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Wirtschaft/Politik

Grund- und bedingungsloses Grundeinkommen

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Grund- und bedingungsloses Grundeinkommen
© Hartmuth Bendig pixelio.de

Ein Einkommen für jeden Menschen

Wir gönnen dem Nachbarn nicht, dass er einfach so leben darf, wie er lebt. Dieser Neid ist in Wirklichkeit der Grund dafür, warum wir uns ein Bedingungsloses Grundeinkommen für jeden Menschen nicht vorstellen wollen. Geht es auch anders? Gibt es eine spirituell und wirtschaftlich realistische Grundlage für ein bedingungsloses Einkommen, das jedem Menschen zusteht, und demnach Freiheit für die Arbeit, die man leisten möchte? Ja, die gibt es, meint Franz Lang

Ich bin in diese Welt geboren. Ich wollte es so. Und andere wollten es auch. Aus einem symphonischen Zusammenwirken vieler Stimmen bin ich geboren. Ich weiß, dass ich hier etwas zu erledigen habe und ich habe auch eine große Lust, da zu sein. Ich will Erfahrungen machen. Danach begehre ich. Nur wundere ich mich sehr oft, warum mir Dinge zustoßen, die ich gar nicht begehre. Oder warum ich mir um mein Überleben Sorgen machen muss. Warum nehmen mir andere was weg? Warum bekomme ich nicht, was mir zusteht? Und wenn ich ehrlich bin: Warum habe ich andere schon beraubt, hintergangen und belogen?

Warum ist diese Welt so unfriedlich? Warum unterstützen wir uns nicht gegenseitig, sondern berauben uns? Warum versklaven wir einander, anstatt uns frei zu machen? Ich tröste mich damit, dass es ja immerhin viele schöne und erfreuliche Dinge gibt auf dieser Welt. Sex zum Beispiel; Geld, mit dem ich mir vieles erwerben kann; eine endlos rotierende Unterhaltungsindustrie, die mir ständige Ablenkung bietet; wunderschöne Naturschauspiele; fröhliche und unschuldige Kinder; und schließlich auch einzelne gütige Menschen oder gute Taten von Menschen.

Und es gibt Menschen, die zu mir halten. Sie geben mir Geborgenheit und ein wohliges Gefühl des Dazugehörens. Ich bin nicht allein. Wenn ich Glück habe, geschieht es so. Aber wenn das Glück mir gerade nicht hold ist, oh weh! Dann entbehre ich all das: Geborgenheit, Zusammengehörigkeitsgefühl, Bedürfnisbefriedigung, Vergnügen, Überschuss und Überfluss. Tiefes Leid ist die Folge. Aus diesem heraus beginne ich misstrauisch und neidisch zu werden und anderen dies und das nicht zu gönnen. Die Versuchung steigt, mir gewaltsam oder betrügerisch zu nehmen, was mir zusteht.

Das ist die Welt. In diese Welt bin ich geboren und wollte geboren werden, im orchestralen Zusammenklang mit jenen, die es mir ebenfalls wünschten. In so eine Welt wollte ich geboren werden? In diesen Kampf, in diesen Unfrieden? Das kann nicht sein! Ich wollte doch was Gutes! Niemand darf von mir behaupten, dass ich diese Welt so wollte, wie sie ist. Nein, ich wollte sie umgestalten. Ich kam mit einer guten Absicht zur Welt. Ich hatte ja einen Auftrag zu erledigen, erinnere ich mich jetzt. Ich wollte Erfahrungen machen, ja, und ich hatte eine große Lust dazu.

Was noch einmal war es, das ich erledigen wollte? Worauf hatte ich so große Lust? Ich grabe mal nach in meinem tiefen Inneren …

Lass doch die Welt untergehen! Ich nehme mir, was ich erraffen kann und der Rest geht mich nichts an

Erinnerung

Es klingt da etwas an, wenn ich eintauche in meine Seelentiefen und mich so Stück für Stück erinnere … So eine Stimmung wie … Ach wie sollte ich das nennen? Es ist schwer, das richtige Wort zu finden. Es klingt noch leise und dann sogar etwas holprig, dieses Wort.

