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Connection-Blog

Marianne Gallen, Torsten Brügge und Wolf Schneider bloggen zu den Themen Spiritualität, Psychologie und Bewusstseinsentwicklung.

Torsten Brügge

Torsten Brügge schreibt über befreiende Spiritualität und psychospirituelle Bewusstseinsentwicklung.

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Liebe Leser,

vorweg: Ich bin wahrhaftig kein Geld- und Wirtschaftsexperte und werde es wohl auch nie werden. Dennoch möchte ich mit diesem Blogeintrag dazu einladen, das Thema "Wirtschafts- und Geldsystem" aus verschiedenen (spirituellen) Perspektiven  zu beleuchten. Dies passt auch zur gerade aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Connection spirit mit dem Titel "Wachstum ohne Ende? Nein: Werde, der du bist!". Dort gibt es viele interessante Stimmen dazu. Der Entwurf für diesen Blogbeitrag, entstand aber schon früher.

Mir scheint die Beschäftigung mit  unserer aktuellen westlichen Wirtschaftsordnung, deren Dynamiken und Folgen, ein wichtiges Thema zu sein. Gerade Menschen mit einer spirituellen Ausrichtung, die die Bereitwilligkeit haben Altgewohntes zu hinterfragen, können hier neue Sichtweisen entdecken und zu einer „Aufklärung“ in diesem Bereich beitragen, die vielleicht auch Auswirkungen auf breitere gesellschaftlichen Schichten haben könnte. 

Bei dieser Hinterfragung gibt es (mindestens) zwei grundsätzliche Perspektiven: Die innere und die äußere. Erstere beschäftigt sich mit dem unmittelbaren Erleben von Glaubensmustern, Einstellung, Identitätsempfinden, Gefühlen, Motivation -  also all dem was "innerlich abgeht". Letztere befasst sich mit äußeren Faktoren: Systemen, Gesellschaftsstrukturen, Wirtschaftsordnungen, Geldsystemen, Institutionen und der Wechselwirkung all jener Elemente.

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Auf meinen letzten Blogeintrag über "Wert und Gefahr von Typologien in der psycho-spirituellen Entwicklung", auf den ich auch in der Facebook-Gruppe "Satsang - erwachte Begegnungen" hinwies, gab es dort von Jemandem den kurzen Kommentar: "WAS?????".

Natürlich weiß ich nicht, was mit diesem eigentlich nichts-sagenden Kommentar gemeint ist, hatte aber eine Ahnung, was er meinen könnte, nämlich die Überraschung oder das Entsetzen, dass man sich in Satsang-Kreisen überhaupt mit Typologien beschäftigt. Um das zu erläutern, gab es dann von mir folgende Antwort auf den Kommentar:

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Leere und Fülle – die beiden Geschmäcker des einen Seins
Ein kleiner Reisebericht aus der Höhle des heiligen Vashishta


Wie auch mit unseren vorigen Retreat-Gruppen besuchten wir auf unserer Indienreise an den Ganges im Februar dieses Jahreseinen sehr besonderen Ort in der wilden Natur nördlich von Rishikesh. Dabei handelt es sich um die „Vashishta Cave“, die Höhle des Vashishta (ausgesprochen: „Waschischta“). Ihren Namen trägt die Höhle, weil der Sage nach hier auch der heilige Vashishta gelebt haben soll. Er wird in der berühmten hinduistischen Schrift „Yoga Vashishta“ erwähnt. Darin unterweist der Vashishta seinen Schüler, den Prinzen Rama, in der Philosophie des Advaita Vedanta, welche die illusorische Natur der manifesten Welt und das Prinzip der Nicht-Zweiheit betont.

