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Philosophiefestival der Liebe

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Philosophiefestival der Liebe
Foto: pixabay.de

Zwischen Welt-Krise und Welt-Liebe

In allen Menschen wohnt eine Sehnsucht danach, sich sowohl als einzigartiges Wesen frei zu entfalten als auch mit anderen Menschen intensiv verbunden zu sein. Diese universelle Sehnsucht hat in jedem einzelnen eine jeweils ganz individuelle Ausprägung und Stimme – und wird oft auch als Ausdruck der Seele dieses Menschen bezeichnet. Der Psychologe C.G. Jung kam zum Schluss, dass diese innere Stimme der Seele wie eine Art zweites Ich ist – ein inneres Pendant zum eher außenorientierten ersten Ich, welches die familiären und kulturellen Prägungen der materiellen und sinnlichen Bedürfnisse des Einzelnen umfasst.

Verbinden und befreien

Diese innere Stimme eines Menschen ist der individuelle Ausdruck des universellen Grundes der Evolution oder Schöpfung, den alle großen Kulturen bzw. Religionen letztlich als Liebe beschreiben. Denn Liebe ist – wie die Seele als ihre individuell-menschliche Stimme – die einzige Qualität oder Energie des Seins, welche sowohl verbindet als auch befreit. Und erst wenn Menschen diese oft eher leise innere Stimme der Seele oder Liebe in sich verstehen und von dieser aus ihr Ich-Ego gestalten lernen, beginnen sie ihr wirkliches menschliches Potenzial zu entfalten.

Der Heimatplanet Erde…

Um sich seiner Seele als Kern und Stimme des eigenen Potenzials bewusst zu werden, braucht der Mensch einen kulturellen Bezugsraum, der weder nur das eigene Wohlergehen noch nur eine nie ganz erfassbare spirituelle Dimension (Gott, Allah, Brahma etc.) ist. Dieser Bezugsraum der menschlichen Seelen könnte ihr gemeinsamer Heimatplanet Erde sein. Das bedeutet jedoch, dass die Potenziale bzw. Seelen vieler Menschen sich erst dann selbst erkennen und in ihrer Sinnhaftigkeit und Seinsfreude entfalten können, wenn dieser Bezugsraum Erde kulturell verfügbar geworden ist.

… und seine Regionalkulturen

Dieser seelische Bezugsraum wird jedoch erst dann für viele verfügbar, wenn er auch in den unterschiedlichen Regionalkulturen und Religionen präsent ist. Die dazu nötige Anerkennung und Wertschätzung kultureller und religiöser Differenzen ist auch aus anderen Gründen wünschenswert:

Auch die ökologischen und sozialen Krisen der modernen Zivilisation werden erst lösbar, wenn die Kämpfe, aber nicht die Differenzen zwischen den Kulturen und Religionen aufgehoben werden. Denn zum einen verschlingt der Kampf um Vorherrschaft erhebliche Ressourcen (von kulturellen Abgrenzungsritualen bis hin zu Rüstungs- und Kriegsausgaben), die für gemeinsame Lösungen ökologischer und sozialer Probleme gebraucht würden. Zum anderen blockiert die damit einhergehende Abgrenzung genau das menschliche Potenzial, was es zur Lösung dieser Krisen braucht.

Allen Kulturen und Religionen gemeinsam ist jedoch, dass ihre tiefsten Gründe eine je kulturell unterschiedlich getönte, doch letztlich identische Art von universeller Liebe ausdrücken und verkörpern.

Differenzen anerkennen

Um die Differenzen der Kulturen und Religionen anzuerkennen, darf deren vielfältiger Reichtum an Traditionen, Formen, Farben und Tönen nicht eingeebnet werden. Vielmehr geht es darum, ihre Differenzen im tiefsten Grund erkennbar und lösbar zu machen. Den tiefsten Grund nennen die einen Gott, die anderen Allah, Jahwe, Brahma, Tao oder anders. Allen Kulturen und Religionen gemeinsam ist jedoch, dass ihre tiefsten Gründe eine je kulturell unterschiedlich getönte, doch letztlich identische Art von universeller Liebe ausdrücken und verkörpern. Die Lösung der drängendsten Zukunftsprobleme kann daher weder durch die Einebnung ihrer vielfältigen äußeren noch ihrer spezifischsten innersten Töne gelingen. Entscheidend ist es sich darauf zu verständigen, dass es zwei entscheidende Gemeinsamkeiten gibt: die gemeinsame irdische Lebenswelt und die Liebe als Essenz ihrer Spiritualität.

Welt-Liebe

Eine solche kultur- und religionsverbindende Welt-Liebe darf sich jedoch nicht als Forderung über die Seele der Menschen stellen. Sie ist nur soweit wirksam, wie sie in der inneren Stimme, Kreativität und Freude vieler einzelnen Seelen zum Erleben gebracht werden kann.

Die Entwicklung und kulturelle Etablierung des Begriffs und Phänomens »Welt-Liebe« macht daher doppelten Sinn für eine wünschenswerte Zukunft von Mensch und Erde: zum einen zur Aufhebung der kulturell-religiösen Differenzen und zum anderen zur Entfaltung menschlicher Potenziale. Dafür Impulse zu setzen und ersten Austausch zur ermöglichen, ist das zentrale Anliegen und Thema des diesjährigen Philosophiefestivals der Liebe vom 5. bis 9. September in Berlin. Mehr dazu siehe unter www.becomelove.de.

Anselm Grün, Gerald Hüther und Maik Hosang

Pater Anselm Grün, geb. 1945 in Junkershausen, studierte Philosophie, Theologie und Betriebswirtschaft. In seinen gut 35 Jahren als Cellerar der Abtei Münsterschwarzbach trug er maßgeblich zur Blüte dieses modernen Klosters bei. Er ist einer der meistgelesenen deutschen Autoren der Gegenwart. Seine Bücher wurden in mindestens dreißig Sprachen übersetzt. Viele seiner ca. 300 Bücher beschäftigen sich auf ganzheitliche Weise mit philosophischen, theologischen und psychologischen Dimensionen der Liebe. www.anselm-gruen.de
Prof. Dr. Gerald Hüther, geb.1951 in Emleben, ist ein bekannter Neurobiologe, beliebter Redner und Autor erfolgreicher populärwissenschaftlicher Bücher zu Themenkreisen wie Angst, Liebe und menschliche Potenzialentfaltung. Er ist Mitbegründer mehrerer transdisziplinärer Netzwerke im Bildungs- und Unternehmensbereich, so zuletzt auch der Akademie für Potenzialentfaltung. www.gerald-huether.de, www.akademiefuerpotentialentfaltung.org
Dr.phil. Maik Hosang, geboren 1961 in Bautzen. Studium der Philosophie und Psychologie in Berlin. 1990-1997 zusammen mit Rudolf Bahro Aufbau des Instituts für Sozialökologie an der Humboldt-Universität Berlin, nach dessen Tod Weiterführung im LebensGut Pommritz. Diverse Forschungen und Veröffentlichungen im Bereich. Vertretungsprofessur für Kulturphilosophie und Transformationsforschung an der Hochschule Zittau/Görlitz. http://sozialoekologie.jimdo.com/maik-hosang/

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