Es taucht langsam aus einem inneren Nebel auf: … Wiedergutmachung … Ausgleich … Gerechtigkeit … Oh, das sind ja schon drei Wörter. Es geht auf einmal so schnell. Sie kommen und gehen ineinander über. Ich kann sie nicht stoppen, nein, ich will sie nicht stoppen … Wiedergutmachung …

Wie soll ich etwas wieder gut machen und warum eigentlich? Blöde Frage! Weil die Welt, so wie sie ist, wieder gut gemacht gehört! Und weil ich mir schließlich wünschte, hier zu sein. Soll ich mich in diese Welt einbeziehen und mich selber etwa auch wiedergutmachen? Ist dies vielleicht sogar meine Daseinsberechtigung? Das was ich an mir und an der Welt gut machen will?

Ich weiß, es gibt Freunde und andere Mitmenschen, die nicht so denken. Sie sagen, auch wenn sie es nicht immer laut sagen: »Lass doch die Welt untergehen! Ich nehme mir, was ich erraffen kann und der Rest geht mich nichts an.« Ich gebe zu, dass ich auch schon oft so gedacht habe. Es scheint ein typisch menschliches Benehmen zu sein, dass man sich um das nicht kümmern möchte, was einem ja doch schließlich das eigene Leben erhält. Die Arbeit der anderen, die Leistung der anderen, die Freude, mit der sie sie erbrachten. »Soll doch die Welt untergehen!« Ich staune, wie lustlos und zerstörerisch wir mit dem umgehen, was wir gleichzeitig mit so großem Verlangen fordern: Befriedigung, Sättigung, Genuss an der Welt, und schließlich Liebe und Zuneigung von den Menschen.

Meine Motivation ist reine Freude. Ich arbeite gern. Es gibt mir sozusagen Lebenssinn zu arbeiten

Lebensquellen

Wenn ich so recht bedenke, wovon ich hier auf Erden lebe, dann fallen mir zwei Quellen ein (Ressourcen sagt man heute). Die eine Lebensquelle ist die Natur selbst, die Reichtum über Reichtum hervorbringt, und die andere ist die Lebens- und Arbeitsleistung der Menschen. So leben wir nicht von der Natur allein. Von den Taten der anderen Menschen leben wir in gleichem Maße. Ihre Arbeit, ihre Leistung, ihre Lust, ihre Lebensfreude haben dazu beigetragen, dass ich heute das von ihnen Geschaffene genießen kann. Und wenn ich das wirklich so recht bedenke und bedanke, dann möchte ich auch meinen Teil dazu beitragen, dass es den Menschen und der Welt wieder gut gehen kann. Ich bin motiviert zu arbeiten. Jetzt fallen mir auch wieder meine anderen beiden Wörter ein, die mir aus der Seelentiefe entgegen gedämmert haben: … Ausgleich … Gerechtigkeit …

Ehrlich gesagt, das freut mich. Meine Motivation ist reine Freude. Ich arbeite gern. Es gibt mir sozusagen Lebenssinn zu arbeiten. Der wiederum wird zur Lebensquelle für andere Menschen. Was für ein schöner Ausgleich! Welch edle, natürliche Gerechtigkeit! Und ich versenke mich wieder in mein Inneres und lausche hinein. Warum - noch einmal gefragt - bin ich hier? Was habe ich noch zu erledigen? War da noch was? Und diesmal klingt es kräftiger und freier und besonders strahlend: Schöpferkraft ! Ja, ich bin hier, um meine Schöpferkraft, meine Kreativität auszuleben!