Ganga Vashishta Cave
Tatsächlich bietet allein die Beschaffenheit der Höhle und ihrer Umgebung ein vorzügliches Lehrstück spiritueller Erkenntnis. Für mich werden hier jene Polaritäten auf besonders eindrucksvolle Weise bewusst, die in beinahe jeder mystischen Tradition Erwähnung finden: Leere und Fülle. Und vor allem wird an diesem Platz deutlich, wie beide Pole als Ausdruck desselben Seins erfahren werden können.
Da gibt es einmal die eigentliche Vasishta-Höhle. Im steil aufragenden Fels nahe dem Gangesstrand sieht man den dunklen Eingang zur Höhle. Ungefähr so hoch, dass man leicht geduckt darin stehen kann, und etwa gleich breit führt ein schmaler Gang 30 Meter tief ins Gestein hinein. Erst ganz am Ende dehnt sich die Höhle in eine nur wenig breitere und höhere Arena  aus.
In die Höhle hineinzugehen ist ein kleines Abenteuer. Man zieht die Schuhe aus und stapft in die totale Finsternis. Licht von Taschenlampen, Kameras und Handydisplays ist unerwünscht, deshalb bleibt es zunächst rabenschwarz. Man ist sich nicht ganz sicher, ob der nächste kleine Schmerz in der Fußsohle bloß von einem spitzen Steinchen oder einem giftigen Skorpion herrührt oder ob man durch einen ungeschickten Schritt vielleicht gleich einer Gruppe in der Höhle still Meditierender auf die Füße tritt oder in sie hineinstürzt. Erst ganz hinten in der Höhle zeigt sich gedämpftes Licht. Wenige leuchtende Öllämpchen bescheinen schwach ein paar kleine Heiligen-Statuen und eine bizarr geformte, grauschwarze Felswand. Im Rachen eines Tigers könnte es ähnlich aussehen.
Noch interessanter aber ist die spirituelle Atmosphäre, die dieser Ort ausströmt. Und in deren Bann man gezogen wird, sobald man stehen bleibt und die Höhle auf sich wirken lässt. In der buddhistischen Meditationspraxis wird empfohlen, „die Tore der Sinne zu verschließen“, um sich in tiefe, innere  Versenkung zu begeben. Genau das scheint in der Höhle ganz von allein zu geschehen. Der massive Fels rundherum gewährleistet eine komplette Abschottung von der Außenwelt. Licht fällt hier nicht herein. Geräusche von Menschen oder Natur werden abgedämpft. Alles verstummt hier. Setzt man sich dann noch hin, um ganz in die Stimmung dieses Ortes abzutauchen, scheint es, als würden auch alle anderen Sinnesempfindungen weiter ausgelöscht werden. Das gilt auch für das Denken – welches übrigens in der buddhistischen Psychologie tatsächlich zu den Sinnesempfindungen gerechnet wird. Es ist, als ob unser sonst so schnell laufender und umherspringender Verstand hier in schwarzen, zähen Asphalt tappt. Er kann nicht anders: Er wird ausgebremst. Er wird langsamer. Er kommt zur Ruhe. Er hält an. Und mit dem Denken verschwinden auch sämtliche Eindrücke des Körpers und der Welt.
Was bleibt noch übrig, wenn weder Sinne noch Denken aktiv sind, wenn es nichts gibt, das gefühlt, gespürt oder über das nachgedacht werden könnte? Im Sanskrit wird dies als Nirvikalpa Samadhi (formlose Versenkung) bezeichnet und als ein für spirituelle Selbsterkenntnis äußerst wertvoller Bewusstseinszustand erachtet. Ein meditativer Zustand der inneren, sich frei anfühlenden vollkommenen Leere. Doch „innere Leere“ stimmt hier nicht ganz. Denn auch die gedankliche Trennung von „innen und außen“ fällt in diesem Zustand weg. Es handelt sich also um ein bewusstes, grenzenloses Nichts.
Worte bleiben letztlich unzulänglich, um die Tiefe solch einer „Leerheits-Erfahrung“, die auch eine „Nicht-Erfahrung“ ist, genau zu erfassen. Ein Teilnehmer des Retreats muss allerdings einen Geschmack davon bekommen haben. Er berichtete später: „Es war erstaunlich. In der Höhle fühlte sich alles leer und zugleich vollkommen durchlässig an. So als existiere auch der Fels, der uns umgab, in Wirklichkeit gar nicht.“
