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Wirtschaft/Politik

Die Bundestagsergebnisse und die Konfessionen

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Die Bundestagsergebnisse und die Konfessionen
© Matthias Köhler pixelio.de

Die Linke ist die klassische Partei für konfessionslose Wähler

Die Linke erweist sich immer mehr als klassische säkulare Partei, und zwar in Ost und West. Laut einer Untersuchung des FORSA-Instituts sind 64 Prozent ihrer Wähler konfessionslos, also fast exakt doppelt so viele wie im Durchschnitt aller Wähler.

Dabei fällt auf, dass die Wähler der Linken zwar ein unterdurchschnittliches Einkommen, aber den höchsten Bildungsstand besitzen: 50 Prozent haben Abitur. Dies bestätigte sich auch bei der Bundestagswahl, wo die Linke unter den Katholiken nur 6 und bei den Protestanten 9 Prozent erhielt. Auf das Gesamtergebnis von 11,9 Prozent hievten sie die Konfessionslosen, wo die Linke mit 23 Prozent sogar stärkste Partei wurde.
Auch im Westen (wo die Linke in absoluten Zahlen inzwischen deutlich mehr Wähler als im Osten hat) gilt dieser Trend: Hätten bei der Landtagswahl im Saarland nur die Kirchenfreien gewählt, wäre die Linke auch dort mit 31 Prozent die stärkste Partei. Da die Evangelischen aber nur zu 23 und die Katholiken nur zu 17 Prozent links wählten, kam die Partei insgesamt »nur« auf knapp 22 Prozent.

Unter den übrigen Parteien schnitten nur die Grünen (10,7 Prozent bei den Bundestagswahlen) bei den Konfessionsfreien überdurchschnittlich gut ab: Sie erhielten dort 13, bei den kirchengebundenen Wählern aber nur 11 (evangelisch) bzw. 9 (katholisch) Prozent. Der FDP (14,6 Prozent) bekam ihre Abwendung von ihrem früheren Kirchenpapier nicht gut. Während sie bei den Anhängern beider Kirchen 15 Prozent der Stimmen erhielt, waren es bei den Konfessionsfreien nur 13. Die SPD schnitt dort mit einem Anteil von 21 Prozent zwar besser ab als bei den Katholiken (18 Prozent), aber schlechter als bei den Protestanten (28 Prozent) und im Gesamtdurchschnitt (23,0 Prozent). Die CDU/CSU (insgesamt 33,8 Prozent) lag bei Katholiken (mit 46 Prozent) zwar immer noch gut, aber schon bei Evangelischen unter ihrem Durchschnitt (31 Prozent). Dass sie bei Konfessionslosen immer noch 22 Prozent erhielt und dort sogar einen Prozentpunkt besser als die SPD lag, gibt zu denken.

Die Bundestagsergebnisse und die Konfessionen
© Stephanie Bröge pixelio.de

Deutliche Kritik am Wahlerfolg der Linken übte der EKD-Ratsvorsitzende Huber, der vor einem »Auseinanderdriften der Gesellschaft« warnte. Sein Hinweis auf »viele ehemalige SED-Mitglieder« trifft für die Bundestagsfraktion der Linken jedoch nicht mehr zu; von den 76 Mitgliedern kommen zwei Drittel aus dem Westen. Überdies sind die meisten auch ziemlich jung: Nur acht sind älter als Jahrgang 1950, darunter nur zwei aus dem Osten.
Auch die katholische Kirche ging auf Distanz zu den Linken. Direkt vor den Wahlen sagte der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin, Prälat Karl Jüsten, eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei sei für die katholische Kirche problematisch. Erst wenn DIE LINKE »ihr Verhältnis in der damaligen DDR zu den Menschenrechten« geklärt habe, insbesondere aber auch wie sie mit den Kirchen und mit den Christen in der DDR umgegangen ist, kann sie für uns in Frage kommen, so der Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin. Bei der programmatischen Ausrichtung der Linkspartei warnte Jüsten vor Populismus und nannte als Beispiele die Forderung nach dem Rückzug aus Afghanistan. Dass ein erheblicher Teil der Linken mit der SED aus Alters- oder aus geographischen Gründen gar nichts zu tun hat, unterschlug der Prälat ebenso wie das Verhältnis seiner eigenen Kirche zu den Menschenrechten.

Erzbischof Zollitschs Zorn traf auch andere: Er äußerte seinen Unmut über den Wahlkampf von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier deutlich. »Ich vermisse die Besinnung auf die zentralen christlichen Werte«. Was diese in einem säkularen Staat zu suchen haben, wollte der Chefkatholik nicht erläutern.
Die organisierten Konfessionsfreien haben weiterhin zwei Vertreter im Bundestag. Zwar schied das HVD-Mitglied Rolf Stöckel (SPD) aus, aber dem Bund für Geistesfreiheit (bfg) gehört neben dem bayerischen SPD-Landesvorsitzenden Florian Pronold auch der Augsburger Linke Alexander Süßmair an, der säkulare Positionen bisher sehr engagiert und kenntnisreich vertreten hat.

Quelle. Humanistischer Pressedienst

   
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