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Foto: siepmannH, pixelio.de

Recht und Unrecht

Ist es möglich, zu leben ohne Unrecht zu tun? Können wir »richtig leben«, also eine Lebensführung entsprechend den Werten des Herzens gestalten? Viele Menschen fühlen sich ohnmächtig und sehen keine Möglichkeit, die Werte, die ihnen wichtig sind, im Alltag, und dort vor allem im Berufsleben, zur Geltung zu bringen. Burkhardt Kiegeland geht der Frage nach, ob wir in unserer Lebensführung Unrecht vermeiden können...

Der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno hat in der Emigration zur Zeit des Nationalsozialismus einen Satz geprägt, der zu einem geflügelten Wort geworden ist: »Es gibt kein richtiges Leben im falschen«. Das bedeutet, auch wenn die einzelnen Menschen motiviert von den besten Absichten und auf der Grundlage der Herzensethik handeln, sie können nicht verhindern, auch das Falsche zu tun. Wobei ich hier richtig und falsch als das Rechte und das Unrechte verstehe. Wie soll man Adornos Satz widersprechen? Oder braucht es Beispiele, damit deutlich wird, was damit gemeint ist?

Das T-Shirt

Ich will ein T-Shirt kaufen. Vor dem Geschäft ein Ständer mit Sonderangeboten. Ein T-Shirt für 15 Franken, zwei für 25 Franken. Die Farbe würde passen, die Verarbeitung ist nicht schlecht. Greife ich zu, trage ich zur Ausbeutung der Näherinnen zum Beispiel in Bangladesh bei. Über die unwürdigen Arbeitsbedingungen stand einiges in der Zeitung. Ich kaufe das Sonderangebot nicht, sondern gehe zum nächsten Geschäft, wo ein einzelnes besser verarbeitetes und höherwertiges T-Shirt 32 Franken kostet. Sollte ich mich nach diesem Kauf als guter Mensch fühlen, wäre ich allerdings einer Illusion aufgesessen: Das deutlich teurere T-Shirt entstand unter denselben Arbeitsbedingungen wie das ganz billige.

So recht zynisch wird die Sache, wenn jemand, der in unseren so reichen Ländern arm und auf Billigprodukte angewiesen ist. Der Not gehorchend trägt er, ohne es zu wollen, zur Ausbeutung anderer bei. Die wohnen zwar weit weg – doch in der Realität der Alltagsgeschäfte sind sie uns ganz nah, jeden Tag! So wie uns die Armen in unseren reichen Ländern nah sind, auch wenn wir sie nicht sehen wollen.

In der Tageszeitung meiner Region, dem Berner Bund, der gewiss kein revolutionäres Kampfblatt ist, stand neulich auf der letzten Seite sinngemäß: Die Leute sind mit Beziehungsproblemen beschäftigt, ihrem Selbstbild und ihrem optimalen BMI (Body-Maß-Index). Wer aber denkt darüber nach, wie der ungeheure Zuwachs an Profit der letzten dreißig Jahre verteilt wurde?

Konsum

Um in Sachen T-Shirt ethisch zu handeln kann man sich informieren und Ware aus zertifizierter Produktion, kontrollierter Herkunft und fairem Handel kaufen. Das beruhigt das Gewissen. Ich setze meinen Einkaufsbummel fort und betrete ein großes Handelshaus für elektronisches Gerät. Eine meiner externen Festplatten ist abgeraucht und muss ersetzt werden. Auf langen Tischen Sonderangebote. 1 Terabyte zum Einbauen in das vorhandene Gehäuse schon für unter 100 Franken! Ein paar Meter weiter hat ein anderer Kunde den Angestellten in eine Diskussion verwickelt. Woher stammen die Produkte? Der Kunde hat in der Zeitung von schlimmen Arbeitsbedingungen in chinesischen Computerfabriken gelesen. Diese Methoden mag er nicht unterstützen. Der Verkäufer weiß nichts Genaues, nur dass die Festplatten wohl aus China, Südkorea, Taiwan stammen. Günstiger Preis, zwei Jahre Garantie.

Ich kaufe, was ich brauche, was soll ich anderes machen? Beim Weg nach draußen komme ich an der Etage mit dem Restaurant vorbei. Heute sind die Chickenwings mit Pommes im Sonderangebot. Wie und wo haben wohl die Hühner gelebt? Glücklich im Freiland? Bekamen sie Antibiotika? Hier esse ich nicht. Auf dem Parkplatz steht mein Auto. Als ich vorhin einparkte, stand rechts neben mir ein schwarzer Geländewagen. Er ist jetzt weg, dafür hat mein Wagen in der rechten Tür eine Beule. Die hat ein Türgriff geschlagen.