Im Kontrast zu der Leere im Inneren der Höhle entfaltete sich beim Verlassen des Dunkels überschwängliche Fülle. Nur ein paar Schritte, und man befindet sich an einem der zauberhaften Strände des Ganges (siehe Fotos). Hier, nördlich von Rishikesh, zeigt sich der Fluss noch mit seinem ursprünglichen, naturbelassenen Gesicht. Sein Bett und seine Ufer haben einen ganz eigenen Zauber. Der Sand an den Stränden ist feinkörnig, wie an einem perfekten Badestrand, ganz weiß und zusätzlich mit winzigen, silbern glitzernden Körnchen versehen. An den Ufern findet man Gestein jeder Größe. Angefangen von riesigen über mannsgroße Felsblöcke bis hin zu winzigen Kieseln. Die meisten Steine sind durch das Wasser feingeschliffen und haben handschmeichelnde Oberflächen. Steinestreicheln könnte hier zu einem genussvollen Hobby werden.
Durch die regelmäßigen kraftvollen Überschwemmungen während der Schneeschmelze in den höheren Regionen des Himalaya ordnen die Fluten des Ganges jedes Jahr die Strände und Steinhaufen auf neue Weise an – jedes Mal mit dem perfekten Schwung von Wildheit und Weichheit, die natürliche Wassermassen auftragen. Am Ufer ragen steile Hügel in die Höhe. Begrünt mit allerlei Bäumen und Sträuchern. Aber nur so hoch, dass man fast den ganzen Tag die Sonne Indiens direkt am Strand genießen kann.
Durch all das zieht die heilige Ganga (der Gangesfluss) ihre mäandernden Bahnen. Unglaubliche Wassermassen strömen aus dem Himalaya mit beachtlicher Geschwindigkeit und unberechenbaren Strömungen bergab. Manchmal ohne jedes Geräusch. Manchmal über Stromschnellen mit einem solchen Getöse, dass man in ihrer Nähe kein anderes Geräusch als das Donnern und Grollen der wild auf Stein stoßenden Wassermassen hören kann.
Meist zeigt sich der Fluss in türkisen Tönen, welche unter manchen Lichtverhältnissen wie außerirdisch wirken. Zu anderen Zeiten, wenn sich die ausgeschwemmten Erden und Gesteine aus unterschiedlichen Zuflüssen verschiedenartig mischen, färben sich die Fluten aus der Ferne betrachtet in ein sanftes Braun. Geht man nah heran, wirkt das Wasser aber immer glasklar. Der Fluss ist so sauber, dass man in dieser Gegend – auch als Westler – sorgenfrei baden kann. Es ist eine wunderbare Erfrischung und ein Segen nach dem Aufenthalt unter der heißen Sonne Indiens, ein Bad in dem kalten Wasser von Ganga zu nehmen und sich auf einem der glatt geschmirgelten Steine wieder trocknen und wärmen zu lassen. Vielleicht lässt sich dann noch einer der vielen Fischreiher ein paar Steine weiter nieder. Mit vollkommener Geduld und Konzentration beobachtet er reglos die vorbeischwimmende Beute. Und mit einem pfeilgenauen, blitzschnellen Zustechen seines Schnabels hat er sie schon erlegt und genießt das Festmahl. In so einem Augenblick könnte meinen, man wäre in der Urzeit gelandet .
Der heilige Vashishta muss auch die Fülle der Natur geliebt haben, wenn er aus seiner Höhle trat und seine innere Versenkung im Nirvikalpa Samadhi in einen Genuss der Erscheinungen im Savikalpa Samadhi überging. Savikalpa Samadhi ist eine meditative Versenkung „mit Formen“ (Kalpas). Sie tritt zum Beispiel bei der intensiven Betrachtung eines Steines, einer Pflanze oder eines Tieres in Erscheinung – oder in der andächtigen Betrachtung des stetig dahinfließenden Ganges. Dabei richtet sich der Geist so sehr auf ein Objekt aus, dass es keinen Raum für Grübeleien, Sorgen, Erinnerungen oder Pläne gibt. Geht diese Versenkung tief, verliert sich der Eindruck von Betrachter, Betrachtung und Betrachtetem. Was bleibt, ist das reine, ichlose Bewusstsein mit dem jeweiligen Inhalt. In dieser Qualität kann sämtliche Vielfältigkeit der Erscheinungen mit gleichmütiger Glückseligkeit gekostet werden.