Meine Schöpferkraft ist gleichermaßen mein innerster Antrieb zum Dasein. Um zu schaffen bin ich da

Kreativität

Wieder sind die Begriffe ineinander übergegangen, besser gesagt, einer ist aus dem anderen hervorgegangen. Wiedergutmachung … Kreativität … Ausgleich …. Gerechtigkeit …

Ja, meine Kreativität ist gefordert, wenn es um gerechten Ausgleich geht. Aber nicht nur dafür. Meine Schöpferkraft ist gleichermaßen mein innerster Antrieb zum Dasein. Um zu schaffen bin ich da. Voller Energie fühle ich mich, die Lebenskraft fließt in mir. Ich brauche sie nur anzuzapfen und durch meine Glieder, mein Denken und mein Fühlen hindurch fließen zu lassen. Sie wird zur Tat, zur Arbeit, zum Lebensgenuss. Und sie ist voller Einfallsreichtum, Erneuerungsdrang und Freiheit und findet ihren Sinn in sich selber. Sonst würde man sie ja nicht Kreativität nennen, sondern Zwangsarbeit. Das also ist auch der Sinn meines Lebens, das freie Schaffen, aus purer Lust und Freude? Brauche ich da noch eine Daseinsberechtigung?

In den Kinderseelen wird das gesunde Tun und Empfinden oft frühzeitig gestört. Man meint, man müsse die Kinder in den Schulen zum Lernen zwingen und sie mit Überlebensängsten impfen

Daseinsberechtigung

Ich muss mir mein Recht, da zu sein, nicht erarbeiten. Denn ich bin gerne da und mein natürlicher Antrieb ist zu arbeiten. Jeder Mensch arbeitet irgend etwas, tut irgend etwas gern, denn durch das Tätigsein und auch durch das Leistungbringen erleben wir etwas von der freien Schaffenskraft, die unsere wahre Lebensmotivation ist und die mit Wiedergutmachung, mit Ausgleich und mit Gerechtigkeit untrennbar verwoben ist. Muss man dann einen Menschen zwingen zu arbeiten? Sollten wir irgend jemandem eine Leistung abfordern, bevor wir ihm Daseinsberechtigung geben? Wir spüren die Absurdität dieser Frage.

Wir können davon ausgehen, dass jeder Mensch mit einer guten Absicht geboren ist. Jedes Kind will lernen. Es lernt spielerisch, frei und freiwillig. Jeder Erwachsene ebenso, nur nennt man diese kreative Art des Lernens im späteren Lebensalter Arbeiten. Ich will tun, was ich liebe. Und was andere tun, möchten sie ebenfalls aus Liebe tun. Es ist ihre Kreativität, ihr Lebensausgleich, ihr Gerechtigkeitsempfinden. Das muss niemandem eingeimpft werden. Es darf nur nicht zerstört werden.

In den Kinderseelen wird dieses gesunde Tun und Empfinden oft frühzeitig gestört. Man meint, man müsse die Kinder in den Schulen zum Lernen zwingen und sie mit Überlebensängsten impfen. Irgend welche Bildungsstudien und Statistiken verbreiten eher nationalstaatliche Gefühle anstatt gesunder Motivation. Die vermeintlichen wirtschaftlichen Notlagen, Angst vor Arbeitslosigkeit, Angst, im internationalen Wettbewerb unterzugehen, und die falsche Überzeugung, dass der Wert der Arbeit an Lohn und Einkommen ablesbar sind, werden in die Kinderseelen hinein projiziert und damit zur kollektiven Überzeugung künftiger Generationen. So lassen wir die Welt wie sie ist. Aber wir verändern sie nicht. Wir lassen sie verfallen. So leben wir nicht unsere Daseinsfreude. Aber erinnere dich: Wir wollen aber die Welt verändern! Wir wollen unsere Daseinsfreude leben …

Grund- und bedingungsloses Grundeinkommen
© Snuesch pixelio.de

Rituale, Rechte und Pflichten und die eine Ausnahme

Ein menschlich fortgeschrittenes Gemeinwesen, eine soziale Gemeinschaft mit spirituellen Einsichten, aber auch mit wirtschaftlicher Vernunft, sorgt tatsächlich dafür, dass immer weniger menschliche Wesen mit animalischer Energie um ihr Überleben kämpfen müssen. Jedes Mitglied der Gemeinschaft, jeder Neugeborene, auch jeder, der neu eingeladen wird, hinzuzuziehen, wird willkommen geheißen. Das Thema der Migration sollte würdevoll behandelt werden.