Ethik
Foto: Kiegeland

Ungewollt begangenes Unrecht

Es ist eine Binsenweisheit: mit der Entfernung wächst die Indifferenz. Unrecht begangen in fernen Ländern vermag uns für die paar Tage, die darüber berichtet wird, betroffen machen. Dann vergessen wir es. Ähnlich verhält es sich mit Unrecht, dass wir aus der Anonymität heraus anderen leichtfertig zufügen. Nur zu bequem rechtfertigen wir es: Warum hat der Trottel sein Auto auch so dicht neben meines gestellt – mag der Fahrer des SUV gedacht haben. Doch zurück zum ungewollt begangenen Unrecht. Wir können es nicht vermeiden, einfach weil uns die Informationen fehlen. Es fehlt das Hintergrundwissen. Über die Näherinnen in Bangladesh habe ich gelesen, über Massentierhaltung auch. Doch wollte ich über alle Zusammenhänge in allen mich betreffenden Lebensbereichen Bescheid wissen, es würde mich völlig überfordern.

Die Warenströme fließen global und weitgehend anonym. Wir haben uns daran gewöhnt, und niemand würde vom Verkäufer in der Abteilung Elektronik erwarten, dass er den Arbeiter in Asien kennt, dessen Chef und alle die Stationen, Exporteure, Importeure und Zwischenhändler bis hin zu den Regalen seiner Abteilung. Entsprechend gering sind die Möglichkeiten der Käufer, Einfluss zu nehmen. Wir wissen nicht, wo und wie in der Kette zwischen Produktion und Verkauf Unrecht geschieht und sind doch dessen Nutznießer – weil wir Teil dieses Systems sind. Einer meiner Lehrer erklärte einmal, allein durch die Teilnahme am Leben begehe man unvermeidlich auch Unrecht. Ich komme später darauf zurück.

So tun wir auch im Privaten Unrecht, nicht aus böser Absicht, sondern aus Mangel an Information über uns.

Privates Unrecht

Man sollte meinen, im Privatleben hätten wir den Überblick und die Kontrolle, um nach den Werten des Herzens zu leben und Unrecht zu vermeiden. Warum ist das Illusion? Weil wir nicht nur nicht vollkommen sind, sondern vorerst nicht sehr viel über uns wissen. Die sattsam bekannte Zahl aus der experimentellen Psychologie: Durchschnittlich 6 bis 10 Prozent weiß der erwachsene Mensch von sich selber. Das heißt, jenseits der Bilder, die man sich von einem selbst gemacht hat, jenseits der Ängste und Glaubenssätze und der damit verbundenen automatischen Reaktionen warten 90 Prozent auf Entdeckung. »Was wir sind und was wir sein könnten« ist der Titel des Bestsellers von Gerald Hüther, einem der bekanntesten Neurophysiologen. Ich variiere das gern zu »Wer wir glauben zu sein und wer wir wirklich sind«.

So tun wir auch im Privaten Unrecht, nicht aus böser Absicht, sondern aus Mangel an Information über uns. Worin kann dieses Unrecht bestehen? Es gibt Eltern, die ihre Kinder mit Gewalt erziehen. In denen stecken selbst kleine geschlagene Kinder, mit deren Schmerz sie sich nie versöhnt haben. Oder, weil wir Angst haben, von dem/der Liebsten verlassen zu werden, verschließen wir uns vor der wirklichen Tiefe der Liebe. Auch hier das kleine verlassene Kind in uns. Wir haben uns nicht mit ihm versöhnt und fügen nun, natürlich nur »zum Schutz« dem anderen zu, wovor wir selbst so große Angst haben. Oder aus einem unbewussten Mangel an Selbstwert und der daraus folgenden Angst vor Verlust verhalten wir uns aggressiv gegen alles Fremde.

Wer wir glauben zu sein und wer wir wirklich sind – in unserem Kern wartet das Gold.