An Vashishtas Gangesstrand zeigt sich die unbeschreibliche Vielfältigkeit und Schönheit der Erscheinungswelt deutlich. Man kann die Fülle nicht übersehen. Man wird von ihr ergriffen. Die Fülle ist genauso ein Zugang zu spiritueller Tiefe wie die Leere. In den spirituellen Traditionen des Ostens wird das am deutlichsten bei den diesseitsbejahenden tantrischen Ausrichtungen von Hinduismus und Buddhismus. Hier wird gerade das unmittelbare sinnliche Erleben als Zugang zu spirituellem Erleben genutzt. Man könnte sagen, hier geht es darum, „die Tore der Sinne vollständig zu öffnen“, um sich von der göttlichen Energie der Welt ganz durchströmen zu lassen. Auch auf diese Weise wird deutlich, dass es kein Ich innerhalb der Sinnestore gibt, sondern nur reines Gewahrsein, welches alle Erfahrungen hervorbringt, um sie selbst kosten zu dürfen.
Am Anfang unserer Entdeckung spiritueller Tiefe scheinen Leere und Fülle, Sinnesverzicht und Sinnesgenuss, selige Dunkelheit und strahlendes Licht wie Widersprüche daherzukommen. Bis wir merken, dass beide Pole gleichrangige Spielarten des Seins sind. Wir können uns in beiden verlieren und wir dürfen uns in beiden selbst wiedererkennen. Je umfassender unsere Erkenntnis wird, desto mehr wird uns die Gleichwertigkeit und Gleichzeitigkeit beider Aspekte bewusst. Und dann dürfen wir sogar diese letzte Unterscheidung in „Leere und Fülle“ beiseitelassen und sie als „Eins ohne ein Zweites“ kosten.
So eröffnet sich uns, was Sri Ramana Maharshi „Sahaja Samadhi“ genannt hat. Das ist die „natürliche Versenkung“, die als unsere wahre Natur immer gegenwärtig ist. Im Vordergrund mögen Formen und Zustände der Fülle auftauchen. Sie wechseln sich mit Formlosigkeit und Zuständen der Leere ab. Im Hintergrund bleibt das absolute Bewusstsein als natürlicher Frieden unangetastet. Hört sich das nach etwas Besonderem an? In Wirklichkeit ist es das Einfachste und Natürlichste überhaupt. Es ist das stille Bewusstsein, welches als der Zeuge aller Denkaktivität immer in uns ruht und nichts zu verstehen braucht. Es ist der natürliche Frieden des Seins, der  – egal wie oft wir uns im emotionalen Drama unseres kleinen Ichs verloren haben – geduldig auf seine Wiederentdeckung wartet. Es ist das große Nicht-Tun, das schon immer anwesend ist und uns endlich wieder von aller Anstrengung der Erreichens oder Vermeidens entspannt.
Eine dritte Tormetapher beschreibt die ungewöhnliche Entdeckung dieser Natürlichkeit. Die Buddhisten sprechen davon, durch „das torlose Tor“ zu gehen. Am Anfang denken wir, es gäbe ein Außen und ein Innen. Meist haben wir uns in einer nach außen gerichteten Bewegung unseres Geistes verloren. Wir gierten nach der Erscheinungswelt, hielten Teile von ihr fest oder wollten andere Teile loswerden. Dann ist es ganz natürlich, dass wir zurück nach innen wollten. Wir ahnen, dass es in unserem „Innersten“ die Ruhe einer unantastbaren Leere zu entdecken gibt. Betreten wir aber dieses Tor zum Inneren und sehen wir uns von innen her um, merken wir, dass das Tor niemals existiert hat. Jede Abgrenzung war nur eingebildet und jedes Tun, um ins Innere zu gelangen, ebenso. Jetzt fallen alle illusorischen Wände weg. Wir haben freien Blick. Es gibt nichts mehr zu tun. Nirgendwo hinzukommen. Wir sind zuhause in der Weite des Seins. Nichts wird gebraucht. Alles kann genossen werden. Und wir erkennen: Alles war schon immer aus Nichts gemacht.     