Eine Art Taufritual zur Aufnahme in eine menschliche Gemeinschaft würde sehr nützlich sein. Während eine Kirche den Täufling in ihre Konfession aufnimmt, soll der Staat den Neuaufzunehmenden mit einer kleinen Feier in der großen, säkularen Gemeinschaft eines freiheitlichen Sozialwesens willkommen heißen. Das Standesamt macht das ohnehin schon längst in unserer Gesellschaft, beispielsweise bei Hochzeiten. Da wird ja nicht nur ein Vertrag unterzeichnet, sondern gleichzeitig eine kleine Feierlichkeit begangen mit einer bestimmten rituellen Abfolge.

Das Recht zu leben, das Recht, eine gesicherte Existenz zu haben, braucht durch keine Leistung bezahlt werden

Hier stellt sich sogleich die Frage, ob bei einer Aufnahme in eine Gemeinschaft die Rechten und Pflichten des Individuums genannt werden sollten. Das kann durchaus sinnvoll sein, wenn auch in einer sehr knappen und grundsätzlichen Form. Denn mit der Praxis der Rechte und Pflichten wird man ohnehin konfrontiert durch die Verfassung und die Anwendung der Gesetze eines Gemeinwesens. Ein Recht hat in der Regel eine Pflicht als Gegenleistung, eine Pflicht in der Regel einen Ausgleich durch ein Recht. So funktioniert das soziale Leben überall. Nur eine Ausnahme gibt es, und dies ist sehr wichtig, zu verstehen:

Das Recht zu leben, das Recht, eine gesicherte Existenz zu haben, braucht durch keine Leistung bezahlt werden! Der sicher bevorstehende Tod eines jeden geborenen Wesens ist bereits die Gegenleistung für das Leben. Diese wird aber offensichtlich nicht einem Menschen dargebracht, sondern dem Leben selbst.

Ein wenig sadistisch ist es schon, wenn wir meinen, wir müssten einem Menschen durch Drohung und Schmerzen erleben lassen, dass er sich für sein persönliches Überleben schon recht anstrengen müsse

Würden Faulheit und Missbrauch überwiegen?

Das Argument, dass Faulheit und Antriebslosigkeit uns Menschen in hohem Maße überfallen würden, wenn wir für unsere leibliche Existenz nicht mehr kämpfen müssten, das Argument des Missbrauch all derer, die sich bequem und unrechtmäßig auf den Wohltaten eines sozialen Organismus ausruhen würden, ist in Wahrheit ein Argument des Neides und ein Argument der Missgunst. Menschen, die so argumentieren, mangelt es an Glauben und Vertrauen in die schöpferische Kraft des Menschen, an den Willen zum Guten im Menschen. Letztendlich würden wir immer in Unmündigkeit verharren, wenn wir nicht den Glauben an etwas Neues, Gutes, Machbares in uns hätten, der uns den Mut gibt, das, was noch nicht vorhanden ist, zu schaffen.

Ein wenig sadistisch ist es schon, wenn wir meinen, wir müssten einem Menschen durch Drohung und Schmerzen erleben lassen, dass er sich für sein persönliches Überleben schon recht anstrengen müsse. Sollte ein Mensch am Leben verzweifeln oder aus eigener Kraft keinen Lebensantrieb mehr schaffen kann, gibt es dafür spirituelle, sozialpädagogische, therapeutische und medizinische Hilfe.

Wir würden genusssüchtig werden, wir würden entmenschlichen, das ist das Argument derer, die es »gut meinen« mit uns. »Wir müssen Leidensdruck spüren, um uns zu verbessern.« Ja, dieses Argument ist nicht von der Hand zu weisen, nur gilt es nicht, wie wir gesehen haben, wenn es um ein gesichertes Überleben geht.