Ganz normale Menschen

30 Jahre hatte der Bettler an derselben Straßenecke um Almosen gebettelt, als ein Fremder vorbei kam. »Bitte, eine milde Gabe, bitte«, nuschelte der Bettler und hielt ihm den Hut hin. »Ich habe dir nichts zu geben«, entgegnete der Fremde, sag mir nur, worauf du sitzest!« »Nur eine alte Kiste, sie ist nichts wert, ich sitze seit Ewigkeiten drauf«. »Hast du schon mal hinein geschaut?« »Nein, wozu?«, entgegnete der Bettler, »Es ist nichts drin« »Schau hinein, und zwar jetzt« beharrte der Fremde. Der Bettler stand auf, stemmte eine Ecke der alten Kiste auf und fand, dass sie voller Goldstücke war.

Wer wir glauben zu sein und wer wir wirklich sind – in unserem Kern wartet das Gold. Es ist die Wirklichkeit jenseits aller Selbstbilder, aller Grenzen. Das Erkennen des ewigen Jetzt. Wann erheben wir uns von der Kiste und machen us daran, sie zu öffnen? Viele Menschen nehmen nun an, dass die tiefe spirituelle Erfahrung sie zu Übermenschen machen würde. Das ist eine Täuschung. Wir bleiben Menschen mit menschlichen Eigenarten und Bedürfnissen und auch menschlichen Schwächen.

Diese Idee vom Übermenschen stammt letztlich aus einer Verneinung der menschlichen Natur überhaupt. Sie lebt sich aus in Projektionen auf scheinbar reine Erlösergestalten, von denen man Rettung erwartet. Einer meiner Lehrer erklärte einmal in der Runde, er sei ein ganz gewöhnlicher Mann. Die Anhänger reagierten ungläubig: das kann doch nicht wahr sein, der ist doch etwas ganz Besonderes! Die Schüler hingegen verstanden: ein Mensch dessen Augen sich geöffnet haben. Es handelt sich um denselben Lehrer, der erklärt hatte, allein durch die Teilnahme am Leben begehe man unvermeidlich auch Unrecht.

Die Welt der Pole

Diese Schöpfung ist eine der Pole. Tag und Nacht, Licht und Schatten, Wärme und Kälte, Nähe und Ferne, Leichtes und Schweres, richtig und falsch, gut und böse und so weiter. Erst dadurch, dass wir unsere Polarität erkennen und akzeptieren, wird Entwicklung möglich. Verleugnen wir das Böse in uns, bleibt auch das Gute verschlossen und unfruchtbar. Dies hat schon Heraklit im antiken Griechenland auf die einprägsamste Formel gebracht, hier ein Ausschnitt:

Kaltes wird warm, Warmes wird kalt. Feuchtes trocknet und Trocknes wird feucht. Durch Krankheit wird Gesundheit schön; durch das Schlechte wird das Gute gut; durch Hunger: Sättigung; durch Mühe: Schlaf. Lebendig oder tot sein, schlafend oder wach, jung oder alt – alles ist eins. Das eine schlägt jeweils ins andere um, und umgekehrt – mit einer schnellen, unverhofften Wendung…

In Goethes Faust sagt Mephisto: Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Da gilt selbstverständlich auch der Umkehrschluss: Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft. Die Geschichte kennt ungezählte Beispiele für beide Pole. Wobei viel zu oft jene die übelsten Typen waren, die sich für die Verkörperung des Guten hielten.

Der Raum jenseits von Gut und Böse kann erfahren werden, es ist das Göttliche oder, mit anderen Worten, die alles umfassende Liebe. Der Weg dahin geht über Erkennen und Versöhnen, über Reue und Verzeihen, über die Hingabe an das Leben. Heilige Bücher sind dabei von recht begrenztem Nutzen. Sie setzen allzu oft Flausen in die Köpfe, wo es doch ums Erfahren des Lebens, der Wirklichkeit geht! Zu einem Leben entsprechend den Werten des Herzen gehört aber auch die Einsicht, dass es ein Weg ohne Ende ist. Wir üben immer weiter, wir werden nie fertig. Es gibt kein Abschlusszeugnis. Oder hat Ewigkeit etwa Anfang und Ende?

Burkhardt Kiegeland

Burkhardt Kiegeland, Jg. 42, der »Herz-Meister«, ist seit nun 1980 bekannt für seine »Herz-Eröffnungs-Seminare« und sein »Herz-Projekt«. Er war Schüler von Osho und Michael Barnett. Aus seinem früheren Zentrum »Weisser Lotus« ist er in die Schweiz ins Berner Oberland übersiedelt und hat unter dem Begriff »Eins und Sein« ein neues Zentrum ins Leben gerufen. Website: www.einsundsein.org

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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