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Individualität

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Individualität
Foto: Kiegeland

Erkenne dich selbst

Was ist Individualität? Wodurch zeichnet sich Einzigartigkeit aus? Leben wir im Zeitalter der Selbstverwirklichung? Burkhardt Kiegeland glaubt nicht, dass wir in einer Epoche der Selbstverwirklichung leben. Vielmehr glaubt er, dass Individualität mit Vereinzelung verwechselt wird und Selbstverwirklichung mit dynamischer und »erfolgreicher« Teilhabe am Marktgeschehen....

Schon in alten Überlieferungen findet sich der Aufruf an die Menschen, sich selber zu entdecken. Das berühmte »Erkenne dich selbst«, nämlich die Inschrift am Tempel des Apollo in Delphi, gehört hierher. Der Griechische Philosoph Heraklit, ein Wissender, dessen Fragmente ich sehr mag, sagte: »Es ist die Aufgabe jedes Menschen, sich selbst zu kennen und das rechte Maß zu wissen.«

Warum? In der Antike galt die Selbsterkenntnis aus zwei Überlegungen heraus als eine wichtige Aufgabe. Die erste: Weil sie unweigerlich zur Einsicht in die eigene Vergänglichkeit und Begrenztheit führt. Denn der Mensch ist ja fraglos begrenzt in seinem Wissen wie auch in seinen Fähigkeiten und seiner Macht. Versteht er das, lernt er, sich zu bescheiden, von überhöhten Ansprüchen und seiner Überheblichkeit herunter zu kommen. Die andere Überlegung besagte, dass eben diese Einsicht in die Begrenztheit und Sterblichkeit zu einer Läuterung des Charakters und damit zu einer Reinigung und Entwicklung der Seele führen werde, einer Seele, die nach dem Philosophen Plato unsterblich und gottähnlich sei. Also Einsicht in die Begrenztheit als Schlüssel zu einer Entfaltung der Seele. Und als Bestandteil eines Weges.

Erkenne dich selbst

Erkenne dich selbst – die Aufforderung führt natürlich zu weiteren Fragen und Begriffen: Was sind die Merkmale von Einzigartigkeit? Wodurch manifestiert sie sich? Ist man selbstverwirklicht, wenn man sich selber erkannt hat? Wer bin ich? Fragen, die seit der Antike Gegenstand von Theologie, Philosophie, Anthropologie, Psychologie sind und je nach Schule zu sehr unterschiedlichen Antworten im Hinblick auf das Ideal von Individualität geführt haben. Doch dieser Text soll keine Ideengeschichtliche Abhandlung werden.

Was mir in letzter Zeit wieder auffällt, ist die so gern geäußerte und ebenso gern geglaubte Meinung, wir lebten heute in einer Epoche vorher nie da gewesener Selbstverwirklichung und Individualität. Ich höre das im Radio, lese es in Magazinen und glaube es nicht. Vielmehr bin ich einig mit die Zeitläufe kritisch begleitenden Philosophen, Psychologen, Soziologen, dass da Individualität mit Vereinzelung verwechselt wird und Selbstverwirklichung mit dynamischer und »erfolgreicher« Teilhabe am Marktgeschehen. Ich behaupte auch, dass die Mär vom gesteigerten Individualismus vor allem dazu dient, diese Vereinzelung zu fördern und noch zu vertiefen. Ein Mittel dazu stellt die in der Werbung allgegenwärtige Aufforderung dar, sich hervor zu heben, besonders zu sein, vorzugsweise durch einen auf die eigene Persönlichkeit maßgeschneiderten Konsum. Oder wie ich es in einer Broschüre las: »Indem Sie sich diesen modernen Trends anschließen, steigern Sie Ihren Persönlichkeitswert«. In einer Wohnung hing ein Kalender mit Sprüchen zum Tag an der Wand. Der für jenen Tag aktuelle Spruch lautete: »Besonders macht dich, was dich von anderen unterscheidet und nicht, worin du anderen ähnlich bist.« Diese Suche nach dem Besonderen ist nun aber das Merkmal eben nicht eines in sich ruhenden Ich, sondern von einem, das an sich selber zweifelnd ständig um sich selber kreist und sich mit anderen vergleicht.