Torsten Brügge - www.bodhisat.de

 

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Rettungsaktion wegen starker Resonanz verlängert bis zum 15. Mai:

 

Liebe Leser,

ich möchte hier auch an dieser Stelle - in meinem Connection-Blog - noch mal auf die "Rettungsaktion" für die Printversion der Zeitschrift Connection spirit hinweisen.

Im folgenden findet Ihr die Grafik und unten den Text, den meine Partnerin Padma Wollf und Ich dazu, auf Facebook gepostet haben.

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 Liebe Leser,

wem meine Blogbeiträge hier auf connection.de gefallen, mag vielleicht auch die Kurztexte auf meinem Twitterkanal anschauen:
 
https://twitter.com/TorstenBruegge

Ich habe vor, in den nächsten Wochen und Monaten wieder regelmäßig zu "tweeten" und die meisten der Kurztexte auch gleichzeitig als ansprechende Grafiken zu gestalten (siehe Bildbeispiele).

Twitter Torsten Brügge

Die Texte verstehe ich vor Allem als kleine, komprimierte "Erinnerungshilfen" (im Sinne eines Er"innerns" als eines Nach-"Innen"-Gehens), welche zum Innehalten und der Entdeckung spiritueller Tiefe einladen - immer wieder frisch, immer wieder weiter, tiefer und klarer.
Bei Gefallen kann man sich diese Grafiken auch herunterladen, ausdrucken, sich irgendwo anheften, als Lesezeichen verwenden, auf dem Smartphone als Hintergrundbild einspielen - oder schlicht verbrennen und sich so für die nächste Offenbarung von Wahrheit öffnen ;-) .

 herzlichen Gruß

Torsten

 https://twitter.com/TorstenBruegge

 

 

 

 

 

 

 

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Bei unserem Besuch in Lucknow/Indien, der hauptsächlichen „Wirkstätte“ Sri Poonjajis (genannt Papaji, 1910-1997) mit unseren Lehrern Gangaji und Eli Jaxon-Bear, ergab sich die Gelegenheit, die Wohnung, in der Papaji lebte und die noch heute von seiner Familie genutzt wird, zu besuchen. Ich war zuletzt 1996 in Lucknow und erlebte Papaji noch „live“. Allerdings besuchte ich damals nur den „Satsang-Bhavan“, eine Art Veranstaltungshalle, in der Papaji damals - für 300 bis 400 Menschen - für Satsang zur Verfügung stand.


Vor allem Papajis Fähigkeit, die radikale Selbsterforschung, in die er von seinem Meister Sri Ramana Maharshi eingeweiht wurde, auf wunderbar verständliche Weise zu vermitteln, und seine Kraft, Menschen oft sehr schnell zu einem direkten Einblick in die natürliche Stille und Einfachheit des Seins zu führen, beeindruckten mich zutiefst.


