücken, was in der Wahrnehmung passiert ist. Ohne die Person ist kein Ausdruck möglich. Aber die Perspektive – das ist zwar jetzt ein Klischee-Wort, aber, dass Ich als Person der Handelnde bin, das ist seitdem verschwunden. Natürlich gibt es immer wieder Momente, in denen man sich identifiziert und sozusagen in die Hauptrolle hinein rutscht, aber wenn man nach einem kurzen Einstieg in die Hauptrolle wahr nimmt, dass man jetzt in einen Film spielt, da fehlt dann die Anhaftung an diese Geschichte, da fehlt dann der Groll oder was auch immer. Das was früher an Gefühlen dran klebte ist weg. Das ist wirklich weg. Aber dass die Identifikation mit einer Projektion noch passiert, das gibt es noch. Das habe ich danach auch bei meiner Mutter erlebt, die sich so über den Lichtnahrungsprozess aufregen würde, dass ich lügen musste, um sie vor Leid zu bewahren. Sie konnte einfach nicht verstehen, dass es mir gut geht und ich auf einem guten Weg bin, und da war ich auch kurz in der Person drin.« Mir fällt dazu ein Zitat von Ram Dass ein: »If you think you're enlightened go spend a week with your family.« Wenn du glaubst du bist erleuchtet, verbringe eine Woche mit deiner Familie. Gibt es ein Fazit aus all dem Erlebten – dem Lichtnahrungsprozess und dem Erwachensprozess?

Frieden, Liebe, Herz …

»Die Essenz aus dem Lichtnahrungsprozess ist für mich die Möglichkeit des Weges in die Tiefe der Seele, des Mysteriums, des Bewusstseins. Der Lichtnahrungsprozess ist aber nur eine von vielen, zahllosen Möglichkeiten, sich zu verfeinern und in tiefere Ebenen zu tauchen. Es gibt so viele Möglichkeiten wie es Menschen gibt. Das ist mir durch den Prozess klar geworden. Deshalb: Ich will niemanden dazu nötigen, den Lichtnahrungsprozess zu machen, denn das hat seine Gefahren. Und das Zweite: Das Erwachen von Geist und Körper ist nach meiner Wahrnehmung eigentlich nur die Voraussetzung zum eigentlichen Prozess. Was dadurch in Psyche und Ich zur Beruhigung kam, beginnt sich erst nach dem Erwachen allmählich ins Körper-Nervensystem zu integrieren und zu setzen. Ich sehe das spielerisch. Ich muss das nicht machen, doch dieser ganze Bereich: Frieden, Liebe, Herz, Körper, Nervensystem, das ist etwas wo ich richtig Lust und Freude habe daran zu arbeiten, das immer weiter wahr zu nehmen.

Die meisten Trigger-Punkte tauchen ja in Beziehungen auf. Wenn mich beispielsweise ein schwerer Vorwurf erreicht oder eine Kritik gibt es drei Möglichkeiten, wo sich das Bewusstsein einschalten kann. Denn zunächst entsteht als Reaktion eine Spannung im Körper. Diese Spannung ist die Grundlage für ein Gefühl. Wenn ich in dem Moment die Aufmerksamkeit auf diese Spannung lege, entsteht das Gefühl gar nicht erst, und die Spannung löst sich von selbst im Nervensystem auf. Wenn es durchschlägt, weil die Kraft der Spannung besonders groß ist, dann entsteht das Gefühl, und aus dem Gefühl erst der Gedanke. Wenn es dann noch weiter geht, dann hat das Ich die Chance mit Hilfe des Gedankens und des Gefühls zu reagieren, so dass ein Konflikt entsteht. Dann regiert die Konditionierung. Da fühlt sich dann die Persönlichkeit angegriffen, sie suggeriert der Handelnde zu sein – doch das geschieht immer erst im Nachhinein, denn das Nervensystem des Körpers mischt eigentlich zuerst den Cocktail, auf den sich Gefühle und Gedanken dann drauf setzen. Das Ich behauptet dann, es sei beleidigt worden und habe demjenigen aber die Meinung gesagt. In Wirklichkeit passiert die Meinung, passiert das Gebelle von uns, und die Persönlichkeit rechtfertigt das dann und behauptet es gewesen zu sein, dabei läuft sie nur hinterher. Das Bewusstsein hat also mehrfach die Möglichkeit sich einzuschalten und diesen Prozess zum Versiegen zu bringen. So kann alles, jede Situation im Leben ein Lehrstück in Bewusstsein sein. Diese Stufen nehme ich immer wieder so wahr und kann an erster Stelle gleich die Spannung im Nervensystem aufsuchen, einfangen und sie damit heilen.