Individualität
Foto: Kiegeland

Narzissmus

Wir leben, wie es die Beobachter des Zeitgeistes feststellen, mitten in der »me-culture«, nicht im Zeitalter der Individualität, sondern der Zweifel an sich selbst, der dauernden Sorge um die eigene Persönlichkeit. Bin ich richtig? Bin ich gut genug? Sehe ich gut aus? Werde ich so wahrgenommen, wie ich das möchte? Was kann ich noch verbessern? Wie werde ich bloß meine ewigen Zweifel los? Bin ich wirklich liebenswert? Was ist, wenn ich diese Aufgabe nicht schaffe? Kann ich lieben? Was muss ich tun, um wirklich gut zu sein? Für dieses Seelenleiden gibt es den Begriff Narzissmus. Der Psychoanalytiker und Psychiater Hans-Joachim Maaz hat darüber ein sehr empfehlenswertes Buch geschrieben: Die narzisstische Gesellschaft. Ein Psychogramm. Auf Youtube kann man einen Vortrag von ihm hören.

Ein Experiment

Wir können auf recht einfache Weise die Zweifel an uns selber herausfinden, morgens vor dem Spiegel zum Beispiel. Wie schauen wir uns an? Ist es ein Blick, der kritisch nach Unvollkommenheiten sucht, der mäkelt und fordert, dass an diesen und jenen Teilen noch gearbeitet, verbessert werden muss? Vergleichen wir uns? Oder spüren wir uns ruhend in uns selber, entspannt in unserer Körperlichkeit? Entsprechend der Blick in die Welt. Wie schauen wir nach draußen und auf die anderen – bei der Arbeit, auf der Straße, im Cafè? Ist es ein Blick, der abschätzt, vergleicht, sich an Bildern aus Werbung und Magazinen orientiert? Oder einer, der anderen Blicken offen und freundlich begegnet, der Verbundenheit herstellt? Wie es da wirklich steht, zeigen die boomenden Praxen der kosmetischen Chirurgie. Eine Berufsfotografin sagte mir, es werde immer schwieriger, Portraits vor allem von Frauen zu fotografieren, sie hätten zunehmend Angst, auf dem Foto nicht perfekt auszusehen.

Mangel

Der skeptische Zweifel an uns selbst wurzelt in den Erfahrungen von Mangel an liebevoller und zuverlässiger Zuwendung in der frühen Kindheit. Das ist gesichertes Wissen aus den Forschungen der Entwicklungspsychologie. Um dem Zweifel zu entgehen, versuchen wir, die Unsicherheit, das fehlende Urvertrauen irgendwie auszugleichen, zu kompensieren. Indem wir anders sein wollen als die anderen, also gescheiter, geschickter, mächtiger, stärker, schöner, perfekter, wichtiger, bedeutender, reicher und etwas darstellen in der Welt. Merkmale von Einzigartigkeit sind das jedoch nicht. Jede Darstellung bleibt im Äußerlichen hängen, kein bloßes Attribut hat Tiefe. Und je perfekter die Kompensation erscheint, desto brüchiger ihr Boden. Wir können davon ausgehen, dass unter den Reichen und Mächtigen dieser Welt der Anteil derer mit einer strukturellen Persönlichkeitsstörung besonders groß ist – sagt der Psychoanalytiker und Psychiater Hans-Joachim Maaz. Den ins Wahnhafte gesteigerten Narzissmus können wir bei den Glaubenswächtern und den Glaubenskriegern beobachten.

20 bis 30 Prozent der Männer und Frauen beenden eine Beziehung, wenn diese verbindlicher zu werden droht.

Vereinzelung

Neulich wurde die Wohnraumstatistik für Deutschland veröffentlicht. 41 Prozent allen Wohnraums sind jetzt von Einzelpersonen bewohnt. Diese Entwicklung ist nützlich für Hersteller von Waschmaschinen, Kühlschränken, Möbeln und so weiter. Sie ist aber vor allem ein Ausdruck von Bindungsangst. »Liebes-Phobiker« nennt sie der »Spiegel«, und die Trierer Psychotherapeutin Stefanie Stahl schätzt, dass 20 bis 30 Prozent der Männer und Frauen eine Beziehung beenden, wenn diese verbindlicher zu werden droht. Diese Angst drückt sich gern mit Argumenten aus wie »ich fühle mich noch nicht reif für eine ausschließliche Beziehung», oder »ich brauche einfach noch ein oder zwei Jahre, um mich klar zu entscheiden». Im Klartext geht es um die Angst, dass da nichts oder nur Unerfreuliches ist, wenn wir tief ins eigene Innere schauen und erlauben, dass uns auch ein anderer erkennt. Angst vor der Liebe, vor dem mit der Hingabe verbundenen Kontrollverlust. Ausgrenzung, Abgrenzung, Vereinzelung, daraus besteht die angebliche Individualität in unserer Zeit. An ihr ist nichts Einzigartiges.

