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Spiritualität/Mystik

Das Ego erleuchten oder abschaffen?

Details

Das Ego erleuchten oder abschaffen?
Foto: pixabay.de

Ich habe kein spirituelles Problem

Während sich Esoteriker darüber streiten, ob man das Ego erleuchten oder abschaffen soll, lässt sich das Problem auch anders bewältigen, »wenn man mit dem nötigen ekstatischen Ernst an die Sache rangeht«, meint Tom de Toys. Und kreist das Unsägliche mit seinen Worten leidenschaftlich ein, Absatz für Absatz um den richtigen Ausdruck ringend...

Mir ist dieser ganze esoterische Zirkus um die Erleuchtung schon peinlich, weil ich mich in der Gegenwart von Suchenden kaum traue zu verraten, dass ich nichts suche, weil es mich gar nicht gibt. In meiner Mitte wohnt nur dieses grenzenlose Loch, um das herum all die Facetten einer Persönlichkeit angesiedelt sind, die »ich« sagen können und damit zugleich »du« sagen, weil alles zum Du wird, wenn es kein absolutes Ich mehr im Zentrum der Wahrnehmung gibt. Darf ich bitte so ehrlich sein und mich als Suchloser outen? Wen macht es denn wütend, wenn jemand von sich frei heraus behauptet, gefunden zu haben, besser noch: gefunden zu sein, während andere darunter leiden, verzweifelt zu suchen und festzuhalten, was dem Bewusstsein immer wieder entgleitet: die Mitte, aus der alles herausströmt! Das Problem mit der Mitte entsteht erst dadurch, dass sie wie ein Objekt von einem Ich dingfest gemacht werden möchte, wodurch sie sich automatisch außerhalb dieses Ichs befindet, von dem sie so gerne vereinnahmt werden möchte. Erst wenn das Ich in seine eigene leere Mitte heimkehrt, erledigt sich das Problem ganz von alleine, weil dann keine zwanghafte Person mehr existiert, die etwas außerhalb ihrer selbst sucht.

Das leibhaftige Selbstwertgefühl entsteht durch den realen Körper im realen Raum

Das Ende des Selbstgesprächs

Aber wie findet man zu dieser Mitte, wenn nicht durch Loslassen des Ichs, das immerzu mit sich selber spricht! Wenn dann das Selbstgespräch aufhört, kehrt das Bewusstsein zurück zur rein körperlichen Empfindung der eigenen Anwesenheit und spürt sich von innen. Von innen bedeutet, in ewiger Bewegung zu bleiben, denn das leibhaftige Selbstwertgefühl entsteht durch den realen Körper im realen Raum. Das ist dann kein abgehobener Geist, der ein gedankliches Korsett um den Körper schnüren würde, sondern ein ichfreier Körper, der sich selber wahrnimmt und sprechen lernt.

Hier beginnt das tatsächlich Nonduale ohne abgespaltene Transzendenz, die einen esoterischen Dualismus erzeugt, der lediglich pseudonondual verschleiert wird. Hier hat das Gehirn zu sich selber zurückgefunden und zelebriert seine Selbstwahrnehmung als vergeistigte Materie. Die Materie steht jetzt endlich in keinem dialektischen Widerspruch zum sogenannten Geist, sondern dient als dessen Erzeuger auf biochemischer Basis. Wer hat etwas gegen die biochemische Basis seiner eigenen Existenz? Wer muss den Ursprung des Lebens verleugnen, indem er sein Ich krampfhaft zur Selbstüberwindung nötigt? Wer hat ein Problem mit dem eigenen Ich, weil er es gar nicht von innen fühlt, sondern aus der Warte eines metaphysischen Über-Ichs begutachtet? Wer spaltet sein Dasein in zwei Ich-Zustände und trickst diese gegeneinander aus?