Das kollektive Feld

Das Lernen hört natürlich nie auf, denn das ganze Universum befindet sich als Information in unseren Zellen, und wir reagieren nicht nur aus unseren persönlichen Erfahrungen und Traumata heraus, sondern auch aus kollektiven Informationen, wir werden aus Quellen gespeist, die wir gar nicht alle kennen können oder müssen. Auch wenn ich alle meine Traumata heile, würden noch genug nach rücken, so dass dann im gesamte Feld geheilt wird. Dieser Punkt alleine sagt ja schon aus: es kann gar nicht alles geheilt werden, ganz sicher nicht in dieser kurzen Lebensspanne. Die Empfindung zu haben 'Ich bin da durch' ist deshalb für mich einfach nicht möglich.

Wenn natürlich bei einem Menschen das Bedürfnis nach Integration nicht vorhanden ist, dann kann es sein dass er irgendwann wieder einschläft. Auf dem Weg der Integration wird es jedoch irgendwann immer leichter, dann nämlich wenn die groben Sachen wie Traumata gelöst sind. Dann ist man so gegründet im Gewahrsein, dass kein Zurück mehr möglich ist.«

Einverstanden sein

Unser Gespräch hat mich im Tiefsten berührt, und in mir ist nur ein großes Ja zu allem, was ich von Jörg gehört habe und auch selbst schon erfahren habe. Zwar knabbere ich immer noch und immer wieder an meinen dicksten Traumata, doch ich erlebe diesen Weg der Ausrichtung des Bewusstseins auf den Körper, die Gefühle und Gedanken als große Freude.

Immer wieder bin ich mit großer Dankbarkeit erfüllt, wenn ich erlebe wie sich dramatischste Gefühle und Gedanken erlösen können, wenn ich endlich in den Körper hinein spüre, um ihren Ort dort zu finden und die Abwehr aufgebe. Denn auch das ist möglich: zurückzugehen in den Körper, wenn schon längst Gefühle und Gedanken entstanden sind. Jörg stimmt mir zu, und unsere Augen treffen sich in völligem Einverstandensein.

Mehr zum Thema Erleuchtung, Erwachen und der Lehre der Nondualität in Connection Spirit 9-10/14, die am 5. 9. 2014 erscheint, mit dem Schwerpunkt-Thema: »Sowohl als auch – Advaita«, die ein Verzeichnis aktueller, im deutschen Sprachraum unterrichtender Advaitalehrer enthalten wird.

Gabriele Palm

Jörg Wedereit lebt mit seiner Partnerin in Hamburg und verdient seinen Lebensunterhalt als künstlerischer Schreiner. Seit Mai 2012 nimmt er keinerlei feste Nahrung mehr zu sich. Je nach Gemütszustand und Bedürfnis nach Geschmackserlebnis trinkt er außer Wasser und Tee in geringen Mengen klare Säfte oder Sojamilch. www.so-bewusst-sein.de Er wurde für diesen Sommer 2014 vom »Forum Erleuchtung« Berlin ins Lehrer-Team eingeladen, und das obwohl er sich als ewiger Schüler sieht. Er ist auch beteiligt im »Forum Werk«, das vom Forum Erleuchtung ins Leben gerufen wurde. www.forum-erleuchtung.de
   
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