Kein Kommunismus

Eine Gemeinschaft mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen ist kein Kommunismus, wie wir ihn geschichtlich kennen gelernt haben. Denn im Kommunismus war ein Höherverdienst nur sehr begrenzt möglich, während in der aufgeklärten Gesellschaft, die auf einem Bedingungslosen Grundeinkommen basiert, dem Zuverdienst überhaupt keine Grenzen gesetzt sind. Jeder, der das will, kann Millionär werden.

Auch ein Millionär bezieht das Grundeinkommen. Jeder Mensch, ohne Unterschied von Reichtum, Alter, Rasse, Glaube. Eine neu auflebende Spendenkultur, wobei Spender hohes Ansehen genießen werden, kann und soll sich in der Folge entwickeln.

Es ist nicht einzusehen, dass ein Einkommen, das ein Mensch erzielt, besteuert werden soll. Das ist staatlich vollzogener Diebstahl

Paradigmenwechsel in der Steuerpolitik

Das Steuersystem muss einer gründlichen Gerechtigkeitsprüfung unterzogen werden. Da wird vieles wegfallen, was wir heute für sakrosankt betrachten und andere Steuereinnahmen werden hinzukommen, denen wir unter Umständen heute noch sehr viel Widerstand entgegenbringen.

So ist nicht einzusehen, dass ein Einkommen, das ein Mensch erzielt, besteuert werden soll. Das ist staatlich vollzogener Diebstahl. Mit seiner Kreativität, seinem Fleiß, seiner Hingabe, seiner Ausdauer oder mit seinem Glück erwirtschaftet ein Mensch ein Einkommen. Niemals darf ihm davon zwangsweise etwas wieder abgeführt werden, also etwas weggenommen werden. Dabei ist es völlig gleichgültig, wie hoch dieses Einkommen oder dieser Gewinn ist. Jede Form von Einkommensteuer muss fallen gelassen werden, denn sie ist eines freien Menschen unwürdig.

Selbst wenn man in dieser Frage jeglichen Neid für sich persönlich überwunden hat, wird man vielleicht ungläubig den Kopf schütteln und fragen, woher denn dann um Gottes Willen die Einkünfte des Staates kommen sollen, mit denen er ja schließlich das Bedingungslose Grundeinkommen für jeden finanzieren soll.

Ich sehe eine Möglichkeit darin, die Mehrwertsteuer, die der Name für eine eigentliche Konsumsteuer ist, dafür zu benutzen. Besteuert soll das werden, was für den Konsum vorgesehen ist. Und hier müssen wir wahrscheinlich mit einer hohen Steigerung des Mehrwertsteuersatzes rechnen. Wenn die Waren und Dienstleistungen erheblich teurer werden, wird sich auch das Grundeinkommen von den heutigen, sehr knapp bemessenen Grundsicherungs-Regelsätzen sehr drastisch unterscheiden. Eine vorsichtig geäußerte, langfristige Zielmarke könnten € 1500,- sein, wobei durch vernünftige Berechnungen das Grundeinkommen ständig angepasst werden muss an das sich in lebendiger Entwicklung befindliche Wirtschaftsniveau einer Gemeinschaft.

Wie all das zu rechnen ist, wie es im Zeitalter der Globalisierung, der internationalen Märkte und des Internethandels möglich ist, diese Steuer zu erheben oder vielleicht wie man neue Besteuerungen finden kann, das kann nicht Gegenstand dieser Erörterung sein. Dafür brauchen wir kreative Köpfe in Politik, Wirtschaft und Kultur, die an diesem Paradigmenwechsel in der Steuerfrage arbeiten. In meiner Erörterung geht es um etwas sehr Grundsätzliches, noch nichts Detailliertes. Erst wenn die Grundlinien eines gerechten Denkens und Empfindens klar werden, können wir zu einer Ausgestaltung in den vielfältigen Detailfragen voranschreiten. Mir ist sehr bewusst, dass dort noch manche nicht zu kleine Hindernisse stecken können, die aber mit Leidenschaft und klarer Zielausrichtung in teils mühevoller Kleinarbeit zu bewältigen sind.

