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Bild: refunite

Neues Internetportal hilft Flüchtlinge und Vertriebene zu finden

Weltweit ist das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) in Genf für 32,9 Millionen Flüchtlinge zuständig, dazu kommen noch die Vertriebenen, deren Zahl niemand genau kennt. Für diese Menschen, deren Leid unsagbar ist, haben die Kopenhagener Brüder David und Chris Mikkelsen ein Internetsuchportal kreiert, die es Illegalen und auseinander gerissenen Familien erlaubt, anonym und grenzüberschreitend nach ihren Angehörigen zu suchen.


Bild: pixelio

»Facebook«, »Myspace«, »YouTube«, überall sprießen die sozialen Netzwerke wie Pilze aus dem Boden, jeder sucht jeden, aber was für gesättigte Mittelständler und frustrierte Singles möglich ist, ist den vielen Flüchtlingen und Staatenlosen in aller Welt verwehrt. Die müssen sich mühsam mit den Behörden auseinandersetzen, fallen auf die abenteuerlichen Praktiken von überteuerten Schlepperbanden herein und müssen oft jahrelang in der Ungewissheit leben, ihre Angehörigen niemals wieder zu sehen: Nachdem die dänischen Brüder David und Chris Mikkelsen privat mit einem Flüchtlingsschicksal zu tun hatten, kamen sie auf die Idee, eine Art »Google« für Flüchtlinge zu entwickeln, das man nicht hacken kann und wo Anonymität großgeschrieben wird: »Mit googlen kommt man bei Flüchtlingen nicht weit. Diese Menschen verwenden viel Energien darauf, nirgends Fährten zu hinterlassen und den Behörden aus dem Weg zu gehen. Wir haben zwei Jahre lang eine Suchmaschine entwickelt, die es den Unsichtbaren ermöglicht, einander Zeichen zu geben, dass man am Leben ist. Man trägt in die Maske von Refunite weder seinen Aufenthaltsort noch seinen Namen ein, sondern sagt nur, woher man kommt, wie alt man ist, das Geschlecht und das wievielte Kind. Dazu kann man noch Details angeben, die nur die Familie weiß wie zum Beispiel wie hieß die erste Katze.«

Zwei Jahre lang haben die Brüder an der Plattform gearbeitet, und überall rannten sie offenen Türen ein: beim UNHCR in Genf, beim Roten Kreuz, bei Google und auch bei Western Union, über deren 48.000 Filialen die m eisten Flüchtlinge ihre Geldgeschäfte abwickeln. Wie bei vielen guten Ideen wundert man sich, dass noch keiner früher auf die Idee gekommen ist: »Aber vielleicht liegt das auch daran, dass man Flüchtlinge oft als hilflose Bettler ansieht, denen man Jahr um Jahr Decken und Milchpulver reicht, damit man sich um das soziale und psychische Elend keine Gedanken zu machen braucht. Wir geben diesen Menschen jetzt die Möglichkeit, das sie selbständig ohne Behördenhilfe auf die Suche nach ihren Angehörigen gehen können«, erklären die Brüder.

Quelle: süddeutsche.de

   
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