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Gedanken über den Tod

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Gedanken über den Tod
Foto: Kiegeland

Meditation über den eigenen Tod

Angesichts des scheinbar sinnlosen Tods von 150 Menschen in den fränzösischen Alpen, die anscheinend Opfer eines lebensmüden Co-Piloten geworden sind, stellt sich erneut die Frage, wie Menschen damit umgehen sollen, wenn ein nahestehender Mensch plötzlich aus dem Leben und aus dem Kreis der Familie gerissen wird. Gibt es einen Ausweg aus der Verzweiflung, Rat- und Hilflosigkeit, die mich befallen, wenn ich einen mir nahestehenden Menschen verliere? Burkhardt Kiegeland versucht eine Antwort...

Ein Mann im besten Alter verabschiedet sich am Morgen mit einem Kuss von seiner Frau und geht auf seine tägliche Joggingstrecke. Er ist sportlich, gut durchtrainiert, dem Leben tätig und genießend zugewandt. Eine Stunde später wird er von einem Spaziergänger gefunden, tot, Herzinfarkt. Er sei völlig gesund gewesen, sagen die Ärzte nach der Obduktion. Die Familie steht unter Schock. Am Abend zuvor hatte man noch gefeiert, und jetzt ist auf einmal alles anders. Der Ehemann und Vater von zwei jungen Erwachsenen ist tot. Warum gerade er und warum so früh - nach der Statistik hätte er doch noch über zwanzig Jahre vor sich gehabt.

Auf einer Schnellstraße bei Luzern werden wir wegen eines Unfalls umgeleitet. Wir sehen weiter vorn die mit Strahlern hell erleuchtete Unfallstelle, die rotierenden Blaulichter, demolierte Autos, den Rettungswagen. Tags darauf erfahren wir, dort wurde eine junge Frau getötet, die junge Kollegin einer Bekannten. Bemerkenswert ist, dass diese junge Frau eine Woche zuvor ihre Familie überredet hatte, gemeinsam mit ihr einen Vortrag zu besuchen mit dem Thema »Umgang mit plötzlichen Todesfällen in der Familie.«

Plötzlich und unerwartet

Die Formulierungen in den Traueranzeigen und Zirkularen lauten in solchen Fällen ähnlich: Plötzlich und unerwartet, mitten aus dem Leben und dem Kreis der Familie gerissen, schönste Hoffnungen wurden zerstört, ein unfassbares Schicksal hat alles beendet. Sie spiegeln die Verzweiflung, die Rat- und Hilflosigkeit angesichts eines oft als ungerecht empfundenen Todes wider – der sich zum Beispiel nicht an die zeitliche Ordnung der Generationen hält – wenn also das Kind stirbt während die Eltern noch am Leben sind.

Man selber wähnt sich ungefährdet, sterben tun nur die anderen.

Rat- und hilflos

Rat- und hilflos zu sein ist kein willkommener Zustand. Denn in dieser Zeit des Erfolgs- und Leistungswahns gilt es ja, in allen Lebenslagen kompetent zu sein und alles im Griff zu haben. Der Tod durchbricht jedoch solche Regeln, an die wir uns gewöhnt und sie weitgehend verinnerlicht haben. Er setzt alles Streben nach Sicherheit, nach Erfolg, nach Bewahren des Erreichten außer Kraft. In der mechanistischen und auf Apparate ausgerichteten Medizin gilt er als größter anzunehmender Unfall, und im Verständnis aufgeklärter Wissenschaft als Schluss: Punktum, das war´s dann. Vor ein paar Jahrzehnten zählte ich mich noch selber zu den solcherart Aufgeklärten und empfand einen gewissen Stolz dabei, jede tröstende Überzeugung oder Hoffnung kühl zurückzuweisen. Sich dabei unter den Vertretern einer überlegenen Rationalität zu wissen, ist schließlich, denkt man, auch etwas Besonderes. Allerdings sollte ich bald darauf kommen, dass ich den Tod einfach nur weit weggeschoben hatte. So wie es viele in der ersten Lebenshälfte tun: man selber wähnt sich ungefährdet, sterben tun nur die anderen.