Im Schlafzimmer seines privaten Wohnhauses empfing er in den 80ziger Jahren die ersten kleinen Gruppen westlicher Schüler, darunter auch Gangaji und Eli Jaxon-Bear. Dieses Mal durfte ich dort am Fußende seines Bettes eine halbe Stunde in Meditation verbringen. Es ist immer wieder ein interessantes Phänomen: Obwohl die tiefste Ebene innerer Stille für mich mittlerweile überall zugänglich ist, bzw. ich sie ganz klar als den allgegenwärtigen Urgrund meines Seins weiß und erlebe, entdecke ich auf der relativen Ebene Orte, an denen diese Stille noch mal mit besonders eindringlicher Kraft präsent zu sein scheint. Papajis Schlafzimmer ist für mich einer dieser Plätze. Hier scheint – mysteriöser Weise - Stille noch stiller, Mühelosigkeit noch müheloser, die Klarheit reinen Bewusstseins noch klarer und bewusster.

 


Dieses vermeintliche Paradox von „schon überall gegenwärtiger Stille“ und „doch noch besonders stillen Orten“ hat mich am nächsten Tag zu folgendem Text inspiriert:

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Obwohl schon tausendmal gesehen beeindrucken mich die Bilder von Ramana immer wieder aufs Neue. Oft wirken sie so lebendig, als wäre es kein Bild, sondern seine direkte gegenwärtige Präsenz. Und die ist ja tatsächlich auch in unseren Herzen gegenwärtig.
Auch hier in Lucknow/Indien im Restaurant auf der Dachterrasse des Satsang-Bhavans hängt ein wunderbares Foto. Unten in der Halle des Gebäudes stand Sri Poonjaji (genannt Papaji) bis 1997 für Satsang zur Verfügung. Wir verbringen hier etwas Zeit auf dem Retreat „Return to Lucknow“ mit unseren Lehrern Gangaji und Eli.
Durch das Palmendach des Restaurants fallen die Sonnenstrahlen auf das Bild, wie um die überweltliche Schönheit des Weisen Sri Ramana Maharshi noch mehr herauszukristallisieren.



Wer die „Lehre“ Ramanas (1879-1950) nicht kennt, „sollte“ es nachholen, sich damit zu beschäftigen. Es ist eine der radikalsten Ansätze, unsere begrenzte Ich-Identität in Frage zu stellen und die Freiheit zu entdecken, die jenseits der Fehl-Identifikation mit einem persönlichen Ich auf ihre Entdeckung wartet.
Manchmal reicht es aber auch, sich einfach in den Blick dieses Meisters fallen zu lassen und sich zu erlauben, sich darin vollständig selbst zu vergessen.

Jai Jai Ramana Satguru Ki Jai

Herzliche Grüße an Alle

Torsten

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Während unseres Aufenthalts am Ganges im Norden von Indien besuchten wir vor ein paar Tagen einen bekannten Ashram in einem Dorf nördlich von Rishikesh. Hier werden jeden Abend von Schülern einer Sanskrit Schule und ihrem Guru hingebungsvoll Bhajans (spirituelle Lieder) zu Ehren der Göttin Ganga direkt am Fluss gesungen. Dem Gesang zu lauschen und der Hingabe sowohl der Inder, als auch der westlichen Besucher des Ashrams zuzusehen, ist ein Genuss.

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Seit vier Tagen sind wir (meine Partnerin Padma und unsere kleine Retreat-Gruppe) wieder in Indien. Wir genießen die wunderschöne Natur direkt am heiligen Fluss Ganges nördlich der  Pilgerstadt Rishikesh. Hier in den ersten hügeligen Ausläufern des Himalaya zeigt sich der Ganges (oder besser: die Ganga, als weiblicher Gottesaspekt) mit Stromschnellen und atemberaubenden weißen Sandstränden noch so naturbelassen und sauber, dass auch Westler gefahrlos in seinen/ihren Wassern baden können. Es ist ein sinnlicher und spiritueller Genuss, in das kühle Nass zu steigen und noch mal mehr alles belastende Denken von der göttlichen Energie in Form eines Flusses wegspülen zu lassen.