Die Vision ist eine Menschheit, die arbeitet, um die eigenen Fähigkeiten nach außen wirken zu lassen, um zu helfen, um kreativ zu sein

Eine Vision

Wir setzen uns unsere Ziele selbst. Wir arbeiten an dem und für das, was wir lieben. Die Vision ist eine Menschheit, die arbeitet, um die eigenen Fähigkeiten nach außen wirken zu lassen, um zu helfen, um kreativ zu sein. Jeder wird das Betätigungsfeld finden, worin er in Liebe arbeiten kann. Manche Menschen werden vielleicht sogar äußerlich nichts tun wollen, sie wollen denken, träumen, vielleicht auch Dinge aufschreiben oder mit Worten kommunizieren. Jeder tut irgendetwas Nützliches. Auch die sogenannten Behinderten. Über die Vorzüge, in einem solchen freiheitsliebenden Staatsgebilde zu leben, kann man sehr dankbar sein.

Ein kreativer Schub wird durch das Land gehen, ein Aufatmen wird da sein. Wir werden kreative Ressourcen in uns wecken. Jeder Mensch wird das tun können, was er liebt zu tun. Auch schwere Arbeit gehört dazu, denn man kann auch lieben, etwas Schweres zu tun. Aber man wird nicht mehr gezwungen dazu. Künstler werden nicht mehr um ihre Existenz besorgt sein müssen. Der Arbeitsmarkt wird ungemein belebt werden, es wird Minijobs geben, eine große Beweglichkeit bei der Arbeitssuche, reichhaltige Angebote.

Studiengebühren werden als kompletter Witz abgetan werden, denn einem Studenten, der ja wahrlich genügend Leistung bringt, wird man nicht auch noch Geld aus der Tasche ziehen wollen. Wir werden glücklichere Gesichter auf den Straßen sehen. Bald wird das Bedingungslose Grundeinkommen eine Selbstverständlichkeit sein, die niemand mehr in Frage stellt, eine soziale Errungenschaft, ähnlich wie heute das Recht auf Streik und Arbeitskampf. Allerdings werden die heute gebräuchlichen Formen des Arbeitskampfes bald überaltert sein und wie Dinosaurier aussterben.

Neue Gemeinschaften werden entstehen, sowohl über das Internet als auch im konventionellen Sozialwesen. Neue Formen von Bezahlung werden entstehen, Tauschbörsen werden florieren, freie kleine Märkte, kurzfristig und unbürokratisch einberufene Märkte, ähnlich den Flohmärkten, nicht nur an öffentlichen Plätzen, sondern auch im Internet, werden enorm zunehmen. Was heute noch zu wenig gewürdigt wird, wie beispielsweise die Arbeit von Erzieherinnen und Lehrern, und auch viele andere Dienstleistungen, wird eine neue Blüte erfahren und besser entlohnt werden. Auch die Arbeit von Müttern und Hausfrauen wird eine neue Würdigung erhalten, was sich allmählich auch in Geldlohn manifestieren wird. Man wird Freude haben, für andere Menschen Dinge zu tun, weil man dadurch nicht eigenen Schaden erleiden muss, das heißt, dass "wichtige Arbeitszeit" verloren ginge. Bis jetzt unterschieden wir noch zwischen sinnvoller Arbeit, weil sie uns Geld bringt, und vergeudeter Arbeitszeit, weil sie uns kein Geld einbringt.

Wie erziele ich ein Einkommen?

Die irrige Vorstellung, dass der Wert von Arbeit am erzielten Einkommen ablesbar ist oder moralisch bewertet werden kann, wird fallen. Es wird eine Trennung geben: Eine Leistung erbringen und ein Einkommen erzielen, sind zwei verschiedene Dinge. Mit der Zeit allerdings wird sich diese Trennung wieder aufheben, denn wir werden alle Leistungen entlohnen, so der Betreffende das will.

Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt werden sich ausgleichen. Ein Mensch, der eine Arbeit sucht, wird sich umsehen, was denn gefragt ist, und jemand, der eine Arbeitsleistung anbietet, wird sich umsehen, wo seine Leistung denn gefragt ist. Da der Arbeitsmarkt lebendiger wird, muss es nicht mehr so lange Wartezeiten geben. Die große Frage ist: Wie erziele ich ein Einkommen mit dem, was ich gern tue? Und die jeweils neu erstehende Frage wird da sein: Verschenke ich meine Liebestaten, mein Produkt, meine Dienstleistung, oder verkaufe ich sie?

Ein Einkommen wird durch Verhandlung erzielt. Der Anbietende verhandelt mit dem potenziellen Konsumenten der Leistung oder der Ware um den Preis. Gewerkschaften und Betriebsräte tun dies auch heute schon durch Verhandlungen mit den Arbeitgebern bzw. Arbeitgeberverbänden, auf kollektive Art und Weise. Bald wird dies immer mehr individuelle Praxis werden. Die Frage, wie hoch ein Einkommen oder ein Preis werden soll, ist eine variable. Hier wird größte Achtsamkeit aufgebracht werden müssen.

Eine Arbeit, die der Einzelne zu leisten haben wird, ist die Arbeit an den inneren Dämonen des Neides, des Misstrauens, der egozentrischen Sorge um das nur eigene Überleben

Beispiele aus anderen Kulturen

Und wie erziele ich einen Preis oder ein Einkommen für meine Arbeit oder meine bloße Existenz? Denn ich kann mich auch auf die Straße setzen und durch meine gütige Ausstrahlung, mein Lächeln eine Menge Leute anziehen, die mir sogar Geld zuwenden, sei es, dass sie es mir ins Körbchen werfen oder per Bank überweisen. Heilige und Philosophen haben das auch in der Vergangenheit schon immer praktiziert. Die buddhistischen Mönche, die einmal am Tag ihr Kloster verlassen und mit ihrer leeren Essensschale durch die Straßen gehen und mit voller Essensschalen wieder in ihr Kloster zurückkehren, sind in Thailand, Sri Lanka und anderen südostasiatischen Ländern ein gewohnter Anblick. Sie werden von den Menschen, die sie für ihre beschauliche, meditative Lebensweise verehren, gut und sicher ernährt. In jedem Sikh-Tempel in Indien gibt es den Brauch, dass ein Pilger – und der Pilgerstatus wird nicht überprüft – zweimal am Tag eine warme Mahlzeit erhält, allerdings nur für zwei Tage hintereinander. Man könnte so, indem man von Tempel zu Tempel reist, nicht verhungern.

Gratisküchen wird es bald auch bei uns in größerem Umfang geben. Es wird keine Schande mehr sein, da hin zu gehen. Ein verantwortliches Abwägen, ob es wirklich notwendig ist, wird das Gewissen schärfen und stärken. Wir sehen an den vielen Konsequenzen, die der Einsatz für ein Bedingungsloses Grundeinkommen mit sich bringt, welche Veränderungen in der Gesellschaft vorgehen werden und was dies auch für den Einzelnen bedeutet. Eine Arbeit, die der Einzelne mit Sicherheit zu leisten haben wird, ist die Arbeit an den inneren Dämonen des Neides, des Misstrauens, der egozentrischen Sorge um das nur eigene Überleben. Wir werden gemeinschaftlich denken und fühlen müssen, oder wir werden gemeinschaftlich untergehen.

Franz Lang

Franz Lang, geb. 1952, ist Erziehungs- und Paarberater und Spiele-Leiter. Seit Januar 2008 macht er zuerst mit Pamela Behnke und seit 2010 mit Leena Luna die Redaktion des monatlichen Tantra-Newsletters von connection. Er leitete tantrische Jahresgruppen und schreibt an Büchern.

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