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Wirtschaft/Politik

»Dialog im Dunkeln« gewinnt Deutschen Gründerpreis

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Dialog im Dunkeln gewinnt Deutschen Gründerpreis
Prof. Dr. Andreas Heinecke, Foto: DPA

Der Erfolg des Unsichtbaren

Vor 20 Jahren startete eine einzigartige Schau von Hamburg aus ihren Siegeszug um die Welt. Mittlerweile lassen sich jährlich 500.000 Sehende von Japan bis Brasilien in die Welt blinder Menschen entführen. Bei »Dialog im Dunkeln« lernen die Besucher, was es heißt, nichts zu sehen – und vieles andere mehr. Jetzt ist der Initiator der Idee, Prof. Dr. Andreas Heinecke, Honorarprofessor am Lehrstuhl für Social Business der EBS Business School, mit dem Sonderpreis des Deutschen Gründerpreises 2011 ausgezeichnet worden...

Mit dem Deutschen Gründerpreis zeichnen die Zeitschrift »stern«, die »Sparkassen«, das »ZDF« und »Porsche« einmal im Jahr Unternehmen in den unterschiedlichen Phasen ihres erfolgreichen Bestehens - vom StartUp-Unternehmen bis zum Lebenswerk - aus und würdigen damit beispielhafte Leistungen beim Aufbau neuer Unternehmen in Deutschland.

Verborgenes Potential

Heinecke hat seine Dialogue Social Enterprise GmbHbereits vor 20 Jahren begründet. Es war ein Schicksalsschlag, der Andreas Heinecke auf die Idee brachte, dass ein Austausch zwischen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung verborgenes Potenzial freisetzt. Ein Arbeitskollege von ihm hatte einen Unfall und verlor sein Augenlicht. »Ich wurde beauftragt, ihn ein Jahr lang auszubilden«, erzählt der Gründer von »Dialog im Dunkeln«, der damals als Dokumentarfilmer beim Sender SWR beschäftigt war.

Zunächst habe er den Mann bemitleidet. »Ich war in den typischen Klischeevorstellungen verhaftet. Ich dachte, dass die Blindheit ihn zu einem weniger leistungsfähigen Menschen degradiert.« Doch durch die Arbeit mit ihm begriff er, dass das Gegenteil der Fall ist. »Ich war beeindruckt, welch sensible Wahrnehmung Blinde entwickeln.« Er schloss daraus: Behinderungen eröffnen Möglichkeiten, der Austausch zwischen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung setzt verborgenes Potenzial frei. Also rief er den »Dialog im Dunkeln« ins Leben: Ausstellungen, bei denen Sehende am eigenen Leibe erfahren, wie es Blinden in einer Welt ohne Licht ergeht. Auch »Dinner in the Dark«, ein Abendessen im Dunkeln, gehört zum Konzept, und längst denkt er darüber nach, wie Menschen mit und ohne Gehör fruchtbar zusammenarbeiten können.

Eine Erfolgsstory

In der von ihm geschaffenen Ausstellung führen blinde Menschen das Publikum durch völlig dunkle Räume. Die Ausstellung wurde bisher in 34 Ländern gezeigt und verhalf mehr als 7.000 blinden Menschen zu Einkommen und Anerkennung. Rund 7 Millionen Menschen haben den »Dialog im Dunkeln« erlebt und ihre Einstellung zu behinderten Menschen verändert. In Hamburg wurde die Ausstellung im Jahr 2000 fest installiert und lockt seitdem jährlich rund 75.000 Besucher an. Das Jahresbudget des sozialen Unternehmens in der Hansestadt, in dem mittlerweile über 80 Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen arbeiten, bezifferte Heinecke auf 1,5 Millionen Euro. »Dialog im Dunkeln« ist eine Ausstellung, aber auch ein Management-Programm zu Kommunikation, Leadership und Teamentwicklung.

Dialog im Dunkeln gewinnt Deutschen Gründerpreis
Die Ausstellung »Dialog im Dunkeln« ist eine Erfolgsgeschichte

Social Business

»Das Unternehmen«, so die Begründung der Jury für die Auszeichnung, »vermittelt es, Behinderung nicht als Behinderung wahrnehmen zu lernen, sondern als andere Lebensweise, die andere Fähigkeiten hervorbringt, die ohne Beeinträchtigung nicht aktiv sind.«

»Wir gratulieren Prof. Heinecke von Herzen zu dieser besonderen Auszeichnung und sind stolz darauf einen so verdienten Social Entrepreneur in unseren Reihen zu haben!«, betont EBS-Präsident Prof. Rolf D. Cremer. »Es ist beeindruckend, was er in den letzten 20 Jahren mit »Dialog im Dunkeln« geleistet hat. Umso mehr freuen wir uns, dass er seine Expertise und seine Erfahrung nun auch an unserem Danone Stiftungslehrstuhl für Social Business einbringt. Er ist für die EBS eine große Bereicherung.«

Der Lehrstuhl für Social Business an der EBS Business Schoolbildet ein in Deutschland einzigartiges Kompetenz- und Forschungszentrum für innovative soziale Geschäftsmodelle, die darauf ausgerichtet sind, durch unternehmerisches Handeln soziale Problemstellungen zu lösen. Ziel ist es, die Forschung auf dem Gebiet des Social Business voranzutreiben und neue unternehmerische Ansätze auch für Industrieländer zu entwickeln.

 

 
   
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