Ganges - Torsten und Padma Retreat 2013
Das ist vielleicht das Wunderbarste an Indien: Es ist hier erlaubt, spirituell zu schwelgen. Wir dürfen staunen über das Göttliche. Es ist willkommen, uns der mystischen Dimension des Lebens hinzugeben, in dem sich unser kleines Ich verliert.
Sicher: Ken Wilbers Integralem Modell nach betrachtet, ist das meiste der religiös-spirtuellen Atmosphäre Indiens durch prä-rationale Energien geprägt. Aus der rationalen Sicht zeigt sich hier naiver Glauben an die Wortwörtlichkeit von Mythen, an die Wirksamkeit von Ritualen und an die „wirkliche Wirklichkeit“ von eigentlich symbolischen Göttergestalten. Dies muss und wird durch die Entwicklung der Vernunft kritisch hinterfragt werden – das scheint mir der Evolution nach auch in Indien zu geschehen. Doch im Prärationalen liegt auch noch die Unschuld des unverfälschten Erahnens unserer Göttlichkeit. Das Staunen über das Mysterium  - Gott dankt es – ist noch nicht wegrationalisiert.
Das ist vermutlich der Grund, warum auch der Raum für transrationale, echte mystische Erkenntnis hier manchmal größer zu sein scheint, als in "höher entwickelten" aufgeklärten Kulturen. Diese neigen dazu, jeden Geschmack von Spiritualität, in der guten Absicht, naiven Aberglauben mit kritischer Vernunft  zu transzendieren, wegzudiskutieren. Da wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.
Es würde mich freuen, wenn sich dieser sprituelle Charakter Indiens noch lange so erhält oder vor allem durch immer mehr transrationale Spiritualität ersetzt wird.
Manchmal schmerzt es fast, wenn wir am Ganges über die Jahre mitbekommen, wie immer mehr neureiche und rational aufgeklärte Inder massenhaft in Rafting-Touren in ihren Gummibooten über die göttlich schönen Stromschnellen von Ganga sausen und nach eher oberflächlichem Vergnügen suchen. Ihr Jauchzen und Johlen bei diesem Abenteuer ist eigentlich ein schöner Klang. Aber wenn es zum Massentourismus wird und man während des stillen Sitzens am Gangesstrand zwei Stunden lang nur noch Jauchzen und Johlen hört ändert sich das spontan. Da kommt kurzzeitig schon mal der Wunsch auf, die Zeit ein wenig zur alten Ursprünglichkeit zurückzudrehen oder sogar der fiese Gedanke, Ganga möge mit ihrer Kraft ein paar von den Grölenden mal schön unterdukern und ihre Suche nach Glück auf Wesentlicheres lenken - was sie sicher manchmal mit Vergnügen tut.
Dann aber entspannt sich der Geist von jenen gemeinen Ideen, genießt das Krächzen der Raben, das rollende Getöse der Stromschnellen und genauso das Jauchzen der Rafter als den perfekten einen Klang des Göttlichen. Wieder mal wird überdeutlich: Es könnte und sollte nicht anders sein. Es ist vollkommen, genauso wie es sich gerade zeigt. Jetzt und immer.

herzliche Grüsse an alle Leser auf connection.de – und vielleicht ein paar prärationale Segnungen  (für die, die’s glauben oder annehmen wollen) – auf jeden Fall transrationale Dankbarkeit

Torsten
 

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Liebe Leser,

ich freue mich über die Einladung von Wolff Schneider an mich, auf der Website der Connection zu bloggen.
Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, habe ich in den letzten Wochen das Forum "Theorie und Praxis des Integralen Modells" auf der Website der Connection moderiert (siehe "Forum" in der rechten Leiste auf connection.de) und werde das auch weiterhin tun.
Hier im Blog kann ich auch jenseits des integralen Modells auf diverse Themen eingehen.

Da mein "Inspirationsfluss" oft am besten in Gang kommt, wenn ich von Menschen konkrete Fragen oder Wünsche nach Reflektionen bekomme, lade ich alle Interessierte dieses Blogs ein, dies zu tun. Stellt gerne Fragen oder äußert Themenwünsche, wenn ihr möchtet, dass ich und wir gemeinsam Themen beleuchten wollen!

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