Selbsterkenntnis

Selbsterkenntnis beginnt, wo wir unsere Kompensationen zu durchschauen beginnen. Wo wir neugierig werden und zu merken beginnen, was unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmt. Es ist ein Schritt in Richtung Bewusstheit. Dem geht oft die Erfahrung voraus, dass die Suche nach Sinn und Erfüllung durch Wichtigkeit (Status) und äußerliche Attribute (Konsum) keine wirkliche Erfüllung bringt. Wir sind der alten Rollen mit ihren sich wiederholenden Schleifen müde geworden und lenken den Blick nach innen – wer wir denn nun wirklich sind? Wir besinnen uns auf das Mitgefühl für das kleine Kind in uns, das damals den Mangel erfahren hat. Wir nehmen es in den Arm, schaffen Platz für es im Herzen – und dies ist der Anfang einer tiefen Versöhnung mit uns selbst auf allen Ebenen – Körper, Verstand, Gefühle, Seele. Wir sind Menschen und damit auch hilflos, bedürftig, machen Fehler, wissen längst nicht alles, sehnen uns nach Geborgenheit, brauchen den anderen. Wir sind im Grunde unseres Wesens Liebende und müssen uns die Liebe nicht verdienen – auch das kann erfahren werden!

Selbstverwirklichung

Selbstverwirklichung ist ein oft missverstandener Begriff. In der aufs Machen- und Habenwollen fixierten Welt gilt der als verwirklicht, der sein Ding gegen alle Konkurrenz und Widerstände durchgezogen und es an die Spitze geschafft hat. Wo hingegen das Bemühen um Erkenntnis und Wahrheit Antrieb ist, bedeutet Selbstverwirklichung das Erfahren des innersten Kerns. Bede Griffiths (1906-1993), einer der Brückenbauer zwischen den Konfessionen, der als Benediktinermönch einen Ashram in Südindien leitete, beschrieb diesen Kern, die tiefe Mitte unseres Seins, mit einem aus den Upanishaden stammenden schönen Bild: Innerhalb des mit einem Wall aus elf Toren umschlossenen Körpers (in der indischen Tradition hat der Körper elf Öffnungen), gibt es einen kleinen Schrein, und in dem Schrein ist ein Lotos, und in dem Lotos ist ein kleiner Raum. Was ist dieser kleine Raum im Herzen des Lotos? Er ist die innere Realität. Wenn wir einmal dieses innere Zentrum entdeckt haben, dann erst können wir unsere Person mit der Menschheit, mit dem Kosmos in Verbindung bringen. Der ganze Kosmos ist in dem kleinen Raum im Herzen des Lotos enthalten. Und Selbstverwirklichung ist die Entdeckung unseres eigenen Selbst.

Wahre Individualität erschließt sich durch die Erfahrung des innersten Zentrums: Wenn wir eine Ahnung, einen Geschmack, den Duft vom unermesslichen Raum jenseits unserer persönlichen Grenzen bekommen haben. Die Teilnehmer, die davon berührt werden, sprechen stets von Weite, Fülle und Stille. Doch Worte sind nur Krücken für das, was existenziell erfahren wird. Wahre Individualität ist Verbundenheit, das Einssein mit allem, ist der eigene Klang verschmolzen mit dem großen Klang. Das dann offene Herz in den Alltag zu bringen ist die Aufgabe.

Burkhardt Kiegeland

Burkhardt Kiegeland, Jg. 42, der »Herz-Meister«, ist seit nun 1980 bekannt für seine »Herz-Eröffnungs-Seminare« und sein »Herz-Projekt«. Er war Schüler von Osho und Michael Barnett. Aus seinem früheren Zentrum »Weisser Lotus« ist er in die Schweiz ins Berner Oberland übersiedelt und hat unter dem Begriff »Eins und Sein« ein neues Zentrum ins Leben gerufen. Website: www.einsundsein.org

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