Gedanken über den Tod
Foto: Kiegeland

Der erste Weckruf

Der erste Weckruf erfolgte um die Faschingszeit des Jahres 1980. Der gerade 20jährige Sohn von Freunden kam auf dem Rückweg von einer Faschingspartie mit zwei anderen jungen Leuten ums Leben – Glatteis, Autounfall. Am Grab forderte der Pfarrer uns Anwesende auf, denjenigen ins Gedenken einzuschließen, der als nächster sterben würde. Das fuhr mir heiß hinein. Das könnte ja auch ich selber sein! Das Mitgefühl für die Trauer der Eltern des jungen Mannes hatte mich ein Stück geöffnet, sodass mir die eigene Zeitlichkeit auf einmal existenziell bewusst wurde. Also nicht mehr bloß über den Verstand à la »Ja ja, sterben tun wir schließlich irgendwann alle«, sondern unter die Haut gehend: »Ich bin gemeint, und es kann jeden Tag geschehen. Und was dann?«

Und was dann?

Und was dann? Die Frage stand auch neulich wieder im Hintergrund der Gespräche. Offen auf den Tisch kam sie nicht, es war aber zu merken, dass sie in der Luft lag, in den Köpfen bewegt wurde. Was hätte man, wäre sie offen gestellt worden, darauf antworten können? Glaubensartikel aus dem Katechismus der Konfessionen zitieren? Wie kann man mit etwas trösten wollen, was diejenigen, die man trösten möchte, zwar vage erhoffen, doch nicht wirklich glauben können? Mich beeindruckt immer wieder, wie wenig selbst Menschen, die einander nahe stehen, über Sterben, Leben und Tod miteinander sprechen. Wie massiv das Thema verdrängt ist. Und hat man nicht nur Kenntnisse, sondern weiß tatsächlich etwas über Leben und Tod – dann darf man das eigene Wissen nicht einfach für andere verbindlich erklären. Wollte man damit missionieren, wäre es im selben Augenblick doch auch nur ein Glaubensartikel.

Neulich im Gespräch mit einem gut gelaunten Studenten der Philosophie meinte dieser, über das Jüngste Gericht, die Auferstehung des Fleisches, das Rad der Wiedergeburten oder die Seelenwanderung zu reden oder gar daran zu glauben sei Science Fiction und ebenso wenig ernst zu nehmen wie der Glaube an Ufos oder Aliens. Ich fragte ihn, ob er denn sicher wisse, dass es keine Ufos und Aliens gebe. Worauf er lachend meinte, seine Haltung sei eben auch nur ein Glaube und kein Wissen.

Die Konfessionen in unserer Kultur bestehen traditionell auf dem Vorrang des Glaubens gegenüber dem Erfahren.

Orientierung – wo finden?

Die Konfessionen in unserer Kultur bestehen traditionell auf dem Vorrang des Glaubens gegenüber dem Erfahren. Wer glaubt wird selig. Und wer statt zu glauben erfahren will, gerät allzu leicht in die Gefahr, nicht mehr auf dieselbe Weise zu glauben wie die Glaubensbehörden das vorschreiben, oder gar den hergebrachten Glauben zu verlieren. Ich habe übrigens hohe Wertschätzung für Menschen, die in ihrem Glauben tief verwurzelt sind und ihrerseits ebenfalls jenen Menschen Achtung entgegenbringen, die nicht dasselbe glauben. Heute stehen die Konfessionen unter Druck und zwar von mehreren Seiten. Einmal durch die weit fortgeschrittene Säkularisierung – immer weniger Menschen in Europa glauben. Zum anderen durch die fundamentalistische Gruppierungen und zum dritten durch eine Esoterik, die ihre spirituellen Wurzeln aufgibt, zum Bestandteil der Wellness-Industrie wird und sich an den Regeln des Marktes orientiert.