Nonverbal ist nicht nondual

Da ist das erste Ich, das sich als Wort durch das zweite Ich beobachtet, das sich hinter dem Wort versteckt. Da ist der Glaube daran, dass man sich hinter einem Wort irgendwie verstecken könne und das Nonverbale zum Nondualen verklärt würde, indem man das Wort verleugnet. Aber das Wort »Ich« lässt sich nicht leugnen, sondern nur transformieren! Das spirituelle Problem ist ein grammatisches! Wer kein spirituelles Problem haben möchte, der sollte sich mit der Grammatik der eigenen Wahrnehmung beschäftigen, denn das Problem liegt im Umgang mit den Wörtern, die den Zustand des Ichs benennen. Solange das Ich zum Beispiel behauptet, vom »Ganzen« getrennt zu sein, spielt es zwei Wörter gegeneinander aus, die auch anders definiert werden können. Mit etwas Mut lässt sich vom Ganzen behaupten, dass es das Ich beinhalte, so dass diesem Ich die Genehmigung erteilt wird, ins Ganze problemlos einzutauchen, ja, mit diesem Ganzen zu verschmelzen, anstatt sich getrennt zu fühlen. Und schon löst sich das anfängliche Problem in ganz wunderbares Wohlgefallen auf! Es war nicht das Ich selber, das wirklich entfremdet war, sondern der Irrglaube an eine dualistische Definition des Wortes »Ich«, durch die das eigentliche Gefühl für das Ich traumatisiert wurde. Anstatt sich mit dem Ganzen verbunden zu fühlen, suggerierte die Traumatisierung, das Ich sei das unauflösbare Problem, das dem Ganzen widerspreche.

Ich ist ein Du

Ein verzweifelter Prozess der Selbstzerfleischung begann, weil das so falsch definierte Ich an der Haut klebte und mit keiner noch so ausgeklügelten Meditationsmethode abgekratzt werden konnte. Und je länger und hartnäckiger das entfremdete Ich sich seiner angedachten Befreiung verweigerte, desto tiefer brannte sich die Traumatisierung ins Fleisch ein und schürte den großen Verdacht, dass das Ich selber das Übel sei, von dem man sich befreien müsse. Dabei war das Ich eigentlich frei – ihm wurden nur einige argwöhnische Attribute angehängt, die es versklavten und klein hielten. Das großartig gefühlte großgeschriebene Ich kann seine eigene existenzielle Freiheit erst umfassend ertragen, wenn es vom ebenso großartig gefühlten Wort »Bin« durchtränkt ist und als essenzielles Mantra »Ich bin« aus der tiefsten, leeren Mitte des innersten Loches empfunden wird, wo das Bewusstsein zur reinen Bewusstheit mutiert. Jetzt wird verstanden, warum es keinen Unterschied zwischen Ich und Du gibt, denn jetzt sagt das Ich sogar Du, wenn es mit sich selber redet. Die innerste Leere spricht das unendliche Leben und damit die ganze Welt als ein Du an, dem endlich aus freiem Herzen begegnet werden kann.

Echte Spiritualität ist ab jetzt diese fluchtlose Fähigkeit, ganz und gar anwesend zu sein.

Grundlose Inwesenheit

In dieser Begegnung kann die Vereinbarung getroffen werden, sich mit Namen anzusprechen und sich Geschichten zu erzählen. Es kann aber auch auf Geschichten und Namen verzichtet werden, weil einfach nur »du« gesagt wird und »jetzt«. Die Geschichte der Freundschaft beginnt immer mit dieser trivialen Mystik des Du im Jetzt. Aus der enttraumatisierten Selbstliebe der ichfreien Identität resultiert direkt die Fähigkeit zur Umarmung der Welt. Liebe ist hier der natürliche Zustand. Es gibt keine Möglichkeit, sich außerhalb dieser Liebe zu befinden, sobald das Ich kein Problem mehr mit sich selber kennt. Sobald es nicht länger in diese spirituelle Dissoziation zu flüchten braucht. Echte Spiritualität ist ab jetzt diese fluchtlose Fähigkeit, ganz und gar anwesend zu sein. Grundlos inwesend. Ganz da. Im ewigen Du. Immer jetzt.

Tom de Toys

Tom de Toys, geb. 1968 in Jülich, Vertreter eines transreligiösen Lochismus, lebt in Düsseldorf. Aktuelles Buch: Bodenlos verwurzelt wie ein Stern. www.überweltigt.de

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