Eine Meditationsaufgabe aus dieser Zeit hat sich als außerordentlich fruchtbar erwiesen: Das Leben vom Tod her zu sehen.

Der Erfahrungsweg

Wer keiner Glaubensrichtung angehört und wirklich wissen will, dem steht der Erfahrungsweg offen. Es ist nämlich möglich, dass wir wissen können, und wenn ich von Wissen spreche, meine ich nicht Kenntnisse. Jemand kann staunenswerte Kenntnisse besitzen und doch nichts wissen, sich selber zum Beispiel kaum kennen. Der zitierte Student der Philosophie zeigt durchaus Ansätze von Wissen: Indem ihm etwas von ihm selber bewusst ist – dass nämlich seine Haltung auch nur einen Glauben und kein Wissen darstellt.

»Ich weiß, dass ich nicht weiß« heißt es bei Sokrates und stellt einen Schritt aus den bloßen Kenntnissen heraus in die Bewusstheit dar. Bewusstheit ist die wesentliche Voraussetzung, um von den Kenntnissen zum Wissen zu gelangen. Ohne Bewusstheit sind wir im Leben nur dabei, anstatt es zu erleben, es zu erfahren, und Ereignisse allein sind noch keine Erlebnisse. Erfahrungsweg heißt, wir öffnen uns ganz für das Leben, für unser ganzes Menschsein und erfüllen es mit Bewusstheit.

Dem Weckruf damals folgte nur wenig später ein zweiter, als mein bester Freund plötzlich starb, auch »unerwartet und lange vor der Zeit«. Und ein dritter, der meine Gesundheit betraf. Es konnte also auf den alten Wegen nicht weiter gehen. Ich hatte dann das Glück, von bedeutenden spirituellen Lehrern auf meine selbstgemachte Grenzen aufmerksam gemacht und an die wesentlichen Dinge des Lebens erinnert zu werden. Wer bin ich? Was ist Liebe, Was Leben, was Tod?. Eine Meditationsaufgabe aus dieser Zeit hat sich als außerordentlich fruchtbar erwiesen: Das Leben vom Tod her zu sehen.

Meditation auf den Tod

Eine Anleitung zur Melancholie? Das könnte man meinen, doch das Gegenteil ist der Fall. Die Meditation auf den Tod, auf die Vergänglichkeit dieses Daseins auf der Erde, öffnet das Herz für die Kostbarkeit dieses Lebens. Sie hilft uns, auf einer existenziellen Ebene zu erfahren, dass dieses Leben das einzige ist, von dem wir sicher wissen, dass wir es jetzt leben, und dass dieses Jetzt alle Wirklichkeit enthält, alle Fülle, alle Weite, alle Stille, eben alles. Wir selbst sind diese Schöpfung. Und sie, die Meditation, motiviert uns, an die Versöhnungsarbeit zu gehen, mit uns selber, mit unserer Herkunft, mit den Polaritäten, die wir so lange für Gegensätze gehalten haben. Wenn mich Teilnehmer ansprechen, die den Verlust eines geliebten Menschen betrauern, rate ich ihnen zur Meditation über den eigenen Tod. Als Weckruf für das eigene Leben. Eine fruchtbare Trauer schenkt uns mehr Tiefe und Weite, mehr Offenheit und Mitgefühl, mehr Lebendigkeit. Die von uns gegangen sind müssen nicht betrauert werden. Wie heißt es doch so treffend: Was für die Raupe der Tod ist die Geburt für den Schmetterling.

Burkhardt Kiegeland

Burkhardt Kiegeland, Jg. 42, der »Herz-Meister«, ist seit nun 1980 bekannt für seine »Herz-Eröffnungs-Seminare« und sein »Herz-Projekt«. Er war Schüler von Osho und Michael Barnett. Aus seinem früheren Zentrum »Weisser Lotus« ist er in die Schweiz ins Berner Oberland übersiedelt und hat unter dem Begriff »Eins und Sein« ein neues Zentrum ins Leben gerufen. Website: www.einsundsein.org

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